Freitag, 5. Juni 2009

Jahrhundertschnee – Ernst Halter

Es ist nicht das erste Mal, dass ich mich an einen Schweizer Autor wage. Diesmal hat mich das Buch jedoch gefesselt, im Gegensatz zu Frisch’s eher langweiligen “Homo Faber”. Jetzt bin ich auf der Suche nach Halters “Urwil”, das scheinbar nicht mehr erhältlich ist.

“Jahrhundertschnee” kann man wohl am besten als eine Sammlung von Snap Shots beschreiben. Die einzelnen Kapitel fangen oft mit der Beschreibung einer Szene an, die wohl eher einer Bildbeschreibung ähnelt. Die von Halter listenartige Wortflut könnte aus einem Synonymwörterbuch stammen. Das ist aber alles nicht schlimm und liest sich flüssig. Die meisten der Kapitel enden mit irgendeinem Knalleffekt, der mir oft genug eine Gänsehaut verpasst hat, so dass ich das Buch erst einmal tief Luft holend Jahrhundertschneebeiseite legen musste. Nützlich war es, dass ich vorher die Spiegel-Bücher zum 1. und 2. Weltkrieg gelesen hatte. Deshalb waren viele Bilder im Kontext um so eindrucksvoller.

Gelernt habe ich einiges über die Schweizer Mentalität, hervorgegangen aus den Ereignissen des letzten Jahrhunderts und dargestellt aus der Sicht des aargauischen Autors. Zu Beginn des Jahrhunderts gab es hier die hart arbeitenden Bauern – dann setzte sich langsam die Industrialisierung durch – und damit auch die Linderung der Armut. Es kamen die Schrecken der Weltkriege, von deren unmittelbaren Gewalt, jedoch nicht deren Auswirkungen, die Schweiz verschont blieb. Dann die Zeit des Wiederaufbau Europas und die Aufbereitung oder Auseinandersetzung der Schweizer mit ihrer Neutralität. Es folgen zum Ende des Buches noch Szenen, wie “Tschernobyl” und “Saveso” – Ereignisse, die ich schon fast wieder vergessen hatte.

Ich habe “Jahrhundertschnee” in meine “Top-Bücher”-Liste aufgenommen und gebe dem Buch 4.5 von 5 Sterne.

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