Samstag, 28. November 2009

Das Gesetz der Ehre - Gianrico Carofiglio

Das erste Hörbuch “Reise in die Nacht” hat mir schon super gut gefallen. “Das Gesetz der Ehre”, spannend gelesen von Erich Räuker, ist ein weiteres Hörbuch, dem ich mit Vergnügen 5 von 5 Sternen gebe.

Diesmal verteidigt Avvocato Guerrieri einen des Drogenschmuggels verdächtigten Klienten, den er leider noch aus seiner Jugend als faschistischen Schläger kennt.carofiglio-Das-Gesetz-der-Ehre

Gianrico Carofiglio erzählt über die Recherchen, welche für den Klienten wenig hilfreich ausfallen, die Gespräche mit seinen Informanten, dem Klienten und die Gerichtsverhandlungen. Dabei bleibt der Protagonist Guido Guerrieri immer sehr sympathisch und entspricht kaum den gängigen Vorurteilen (z.B. Gleichgültigkeit, Geldgier, Überheblichkeit), die man gegenüber Anwälten sonst hat. Guido hat seine Schwächen und denen ist er sich sehr wohl bewusst. Seine Gedanken sind ehrlich…und das macht ihn so liebenswert. Ist er ein Held? Ja!

Der Gerichtsfall ist nicht unbedingt das wichtige Element in diesem Buch, sondern vielmehr die persönliche Entwicklung des Avvocato. Dieser verspürt für seinen Klienten anfangs nur Abneigung – dafür um so mehr Zuneigung zu dessen hübschen Ehefrau. Er übernimmt den Fall dennoch oder vielleicht deshalb? Je mehr er sich in den Fall hineinarbeitet, desto näher kommt er dem Angeklagten und kann dessen Unschuld auch bald nicht mehr ausschliessen.

Das Plädoyer des Staatsanwaltes lässt kaum noch Hoffnung übrig, die Richter zum Freispruch zu bewegen. Guide muss am Ende wieder improvisieren.

Ich freue mich schon den dritten Roman “In freiem Fall” aus dieser Justizkrimiserie zu pasteurisieren.

Sonntag, 22. November 2009

Von den Schimpansen vom Baum gejagt

So oder so ähnlich muss es den ersten menschlichen Vorfahren gemäss Reichholf ergangen sein. Am Boden angelangt musste der Mensch das aufrechte Gehen lernen, um über die Halmspitzen der Graslandschaft nach Beute oder Feinden Ausschau halten zu können. Ein Rausschmiss aus dem Wald, der der Entwicklung der Menschen durchaus förderlich war – verglichen mit der unserer evolutionären Vettern, den Rausschmeissern.WarumDieMenschenSesshaftWurden

Aber das ist erst der Anfang der diskussionswürdigen Hypothesen des Autors. Reichholf geht davon aus, dass kulturelle Entwicklungen, wie z.B. die Domestizierung des Wolfes oder erste Versuche im Ackerbau, aus einer Situation des Überflusses und nicht aus der Not heraus entstanden sind.

Faszinierend sind seine Überlegungen zur Rolle des Bieres in der steinzeitlichen Weiterentwicklung der Gesellschaft. Man merkt, dass der Honorarprofessor der TU München ein gebürtiger Bayer ist.

Unterhaltsam und kompetent erzählt der Autor und Evolutionsbiologe Josef H. Reichholf uns einige der möglichen Szenarien zu den Anfängen unserer Kulturen.

In meine Leseliste habe ich, angeregt von Reichholfs Skizzen, die folgenden Bücher aufgenommen:
Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausend” (Josef H. Reichholf) und “Kollaps” (Jared Diamond)

Das Buch “Warum die Menschen sesshaft wurden” pasteurisiere ich mit 4.5 von 5 Sternen.

Samstag, 21. November 2009

Los Paperboys - Molinos

image

Durch Zufall und über CD-Baby bin ich auf eine interessante kanadische Band gestossen, die mit einer “irischen” evtl. auch “bluegrass” Instrumentalisierung einen beachtenswerten Misch-Folk erzeugt. Irish/Spanish, Russian/Bluegrass …ach was weiss ich.

Fetzig anzuhören. Ein echtes Vergnügen. Ich liebe diese Mischungen.

Zum Selbstpasteurisieren hier ein Link zum ‘reinlauschen: http://www.cdbaby.com/cd/paperboys4

Montag, 16. November 2009

Senatus Populus Que Romanus - I

geschrieben von John Maddox Roberts und gelesen von Erich Räuker.

Der Krimi im alten Rom spielt in einem ähnlich gut recherchierten Umfeld, wie Alberto Angela’s “Ein Tag im alten Rom”. imageWahrscheinlich verwenden beide Autoren dieselben Quellen und beschreiben das alte Rom entweder beide gleich richtig oder falsch. Schön, dass es wenigstens keine offensichtlichen Widersprüche gibt.

Auffällig ist, dass sich die gesellschaftlichen Strukturen bis heute nur unwesentlich geändert haben. Mafiaähnliche Strukturen, machthungrige Politiker, hübsche Frauen, Meuchelmörder, verstopfte Strassen, bestechliche Mitbürger, fette Eunuchen…naja, die ganze Palette halt.

Da ich das Hörbuch fast ausschliesslich beim Überlandfahren gehört habe, sind mir hier und da einige Feinheiten entgangen. So konnte ich teilweise den Schlussfolgerungen des Protagonisten Decius Caecilius Metellus nicht ganz folgen. Mmmh, bevor ich hier aber kritisiere, müsste ich ‘mal stark nachdenken, ob’s nicht am Hörumfeld gelegen hat. Es ergibt sich aus dieser Überlegung ein Fazit: Man muss sich für dieses Buch wohl schon etwas konzentrieren – und ich finde, dies ist bei der heutigen Thriller-Kultur eine sehr positive Kritik.

Was bleibt ist eine mittelmässig spannende Kriminalgeschichte in einem interessanten historischen Umfeld. Nicht ganz unerwartete Wendungen, die der Leser früher als der Protagonist erkennt, führen so freundlichen “aha, hab ich’s doch gewusst”-Erlebnissen. Trotzdem ist das Buch schön zu hören… speziell das Ende hat mir sehr gut gefallen. Ich hatte mich nämlich schon gefragt, wie John Maddox seinen Helden da wohl wieder ‘rausboxt.

Meine persönliche Bewertung mit 4 von 5 Sternen finde ich daher korrekt pasteurisiert.

SPQR I ist übrigens der erste Band einer dreizehnteiligen Krimi-Serie, die ich selbst nicht weiterverfolgen werde.

Freitag, 13. November 2009

Wolfgang Hohlbein – Das Paulus-Evangelium

image Vorgelesen von Sascha Rotermund.

28 Stunden und 11 Minuten Autofahrt gewürzt mit einem Hohlbein-Thriller. Passend zur derzeitigen Genre-Thematik ‘mal wieder etwas aus dem Vatikankreis – ratet doch ‘mal, wer die Bösen sind. Natürlich ein Kardinal, sein fanatischer Killer und ein Ex-CIA-Agent. Neu ist: einer der Guten ist ein deutscher Polizist :-) …obwohl…über “gut” könnte man sich auch noch streiten. Tatsächlich gibt’s in dem Buch fast gar keine “Guten”.

So, mir reichen die Mystik-Thriller jetzt! Das war jetzt wirklich der letzte, den ich mir noch angetan habe.

Die Idee, die den Thriller startet ist nicht schlecht. Zwei Hacker klauen Videofilme über das Stromnetz des sonst vom Internet abgekoppelten geheimen Computers in Castel Gandolfo. In der Videosequenz wird eine Simulation gezeigt, die aus dem verschollenen Paulus-Evangelium erstellt wurde – und die für die Kirche eine recht unangenehme Geschichte beinhaltet. Der Rest, also mehr als 90% der Story, ist eine blutige, gewalttätige Verfolgungsjagd. Ja, wer sonst nichts erlebt im Leben, findet das mit Sicherheit toll.

Nun ja, ich geb’s zu, die Geschichte war recht kurzweilig anzuhören und eine gewisse Spannung war schon da. Als Hörbuch alles akzeptabel. Das ganze als Buch zum Lesen, hätte ich schon längst beiseite gelegt.

Pasteurisiert ergibt das immerhin noch 4 von 5 Sternen. Damit stufe ich dies Hörbuch besser ein, als Dan Brown’s verlorenes Symbol.

Sonntag, 8. November 2009

Dan Brown findet das verlorene Symbol

Wer will eigentlich solche Bücher lesen, in denen Psychopathen Menschen quälen oder abschlachten – egal, ob mit mystischem Hintergrund oder aus Geldgier? Wie kommt es, dass Dan Brown schon so lange auf den Bestsellerlisten steht?

Die ersten vier Fünftel des Buches sind eine rasante Folge von Action, Action und nochmals Action. Ein sehr kurzweiliges Buch, muss ich gestehen – obwohl, zum Teil wirklich ekelhaft. Zu Beginn des letzten Fünftels löst sich dann endlich der Knoten und alle Erzählfäden kommen auf einen gemeinsamen Nenner. Interessant, wie sich die Geschichte auflöst. Das mystische Kauderwelsch und das Wiederholen von weit verbreiteten Klischees symboljedoch ist echt ‘ne Qual.

Das letzte Fünftel hätte Dan sich gerade sparen können. Ich konnte gar nicht glauben, was für ein Geschwafel er ‘runterschreibt, nur um das Buch noch etwas dicker zu machen. Vielleicht wird er ja, wie ein Consultant, nach Seitenzahl bezahlt?

Wie pasteurisiert man diesen Thriller jetzt mit Sternen? Für die ersten 80% Text würde ich noch 3.5 Sterne geben, die letzten 20% kriegen höchstens 2 Sterne.
Daraus ergibt sich ein Gesamtbild von abgerundet 3 von 5 Sternen… und das ist vielleicht noch zu viel für die verschwendete Zeit.

Sonntag, 1. November 2009

Andreas Wilhelm schreibt Projekt: Babylon…

…und Gerd Köster liest es mir Projekt Babylonvor.

Der erste Gedanke nach ca. 20 minütigem Zuhören ist, den Ipod auf “schnelles” Lesen umzuschalten… jedoch entwickelt das Hörbuch im Laufe der Geschichte eine Dynamik, die das dann erübrigt.

Mit Dan Browns Kassenschlager “Sakrileg” oder seinen Folgegeschichten hat sich ein Genre etabliert, in dem Geheimgesellschaften und Hys- äh… Esoteriker altem, geheimen Wissen nachjagen. Wenn man einen dieser Thriller gelesen hat, dann kennt man eigentlich schon alle. Nun ja, zum Zeitvertreib ist diese Sparte der Literatur nicht die schlechteste.

Worum geht’s bei Andreas WilhelmsProjekt: Babylon”?
Ein Schäfer (Nebenperson) folgt einem verirrtem Schaf in eine Höhle, die ein mystisches Geheimnis birgt. Im Namen der UN werden zwei Wissenschaftler (Historiker Peter Lavell und Archäologe Patrick Nevreux) damit beauftragt “koste es, was wolle” das Geheimnis der Höhle zu lüften. Sie erhalten Hilfe von unbekannten Mächten und werden von anderen Interessenten bedroht und verfolgt. Stück für Stück wird das Geheimnis der Höhle aufgedeckt… bis zum abschliessenden Showdown kommt selten Langeweile auf. Die letzten 30 Minuten konnte ich das Hörbuch einfach nicht abschalten.

Nachdem ich die Story in Ruhe pasteurisiert habe, ist mir Appetit auf mehr gekommen. “Projekt: Babylon” ist der erste Teil der Lavell-Nevreux-Trilogie, die mit den Projekten “Sakkara” und “Atlantis” weitergeht.

Mmmh, welche Note gebe ich dem Hörbuch nun? Ich glaube, eine 4.5 von 5 Sternen wäre berechtigt - Halber Punkt Abzug für die erste halbe Stunde :-)