Sonntag, 27. Dezember 2009

Ein König für Deutschland

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Spannend bis lustig aber auch nachdenklich stimmend geschrieben von Andreas Eschbach und unterhaltsam bis fesselnd gelesen von Ulrich Noethen.

Erneut darf ich ein 5 von 5 Sterne Buch pasteurisieren.

Der Romanautor Andreas Eschbach, bekannt durch sein Buch “Eine Billion Dollar”, hat immer wieder interessante und spannende Bücher parat. Mir haben speziell seine Science-Fiction Romane “Die Haarteppichknüpfer” und “Quest” gefallen.

Zum Inhalt des “König für Deutschland”: Herr König gerät durch eine Postsendung aus Amerika in eine Betrugsaffäre, die sein Leben etwas durcheinander bringt. Mit Hilfe neugewonnener Freunde will er die Gefahr des Missbrauches von Wahlcomputern beweisen. Dabei passiert es, dass Herr König vor die Entscheidung gestellt wird zum König von Deutschland gekrönt zu werden.

Eschbach gelingt es eine beinahe glaubwürdige Geschichte zu konstruieren. Noethen verstärkt durch seine Erzählung die Glaubwürdigkeit sogar noch. Die Geschichte entwickelt sich im Laufe der Handlung immer mehr in eine politische Satire. So bin ich dann zum Hörbuch hören auch vergnügt grinsend, mit Kopfhörern bestückt über die Felder spaziert. Meine liebe Ehefrau hat dann auch schon mal gefragt, was ich denn so grinsen würde, als ich wieder zu Hause war.

Das Ende des Buches verliert etwas Wirklichkeit und nimmt fast Formen eines modernen Märchens an. Macht aber nichts, ich konnte mit Vergnügen bis zum letzten Wort durchhalten.

Links
Hörbuch bei audible.de
Buch bei Amazon
Andreas Eschbach's Homepage
Wikipedia über Andreas Eschbach
Wikipedia über Ulrich Noethen

Sonntag, 13. Dezember 2009

Urs Augstburger - Graatzug

Graatzug

Die Geschichte spielt im Wallis und ist eine Mischung aus… mmh, Thriller? Gruselgeschichte? Heimatgeschichte? … ist eigentlich auch egal. Eine tolle Story, die geschickt aufgebaut ist und fast durchgehend spannend bleibt.

Zu Beginn verliert man etwas Zeit, um zwischen dem Wallisserisch-Deutsch-Glossar und der Geschichte hin und her zu blättern. Doch dann beschleunigt die Story und die Wallisserischen Gesprächsfetzen werden weniger. Die Sätze im Wallisserischen Dialekt geben dem Buch eine urtümliche Atmosphäre. Geschickt werden aktuelle und vergangene Zeitlinien vermischt. Vergangene Ereignisse, die keiner kennen kann, da sie nie erzählt worden sein können, werden durch einen geschickten Trick erzählt und dadurch glaubwürdig. Überhaupt ist das ganze Buch trotz seiner teils übernatürlichen Geschehnisse eigentümlich real.

Ausgeprägte Charaktere, wie die Bewohner des Seegutes, lassen viel erahnen über das Wallis und seine Bewohner. Das harte Leben der Bergbauern in Gewohnheiten und Traditionen vor nicht einmal einem Jahrhundert und der Einzug der modernen Welt, mit seinem Strom, fliessend Wasser und Tourismus, stossen nicht überall auf Freunde…und so nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Ein empfehlenswertes Buch, mit 5 von 5 Sternen pasteurisiert und somit in meiner Top-Liste.

Samstag, 12. Dezember 2009

Netzwerk Musikplayer Noxon iRadio, SoundBridge und Squeezebox Radio im Vergleich

Schon seit einigen Jahren verwende ich Netzwerk-Musikplayer (Internetradios), um meine Musiksammlung von der Netzwerkfestplatte aus überall in der Wohnung verfügbar zu haben. Begonnen habe ich in der Küche mit dem Noxon iRadio. Nunja, das iRadio hat seine Aufgabe einigermassen erfüllt. Im Jahr darauf kam in der Stube die SoundBridge hinzu, mit der ich schon viel zufriedener war. Ein weiteres Jahr danach, also gestern, habe ich das Noxon ins Bad verfrachtet und dafür das Spitzenteil Squeezbox Radio in die Küche gestellt.

Terratec Noxon iRadio: Berücksichtigt man, dass das iRadio Terratec Noxon iRadioeines der ersten auf dem Markt war, so bringe ich noch etwas Toleranz auf. Mit vernünftigen Firmware upgrades, die leider nicht verfügbar waren, hätte man das Gerät noch retten können. Nunja, im Bad zum DRS4 Nachrichtenhören ist es allemal noch ok. Update: Nein, nicht einmal mehr fürs Bad zu akzeptieren.

Pinnacle SoundBridge (wohl nicht mehr verfügbar): Oh, welch eine Entspannung nach dem Noxon. Manchmal musste ich Pinnacle SoundBridge zwar softwaretechnisch recherchieren und tricksen, um z.B. LastFM auf die SoundBridge zu bringen oder zu scrobbeln. Nunja, hat dann immer irgendwie geklappt.

 Logitech Squeezebox Radio: Logitech Squeezebox RadioJaaa, es kann alles was mein Herz begehrt. Die Technik hat sich also doch weiterbewegt. Leider müssen in 99% der Fälle meine Wünsche sonst erst noch erfunden werden… aber hier scheint alles perfekt (naja, fast)! Die squeezebox ist ganz klar meine Empfehlung.

Vergleich und Bewertung:


Terratec
Noxon
iRadio
Pinnacle
SoundBridge
Logitech
Squeezebox
Radio
Bedienung (-) Per Fernbedienung (kurze Reichweite)
(-) Beim Tastendruck (lokale Bedienung) verschiebt sich das Radio
(+) Per Fernbedienung (grosse Reichweite)
(-) nicht intuitive Fernbedienung
(-) Keine lokale Bedienung
(-) Keine Fernbedienung im Lieferumfang
(+) iPod-ähnliche intuitive lokale Bedienung
Titel oder Sender scrollen (-) ewig langsam, hängt zum Teil (-) geht zwar zügig, ist aber wegen zweizeiligem Display mühsam (+) einfach und übersichtlich
Titel suchen (-) geht nicht (-) geht nicht (+) geht einfach
Formate (-) akzeptiert nicht alle Internetsender und Podcasts (-) akzeptiert nicht alle Internetsender und Podcasts
noch nicht getestet
Web-GUI (-) unnötiges Teil, das hätte Terratec sich sparen können (-) schwach
(+) Dank VisualMR einfach anzusteuern
(+) umfassend
Stabilität (-) Abschaltungen mitten im Lied
(-) Teilweise Neustart nötig
(+) Läuft und läuft und läuft (-) Programmtasten werden manchmal gelöscht (+) Läuft stabil (Programmtasten sind an Server gebunden. Bei Wechsel wird andere Konfiguration wirksam)
Playlisten (-) nicht am Gerät erstellbar (o) über VisualMR, sonst nicht (+) direkt am Gerät erstellbar
Lastfm-Radio spielen (-) nein, geht nicht (-) nur mit Zusatztools vom Computer, schwierig und instabil (+) ja
Scrobbeln (-) nein, vergiss es (o) ja, jedoch nur mit Zusatztool vom Computer (sbPopper) (+) ja, auch ohne Computer
Updates (-) selten und dann schwierig zu installieren (+) automatisch im Hintergrund
(o) automatisch, jedoch im Vordergrund
Klang (+) eigener Lautsprecher
(o) guter Klang
(o) kein eigener Lautsprecher
(+) Je nach angeschlossenem Lautsprecher, sehr guter Klang
(+) eigener Lautsprecher
(+) sehr guter Klang
Preis/
Leistung
zu teuer überraschend günstig nunja, was man nicht alles so hergibt für Leistung
Pasteurisierte Note 1 von 5 Sternen 4 von 5 Sternen 5 von 5 Sternen

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Rebecca Gable zur Zeit der normannischen Besetzung Englands

Gable zweite königsreich“Das zweite Königreich”  beschreibt mehr oder weniger den Lebenslauf des Protagonisten Caedmon of Helmsby, einer fiktiven Gestalt, die im Dunstkreis von Wilhelm dem Eroberer lebt.

Das Hörbuch ist eine entspannende, wenig anspruchsvolle Hörlektüre. Etwas für’s Autofahren und so nebenbei. Soweit ich beurteilen kann ist die historische Umgebung gut recherchiert. Einige Passagen, wie z.B. die Schlacht von Hastings oder der Teppich von Bayeux haben meine Neugierde im Wikipedia nachzulesen geweckt.

Ich habe mir das Hörbuch von einem meiner Lieblingssprecher Detlef Bierstedt vorlesen lassen (gibt 0.5 Sterne extra).
Nach einem ca. 15stündigem Hörgenuss kann ich das Hörbuch noch mit 3.5 von 5 Sternen pasteurisieren. Das ganze in Buchform hätte ich nie zu Ende gebracht.

Sonntag, 6. Dezember 2009

Cioma Schönhaus war der Passfälscher

Im Buchladen habe ich erst gezögert, ob dies wohl das richtige Buch für mich ist. Nazideutschland, Judenverfolgung… mmh, klingt sehr politisch. Meine liebe Ehefrau hat gesagt, dass ich das Buch sowieso nicht lesen würde. Also eher ein Trotzkauf, gegen Bevormundung??

Was für eine Geschichte! Fantastisch! Diesem Buch gebe ich 5 von 5 Sternen und werte alle anderen Bücher, die ich gelesen habe um einen Stern ‘runter. Selten habe ich die Geduld und die erforderliche Konzentration gefunden ein Buch in fast einem Rutsch durchzulesen. Hier ist es mir nahezu gelungen. Ein Buch, das ich einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Was hat mich eigentlich so verzaubert? Der Autor Cioma Schönhaus ist gleichzeitig auch der Held der Geschichte; einer Geschichte, die er tatsächlich so gelebt hat. Herr Schönhaus ist ein grandioser Mensch, den ich so gerne persönlich kennenlernen würde. Heute müsste er 87 Jahre alt sein.DerPassfälscher

Der jugendliche Cioma hat einen beeindruckenden Willen sein Leben trotz aller Widrigkeiten selbst zu bestimmen, der mir soviel Mut macht. Für ihn gibt eigentlich immer ein Licht am Ende des Tunnels. Optimistisch, offenherzig, unverzagt, ja manchmal zu leichtsinnig gerät er immer wieder in Gefahr und selbst dabei hilft er selbstlos noch wildfremden Menschen. Am Ende gelingt ihm die Flucht vor dem Naziregime in die Schweiz.

Das Buch beschreibt ein breites Spektrum von Höhen und Tiefen, ohne jedoch anzuklagen, zu verurteilen, zu jammern und zu werten – das tut der Leser dabei automatisch selbst. Cioma besitzt eine Grossherzigkeit, eine Menschlichkeit, die wohl bei wenigen Menschen anzutreffen ist. Dem jugendlichen Cioma muss vieles wie ein böser Traum vorgekommen sein – ob ihm damals wirklich alles bewusst war? Cioma Schönhaus scheint heute mit sich und seiner Welt ins Reine gekommen zu sein – für das, was er miterleben musste ein wahres Wunder.

Dieses Buch sollte Pflichtlektüre an unseren Schulen werden… und glaubt mir, es ist für jeden etwas dabei: Agentenkrimi, Thriller, Ludwig-Thoma-Streiche, dunkle deutsche Geschichte… und viel, viel sympathische Menschlichkeit.

Eine Anekdote aus dem Buch ist mir komischerweise besonders in Erinnerung geblieben: Ein Gestapomann mit “weichem Herz” trifft täglich auf der Strasse einen traurig blickenden Juden und will ihm gerne eine Freude machen. So verhaftet er ihn grundlos und sperrt ihn 8 Tage ein. Als er ihn am neunten Tag freilässt, ist der Jude total froh…und derart hat der Gestapomann dem Juden eine Freude machen wollen.

Nachtrag: Im Schweizer Rundfunk gab es 2005 ein Interview mit Cioma Schönhaus.