Samstag, 24. Oktober 2009

Das Weltgeheimnis – Thomas De Padova

Die beiden WeltgeheimnisMathematiker und Astronomen Johannes Kepler (1571-1630) und Galileo Galilei (1564-1642) haben in ihrer Zeit bahnbrechende Entdeckungen gemacht. Thomas De Padova beschreibt in seinem Buch “Weltgeheimnis” den Lebenslauf der beiden Kollegen.

Kepler (Bild unten), der deutsche Theologe, Mathematiker und Astronom, Johannes Keplerhat basierend auf sehr akkuraten Messungen von Tycho Brahe (1546-1601) entdeckt, dass die Planeten nicht entlang von Kreisbahnen (Nikolaus Kopernikus; 1473-1543) sondern entlang elliptischer Bahnen laufen. Ferner hat er das kopernikanische, heliozentrische Weltbild (Sonne im Mittelpunkt, alle Planeten kreisen um die Sonne) bestätigt. Tycho Brahe hatte noch einen Weltsystem-Kompromiss vertreten (siehe oberes Bild der Buchtitelseite), bei der die Erde im Zentrum steht (geozentrisches Weltbild), die Sonne um die Erde kreist und die Planeten jedoch um die Sonne.

Galilei (Bild rechts), Galilieo Galileider italienische Mathematiker, Physiker und Astronom, hat unter anderem das Teleskop derartig verbessert, dass er als erster die Jupitermonde erkennen konnte. Beobachtungen der Venusphasen (analog zum Mond: “aufgehende Venus”, “Halbvenus”,
“Neuvenus?”) erlaubten es ihm Rückschlüsse auf das heliozentrische Weltmodell zu ziehen.

Alle diese pasteurisierten Fakten kann man beliebig unter Wikipedia oder anderen Quellen nachlesen. Hört sich bisher ziemlich öde an, oder? De Padovas Weltgeheimnis ist jedoch so spannend erzählt, dass ich es kaum aus der Hand legen wollte und gebe diesem Buch 5 von 5 Sternen.

Ja, was macht denn das Weltgeheimnis so spannend?
De Padova springt zwischen den Lebenswegen der beiden Astronomen hin und her, skizziert nicht nur ihre Forschungen und das gesellschaftliche, politische und wissenschaftliche Umfeld der beiden, sondern charakterisiert herrlich die beiden so unterschiedlichen Wissenschaftler. So scheint Kepler ein von Schicksalsschlägen geplagter, zwangsvagabundierender, emotionaler, pedantischer, selbstkritischer, toleranter Mensch gewesen zu sein. Galilei hingegen war wohl eher ein Grosskotz, geschäftstüchtig, streitsüchtig, oberflächlich und selbstherrlich. Für den berühmten, Galilei fälschlich zugewiesenem Ausspruch, "Und sie bewegt sich doch!", wäre er bei seiner Verurteilung charakterlich nicht in der Lage gewesen…und dumm war er bestimmt auch nicht.

Warum waren die Entdeckungen erst so spät gemacht? Welche Grundlagen fehlten den Menschen zur Einsicht? Welche Rolle spielte die Kirche tatsächlich? Wie hat die intellektuelle Welt die neuen Ideen aufgefasst? Warum landete Galilei vor der Inquisition (Nicht allein wegen des Weltmodells – der Hauptgrund war ein anderer)?

Erst grundlegende physikalische Beobachtungen, genaueste VermessungenSchleifenbahn des Mars , die Entwicklung neuer mathematischer Grundlagen, sowie viel Fleiss und Akribie waren nötig, um den Weg zu einem Verständnis und der Beschreibung unseres heutigen Weltbildes zu bereiten, das wir als so selbstverständlich betrachten. Zur Demonstration der Probleme ist oben ein Bild, das die Schleifenbahn des Mars zeigt, wie sie von der Erde aus erscheint. Na, nun macht daraus ‘mal ‘ne Ellipse :-)  Kepler hat die Bestätigung seiner Theorien nie erlebt.

De Padova schafft es dem Leser Verständnis für das damalige Dilemma abzuringen… und Bewunderung für die Leistungen Keplers und Galileis.

Tatsächlich dauerte es noch einige Zeit, bis sich das neue Weltbild und die Theorien etabliert haben. Max Planck hat dies einmal treffend formuliert: “Die Wahrheit triumphiert nie, ihre Gegner sterben nur aus.”

Samstag, 17. Oktober 2009

David Benioffs Grossvater in der Stadt der Diebe

Gemeint mit der “Stadt der Diebe” ist St. Petersburg (Piter) während der 900tägigen Belagerung durch die Deutschen während des 2. Weltkrieges (des Grossen Vaterländischen Krieges).

Der jugendliche Plünderer Lew und der Deserteur Kolja entgehen knapp der 1028-stadt-der-diebeTodesstrafe und müssen mit einem Spezialauftrag ihre Lebensmittelkarten zurückverdienen.

Puh, normalerweise lese ich keine Kriegsgeschichten. Das ist nicht gut für meine Nerven. Und tatsächlich gibt es einige Szenen, in denen die Grausamkeit und Brutalität des Krieges an der russischen Front geschildert wird.

Der lebensfrohe, optimistische und charismatische Kolja findet immer einen Ausweg aus den verfahrenen Situation, in die die beiden Helden pausenlos geraten. Der nachdenkliche, unerfahrene, teils linkische Lew wächst bald über sich hinaus.

Die beiden so unterschiedlichen Charaktere entwickeln eine Hassliebe zueinander, die sie letztendlich alle Gefahren durchstehen lässt.

Das Buch erzählt eine schöne und spannende Geschichte von Überlebenswille, Leidensfähigkeit, Hoffnung, Freundschaft und Liebe in einem hässlichen, verzweifelten Umfeld, in dem alle Parteien gnadenlos, verroht und abgestumpft sind.

Das Ende und damit meine ich die letzten ca. 20 Seiten des Buches ist ein Knüller, der nochmal so richtig an der Seele rührt.

Mehr Beschreibungen findet ihr bei Amazon oder in diversen Rezensionen.

Uff, eine schwer zu pasteurisierende Geschichte, der ich aus Überzeugung 5 von 5 Sternen gebe.

Sonntag, 4. Oktober 2009

Die Schlüssel-Schloss-Analogie

Wenn Männer fremdgehen wird dies in der Regel als weniger schlimm gesehen, als wenn Frauen es tun. Ts, ts, ts…
Dazu eine pasteurisierte Analogie: schloss-mit-schluessel

Stell Dir vor, Du hast einen Schlüssel, der viele Schlösser öffnet. Ist doch ein toller Schlüssel, der in viele Löcher passt, oder? Jetzt stellt dir vor Du hast ein Schloss, das von vielen Schlüsseln geöffnet werden kann... blödes Teil, nicht?