Freitag, 10. Dezember 2010

Die Giftköchin – Arto Paasilinna

… vorgelesen von Gisela Fritsch

Pasteurisiert mit 5 von 5 Sternen. Eine mörderische Komödie aus Finnland.

Giftköchin Die alte Witwe Linnea wird von ihrem kriminellen Pflegesohn Kauko gründlich ausgenommen… und dann trachtet dieser zusammen mit seinen Freunden auch noch nach ihrem Leben. In irrwitzigen Situationen verübt das Trio nun plumpe Mordanschläge, die nicht wirklich mit Erfolg gekrönt sind. … und ja, es gibt auch Tote!

Das relativ kurze Hörbuch ist ein richtiges Feierabendvergnügen und für jeden Krimifreund zu empfehlen. Die Sprache ist so schön sachlich und trocken. Die Art, wie Linnea die Situationen analysiert, ihre Gedanken, ihre abgeklärte Sichtweise sind ein grosses Vergnügen.

Arto PaasilinnaLinks:
Das Buch bei Amazon (Buchdeckelfoto)
Das Hörbuch auch wieder bei Amazon
Der Autor bei Wikipedia
Eine Leseprobe bei Google Bücher
Quelle des Autoren-Fotos (links)

Samstag, 4. Dezember 2010

Tauben fliegen auf – Melinda Nadj Abonji

Pasteurisiert mit 5 von 5 Sternen – Ein Dokument zur Völkerverständigung und ein Plädoyer für die Menschlichkeit.

Das Erste, was beim Lesen auffällt, ist der mir ungewohnte Schreibstil der Autorin, den ich in Diskussionen mit “Atemlos” betitelt habe und der sich durch lange Bandwurmsätze, mit einem Komma nach etwa jedem dritten bis fünften Wort, jedenfalls so gefühlt, wenn auch eher wenig verschachtelt, dafür mehr durch Aneinanderreihungen, auszeichnet und der, ich rede immer noch vom Atemlos-Stil, der ganzen Geschichte eine Dynamik verleiht, wohl auch, weil man den Satz einfach zu Ende lesen muss und das wunderbare Buch nicht zwischendurch aus der Hand legen kann.

TaubenFliegenAufBei jedem Buch, das ich lese, sehe ich eine Hauptgeschichte, nämlich die, die geschrieben ist. Daneben entsteht meine eigene Nebengeschichte im Kopf. Diese Nebengeschichte ist dann eine Mischung aus dem Buch, den aktuellen Geschehnissen in der Welt, eigenen Erfahrungen und/oder Träumen. Ich suche Bezüge, versuche aus dem Geschriebenen zu Lernen und übertrage Ideen und Erklärungen in mein Weltbild und mein Selbstverständnis – oder suche Bestätigung. Mit Melinda Nadj Abonji habe ich nun das Gefühl, meinen Horizont wieder mal etwas erweitert zu haben. Bissige Zungen würden jetzt sagen, dass dies ja nun nicht allzu schwer wäre, ha, ha.

Das Buch ist emotional sehr stark und steckt voller lebendiger Bilder aus dem Leben der Familie Kocsis, die schon in ihrer jugoslawischen Heimat zur ungarischen Minderheit gehörte und nach ihrer Emigration in die Schweiz durch harte Arbeit eine neue Existenz gründet. Meiner Meinung nach lautet das Kernthema des Buches “die Würde des Menschen”. Die Protagonistin Ildiko ist dabei, bis auf vielleicht eine Stelle, nicht politisch, auch nicht verbittert oder nachtragend, sondern spielt auf der ganzen Palette der Menschlichkeit. So pendelt die Geschichte hin und her zwischen dem Hier-und-jetzt, der Kindheit in der Vojvodina und den späteren Besuchen bei Verwandten. Als eines der stärksten Bilder habe ich Ildikos Zusammenkunft mit ihrem Freund Dalibor empfunden, bei dem sie ihm erzählt, dass ihr Cousin zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Aber ach nein, das Buch ist gespickt mit starken Bildern, die vorher genannte Szene ist nur am frischesten, da im letzten sechstel des Buches.

Die Erzählung, die anfangs eher lustig aussah entpuppte sich mehr und mehr als tiefsinnige Beobachtungsstudie. Ein sehr empfehlenswertes Buch. Ein Muss, speziell für SVP-Wähler, die ein wenig Verständnis und Menschlichkeit benötigen und hier auch erfahren können. Dieses Buch ist ein Lichtblick in dunklen Zeiten, in denen Roma abgeschoben, sarrazinische Genetik-Lügen verbreitet und Melinda NADJ ABONJIMenschenrechte durch mittelalterliche Doppel- und Pauschalbestrafungen mitten im Lande mit den Füssen getreten werden. Stilistisch einzigartig geschrieben. Danke!

Links:
Das Buch bei Amazon
Die Autorin bei Wiki (s. Bild rechts)
Deutscher Buchpreis 2010 (es lohnt sich auch der Blick auf den Wiki Eintrag)
Der Link zur Homepage des Schweizer Buchpreises ist leider defekt und so gibt es hier nur den Wiki-Eintrag

Donnerstag, 2. Dezember 2010

St. James Infirmary … wieder so ein Tag mit nur einem Song

Den 11. September 2010 hatte ich bereits zu einem “Nur-ein-Song-den-ganzen-Tag” erkoren. Die letzten zwei Tage habe ich die Dauerberieselung wiederholt. Diesmal allerdings mit 38 verschiedenen Versionen des St. James Infirmary Blues.

Dabei waren die folgenden Musiker:

Allen Toussaint, Anat Cohen, Archie Shepp, Artie Shaw, Artie Shaw, Benny Goodman, Bethany & Rufus, Bob French's Original Tuxedo Jazz Band with Leon 'kid Chocolate' Brown, Bobby Bland, Bobby 'Blue' Bland, Cab Calloway, Cassandra Wilson, Count Basie, Dr. John, Duke Ellington, James Solberg Band, Joe Cocker, Jonah Jones, Ken Colyer, King Oliver, Erich Kunzel, Lou Rawls, Louis Armstrong, Luther Kent, Nicholas Payton, Paolo Nutini & Preservation Hall Jazz Band, Pete Fountain, Snooks Eaglin, Swing Cats, The Animals, The Blue Saracens, The Doors, The Standells, The White Stripes, Tom Jones, Yim Yames & Preservation Hall Jazz Band, Zephyr, Zola Moon.

Ich hätte ja noch gerne eine Version von Tom Waits dabei gehabt. Ob es die wohl überhaupt gibt?

Montag, 29. November 2010

Rückfall in das Mittelalter – Die schweizerische Ausschaffungsinitiative

Das gestrige Votum des Schweizer Stimmvolkes zu Gunsten der Ausschaffungsinitiative pasteurisiert mich sehr.

Im Mittelalter war es üblich Menschen nach ihrer Tat zu bestrafen. Zum Beispiel: Diebstahl, also Hand ab; Mord, also Kopf ab. Die moderne Justiz urteilt da schon differenzierter. So wird in zivilisierten Ländern beispielsweise ein Unterschied gemacht, ob ein Dieb aus Raffgier oder aus Not heraus gehandelt hat. Ein Mord kann aus niederen Motiven heraus oder ein Totschlag aus dem Affekt geschehen sein. Entsprechend wird bei der Verhängung des Strafmasses, und dies ist eine Errungenschaft unserer Zivilisation, eine Verhältnismässigkeitsprüfung durchgeführt.

Das Schweizer Stimmvolk bzw. diejenigen, die bei der Abstimmung ihr Ja-Kreuz gemacht haben, haben der Zivilisation einen schweren Rückschlag erteilt und das Land ins Mittelalter zurückkatapultiert. Zudem wird ein Unterschied in der Rechtsprechung zwischen Schweizern und Nicht-Schweizern gemacht, wobei letztere eine Doppelbestrafung (Knast und Ausschaffung) erhalten und auch eine Reintegration in das Sozialleben verweigert wird. Mit dem gestrigen Entscheid wurde eine äusserst undemokratische Machtkonzentration gegen eine Minderheit ausgeübt, die Ungleichheit vor dem Gesetz statuiert und die Pauschalverurteilung, beides à la Scharia, eingeführt.

Noch ist aus der Zustimmung des Stimmvolkes kein Gesetz geworden und der Weg dorthin wird sowohl die Kompetenzen der SVP übersteigen, die von der Justizministerin S. Sommaruga aufgefordert wurden daran mitzuarbeiten, als auch vor der Europäischen Menschenrechtskommission scheitern.

Am Ende wird alles bleiben, wie es ist. That’s Entertainment.

Sonntag, 28. November 2010

Die Kinder der Meerfrau – Konrad Hansen

... mir vorgelesen von Stephan Benson.

Pasteurisiert mit 4 von 5 Sternen. Norddeutsch-dänische Familiensage im 18. Jahrhundert – Ostsee, Goldküste, Westindien, Grönland.
Meerfrau
Als Jugendlicher habe ich Familiensagas gerne gelesen. Ein Highlight in der Rubrik Familiensaga ist natürlich Thomas Manns “Buddenbrooks”. Heute sind mir solche Werke jedoch eher zu langatmig. Lesen würde ich einen derartigen Schinken heute nicht mehr aber ihn zu hören ist was ganz anderes. Da meine Spaziergänge mit dem Hund wegen seines hohen Alters (14 jährig und der älteste im Dorf!) nun eher kurz ausfallen, dauert das Hören eines solchen Buches schon mal 30 Tage. Die Geschichte wird damit zwangsweise in kurze Stücke zerhackt, wodurch ich mich jedesmal wieder neu reindenken muss… vor allem wo ich doch wenigstens immer ca. 3 Bücher parallel lese und ein weiteres Hörbuch parallel im Auto höre... abgesehen auch von den vielen Magazinen (Spiegel, Stern, Cicero, National Geographic, GEO etc.) die ich auch noch lese. Also eine schier überwältigende Flut von Wörtern und Zeilen, die mich noch ausserhalb des Berufslebens (dort lese ich täglich technische Berichte, Offerten, E-Mails etc.) überschwemmt. Ich liiiiebe Lesen!
Nun aber zum Buch. Mir, einem Exilnorddeutschen, hat besonders die Sprache gefallen: sachlich, klar, nicht zu emotionsbeladen und hier und da garniert mit plattdeutschen Ausdrücken. In den Passagen in der Dorschbucht kommen die übliche Fremdenfeindlichkeit, das “Hintenrum dem Pastor zutragen” und die patente Lösungsfindung der Nordlichter zum Ausdruck. Ich fühlte mich gleich wieder zuhause.
Zwei Themen, der Walfang (die Grönlandfahrt) und der Sklavenhandel (von der Goldküste nach Westindien), haben viele Bytes im Hörbuch verschlungen und sind sehr interessant zu hören. Da mein “Moby Dick” schon sehr lange her ist, haben mich die Walfang-Stellen wohl am meisten fasziniert. Die Behandlung der Sklaven und die Gnadenlosigkeit der “Blanken” ist teilweise extrem abstossend beschrieben (wenn auch authentisch, was ich nicht anzweifle). Von mir aus hätte man die ein oder andere Textstelle (z.B. wie man einen afrikanischen König beeindruckt) ruhig auslassen können.
Links
Das Buch bei Amazon
Der Autor bei Wikipedia
Ein Interview mit Konrad Hansen zum Buch
Eine Rezension mit vielen inhaltlichen Hinweisen

Freitag, 26. November 2010

Integration, wer und worin?

In Deutschland debattiert man derzeit über die Integration von Mitbürgern ausländischer Herkunft. Was heisst eigentlich Integration?
Dazu habe ich bei Wikipedia mal nachgeschlagen und komme auf folgende Beschreibung:
"Ausbildung einer Lebens- und Arbeitsgemeinschaft mit einem Einbezug von Menschen, die aus den verschiedensten Gründen von dieser ausgeschlossen (exkludiert) und teilweise in Sondergemeinschaften zusammengefasst waren."

Nun kenne ich als Exildeutscher meine alte Heimat ja recht gut und frage mich daher in welche Lebensgemeinschaft sich Emigranten denn überhaupt integrieren sollen. Die Deutschen haben nämlich, gerade in den Grossstädten, weder grossfamiliäre Bindungen, meistens keinen Freundeskreis, kaum private Kontakte zu Arbeitskollegen, ja selbst im Verein geht man meist nach getanem Sport wieder nach Hause. Politisch ist man selten aktiv, im Konzert, Kino, Theater ist man auch nicht länger als nötig, Feste feiern tut man nur noch seltenst etc...

Dagegen pflegen viele noch-nicht-deutsche Kulturen sehr wohl die Grossfamilie, Kontakte mit Freunden (zu erkennen an Lachen, Musik, Singen... Was die Nachbarn eher stört), Treffen in der Kirche, der Moschee oder zu Grossanlässen, wie Geburt, Hochzeit etc. Hier werden umfangreich soziale Kontakte gepflegt. Diese Gruppen sind sehr offen für die Integration von Excludierten (Hey, komm doch auch dazu, was möchtest Du trinken und essen?) Alte Menschen sind integriert, Kinder sind zahlreich und werden nicht nur geduldet, sondern bevorzugt behandelt.

Bei der deutschen Debatte frage ich mich deshalb, ob es nicht besser wäre, wenn man über die Integration von Deutschen in die ausländischen Kulturen spräche. Der deutsche Fernsehgucker, Internetsurfer, Einsamangler, Kontaktablehner, Nichtteiler, Couch-Potato, Wutrentner o.ä. wäre dann auch nicht mehr so einsam und bräuchte nicht eifersüchtig auf sozial-aktive Migrantenkulturen schauen.

Dienstag, 23. November 2010

Langsames Backup iTunes / iPad

Es hat mich pasteurisierte Stunden gekostet herauszufinden, warum das Backup meines iPads (16GB) mehr als 10 Stunden benötigt.

Schaut man auf dem Computer in den Backup Pfad hinein (C:\Users\UserName\AppData\Roaming\Apple Computer\MobileSync\Backup), findet man im aktuell laufenden Backup Dateien mit der Endung “info”. Diese Dateiendung habe ich dem Editor zugeordnet. In der kleinen 1 kByte grossen Infodatei stehen jede Menge kryptische Zeichen, jedoch auch lesbare Teile, woraus sich eine Zuordnung zur App entnehmen lässt.

Also musste ich feststellen, dass Apps, wie NZZ E-Paper, stern eMag, Der Spiegel, MobileRSSFree, Das Magazin, The World HD etc., tausende von Minidateien produzieren. Hätte ich mein Backup nicht abgebrochen, so wäre wohl etwa 40’000 kleine und kleinste Dateien erzeugt worden. Da dauert schon die Windows Namensgebung länger als das eigentliche Übertragen vom iPad auf den Computer, das übrigens laut Ressourcenmonitor immerhin mit 2.5 Mbit/s ablief.

Nun musste ich die Wahl treffen, welche Apps ich entfernen kann und welche nicht. Die News werden aus RSS-Feeds bezogen, können also neu runtergeladen werden.  FlipBoard und Pulse müssen neu eingerichtet werden. Die letzte Stern Ausgabe ist futsch, glücklicherweise aber schon gelesen. Die Spiegel-Ausgaben lassen sich zurückholen, wenn man sich wieder als Nutzer anmeldet. Auch die NZZ arbeitet ohne Verluste. Die letzte Ausgabe des Magazins hatte ich noch nicht gelesen, die musste also bleiben. In Summe beträgt nach dem Löschen der kritischen Apps das Backup nur noch etwa 15 Minuten.

Das anschliessende Wiederinstallieren kostete mich nochmals etwa 20 Minuten plus 30 Minuten Einrichtung FlipBoard und Pulse. In Summe ein Gewinn, wenn man weiss wie. Puh, da haben die Programmierer der Journale und Zeitungen aber einen Mist programmiert.

iScrobble 4 verträgt sich übrigens nicht mit iOS 4.2.1.

Sonntag, 21. November 2010

Die letzte Initiative

Mist, es hat geblitzt. 12_verkehrsschild_50Aua, und vorher war ein Schild mit 50. Nee, 60 doch, oder? Nein, nein, ich bin ganz sicher 50. Verdammt, dann ham’ sie uns, wegen 10 km/h werden die uns nun ausschaffen, garantiert. Lass uns schnell zur Grenze. Bist du verrückt, die warten da doch nur auf uns, die Blitzer sind bestimmt direkt mit denen verbunden. Ruf die Kinder an, die sollen nachkommen, hoffentlich wird das Telefon noch nicht abgehört. Wir gehen ab hier zu Fuss weiter und schwimmen dann über den Rhein, wenn’s dunkel ist.

Wohin mit dem Hausstand? Was sagen die Kollegen? Das Geld auf der Bank, wer bekommt das? Müssen wir erst Strafe zahlen und verlieren dann bei der Ausschaffung alles andere? Muss nur der Fahrer gehen oder die ganze Familie? Die Flucht über die Grenze ist unsere letzte Initiative.

Samstag, 20. November 2010

Verlorenes Wissen, verbotene Wahrheit – Brian Haughton

Pasteurisiert mit 4 von 5 Sternen – Umfangreiche, neutrale Zusammenstellung der Mysterien unserer Welt.

BrianHaughtonWäre Brian Haughton auch einer von diesen Spinnern, die für alle rätselhaften Bauwerke dieser Welt gleich UFO-Theorien heranziehen, dann hätte ich das Buch nie gekauft. Brian erzählt sehr sachlich über Orte (z.B. Stonehenge, Petra, Osterinseln, Machu Picchu) , Artefakte (z.B. Nazca-Linien, Karte des Piri Reis, Grabtuch von Turin) und Personen (z.B. Robin Hood, Ötzi, Königin von Saba, König Artus). Er beschreibt kurz die Fakten, die gängigen Theorien, den Stand der Forschung und erlaubt sich hin und wieder auch ‘mal eine eigene Meinung, die jedoch nicht aufdringlich erscheint.

In Summe ein leicht lesbares, verständliches Buch, das mir einen umfangreichen Überblick über die interessanten Rätsel verschiedener Überbleibsel untergegangener Kulturen gegeben hat. Also genau so, wie es im Vorwort von Frank Joseph (s. folgendes Zitat) beschrieben wird:

“Nowhere has such a broad collection of diverse information about ancient wonders been assembled. Hidden History…is a comprehensive encyclopedia of the strange and the intriguing, which will be sought out by anyone fascinated with the remote past.”
--
Frank Joseph, editor, Ancient American

Link:
Das Buch bei Amazon
Brian’s Web-Seite

Freitag, 19. November 2010

Vergleich der eReader: Sony PRS-505 vs. iPad

GrössenvergleichWie vor 10 Tagen angekündigt, möchte ich hiermit den ausstehenden Vergleich zwischen den oben genannten Readern ziehen. Rechts ist ein Grössenvergleich.

Was ich an meinem Sony Reader mag: 
- leicht (250 g) wie ein Taschenbuch
- handlich (etwa B6-Format; 175 x 122 x 8 mm), passt in jedes Gepäck
- Bildschirm reflektiert selbst bei stärkster Lichtflut nicht die Bohne
- einfache Bedienung mit einer Hand
- durch das beleuchtete Zusatzcover kann ich im Dunkeln lesen
- schneller Start aus dem Standby-Modus (sofort lesebereit)
- geringer Batterieverbrauch (etwa 1 Buch pro Aufladung)
- völlig ermüdungsfreier Bildschirm

Was ich am Sony Reader nicht mag:
- gekaufte Bücher können nur auf dem Sony Reader oder am registrierten Computer gelesen werden und sind nicht auf das iPad übertragbar
- der Bücherkauf (z.B. bei Thalia) erfolgt am PC, zur Übertragung müssen Reader und PC erst verbunden werden
- nur wenige Bücher kann man vor dem Kauf “anlesen” und das dann auch nur unbequem am PC-Bildschirm
- die Bücher sind nur geringfügig günstiger, als die Papieroriginale (trotz deutlich geringerer Produktions-, Transport- und Vertriebskosten)
- das Umblättern nimmt geringfügig mehr Zeit in Anspruch als beim Lesen eines Buches
- da nur Graustufen abgebildet werden und weil der Bildschirm klein ist (6 Zoll = 15.5 cm Diagonale), lassen sich Journale und Zeitungen nicht auf dem Sony lesen
- kompliziert formatierte Texte (Tabellen, Fotos) werden zum Teil gar nicht oder nicht korrekt dargestellt
- Achtung: die obigen Negativpunkte haben mich vor dem Kauf des iPad nie gestört!

Was ich am iPad mag: NatGeoSeite
- grosser, bunter Bildschirm (9.7 Zoll = 25 cm Diagonale)
- Zeitungen (z.B. NZZ), Journale (z.B. National Geographic, GEO, Das Magazin, Spiegel, Stern) werden erstklassig und mit Mehrwert gegenüber den Papierversionen dargestellt (Beispiel Bild rechts)
- Apps, wie Textunes (grosse Auswahl deutschsprachiger Bücher), bieten die Möglichkeit die ersten 10-40 Seiten einzusehen, bevor man kauft 
- die Bücher verbinden Grafik, Fotos, manchmal Links und Videos und bieten oft Mehrwert; zudem sind die eBücher deutlich günstiger als die Originale
- der Kauf erfolgt online und die Bücher sind sozusagen “over the air” sofort da
- schneller Start, sofort lesebereit
- man kann neben dem Lesen auch noch Notizen machen oder sogar mit Texten arbeiten (z.B. GoodReader) oder Zitate an Freunde oder Tumblr/Twitter weiterleiten, Rezensionen verfassen und absenden, weiterführende Informationen erbrowsen etc...

Was ich am iPad nicht mag:
- sehr, sehr ermüdender Bildschirm, der in der Sonne durch Reflektionen unlesbar wird (siehe Bild unten)iPadReflektionen
- vergleichsweise schwer (680 g, stört nicht wirklich, da sowieso nur beidhändig bedienbar*grins*)
- zum Umblättern benötigt man die zweite Hand (also wie beim Bücherlesen)
- zum reinen Lesen etwas unhandlich (etwa B5; 243 x 190 x 13 mm)
- tägliche bis zweitägliche Aufladung erforderlich (naja, das Teil wird aber auch echt viel genutzt… eigentlich bin ich mit der Batterielaufzeit zufrieden)

Pasteurisiertes Fazit:
Im Reisegepäck wird der Sony nicht fehlen, jedoch wohl nur noch zum Lesen in der prallen Sonne ‘rausgeholt.  Meine Lesezeitverteilung wird etwa 10% Sony, 30% Bücher und 60% iPad ausfallen.

Links:
Pasteurisierte Posts zum Sony PRS-505 (08.08.2009) und zum iPad (09.11.2010)

Dienstag, 16. November 2010

Zehn – Franka Potente

…und auch von ihr vorgelesen.

Pasteurisiert mit 5 von 5 Sternen. Japanische Kultur: mir unbekannt aber authentisch klingend.

ZehnDie Japanische Kultur ist für mich sehr fern. Wenn ich hier und da etwas über das Leben in Japan mitbekommen habe, so hat es nie gereicht mir ein Bild zu machen, geschweige denn eine Meinung oder Vorurteile zu bilden. Allenfalls ist Japan für mich so weit entfernt, dass es mich schlichtweg nie wirklich interessiert hat… und so bin ich auch mehr zufällig und völlig unwissend in diese wunderbare Kurzgeschichtensammlung geraten.

Also habe ich aus diesem Buch von Franka Potente einiges gelernt – immer vorausgesetzt, dass die Bilder und Stimmungen authentisch sind, was ich leider absolut nicht beurteilen kann… da vertraue ich ganz auf Frankas Erfahrungen und Beobachtungen.

So erzählt Franka in ihren Geschichten viel über den stolzen, traditionsbewussten Japaner, für den Ehre viel wichtiger ist als uns Mitteleuropäern, und seinen Spannungen (Verkrampfungen?), wenn im Kontakt mit der modernen Welt.

Geschichten: Der junge Japaner, der sich in eine blonde, grossgewachsene Schwedin verliebt und auf einem Rockkonzert versucht Haltung zu bewahren, während seine Freundin sich impulsiv der Musik hingibt. Die jugendliche Japanerin, die zwischen kalifornischer Lebensart und familiärer Tradition hin und her gerissen ist. Die werdende Mutter, deren Familie bereits Schule und Universität für das ungeborene Kind plant. Der alte Mann, der in Würde sterben will.

Es ist viel Liebe in diesen Geschichten, obwohl sie oft von Disziplin und gesellschaftlichen Zwängen handeln. Besonders amüsant und mit schönem Ende fand ich die Geschichte eines jungen Paares, das dem Chef ein Geschenk zu einer Dinnereinladung mitbringt.

Franka verwendet viele für mich noch exotisch klingende Namen für Orte und Personen, deren Aussprache sich in meinen Ohren wahrhaftig anhört. Ich habe mich dabei ertappt, wie ich einige davon vergeblich versucht habe nachzusprechen.

Links:
Das Hörbuch bei Audible
oder als Buch bei Amazon
Frankas Homepage und bei Wikipedia

Freitag, 12. November 2010

Digitaler Wahnsinn, ich bin total vernetzt.

Wohlwissend, dass ich mich mit diesem Post total blamiere, habe ich mit der unten folgenden Darstellung meine Informations-, Sammel- und Lesesucht wohl dokumentiert. Was also sieht man dort? Nun, mit der popplet-Applikation habe ich alle meine Vernetzungen visualisiert. Angefangen bei der Aufbereitung eigener Inhalte, bis zu den externen Inhalten, lese ich Überschriften, leite weiter, lese detaillierter, sammle, verteile ich alle mir wichtigen Informationen.

Wie der ein oder andere schon bemerkt haben mag, befindet sich in der rechten Seitenspalte dieses Blogs und unter dem Fenster “Label Cloud” eine Linksammlung mit “Lesestoff” (=Books LivingSocial), “Hörstoff” (=Last.fm), “Anschaustoff” (=Flickr), “Besuchstoff” (=Qype) und “Geschichtsstoff” (=Timeglider). Unter diesen Links sammle ich eigene Inhalte (Buchrezensionen, Musikhörstatistiken, Fotosammlungen und Restaurant/Hotel-Rezensionen). Oben in der Seitenspalte bei “Tweet Update” habe ich immer ein Zitat stehen, das ich bei Zitate.net auswähle und dann in die Welt tweete. Der Blog greift sich immer den letzten Tweet ab und schreibt ihn in diesen Blog.

Treffe ich beim Surfen im Internet auf interessante Artikel, lege ich oft ein Lesezeichen bei delicious ab. Zugriff auf meine Lesezeichen gibt es unterhalb meines Profilbildes unter “Meine Bookmarks”. Lange Artikel lese ich gerne in Ruhe auf dem iPad. Dafür verwende ich Instapaper und ReadItLater. Beide Feedreader blenden die unnötigen Seitenschnickschnacks (Werbung, Links) aus und erlauben mir den blanken Text wie ein Buch zu lesen. Bloginhalte und Nachrichten werden automatisch im Google Reader gesammelt (eine Auswahl findet man hier in der Fusszeile). Die neuesten Inhalte werden dort markiert, bis ich sie gelesen habe. Auf dem Computer (Firma oder Zuhause) kann ich mir also einen schnellen Überblick verschaffen, indem ich nur die Überschriften und evtl. die Zusammenfassungen lese. Macht mich der Artikel neugierig, so sende ich ihn per Mouseklick an Instapaper/ReadItLater. Warum zwei Feedreader? Nunja, ReadItLater stellt einige Seiten besser dar (z.B. inkl. Fotos), kann dafür andere aber nicht sauber darstellen (z.B. nzz-Artkel).

Wenn ich das iPad zur Hand habe, schaue ich News, Tweets und Facebooknachrichten im Flipboard an und lege ggf. längere Artikel bei Instapaper ab.
Evernote ist meine Schnipselsammlung für den nicht-öffentlichen, privaten Gebrauch.

 screenshot

Was hier wie eine stundenlange Surferei und ewiges vor-dem-Computer-sitzen aussieht, nimmt dank der Vernetzung täglich nur etwa 10-15 Minuten in Anspruch… also so lange, wie man auch zum Zeitunglesen bräuchte. Dank der Feedreader betrachte ich das Lesen langer Artikel am iPad nicht mehr als Tätigkeit am Computer. Das iPad kann man leicht Ein- und Ausschalten, wodurch es eher einen Buchcharakter (Auf- und Zuschlagen) erhält.

Dienstag, 9. November 2010

Was willst du mit dem iPad, sprich! – Meine Antwort als Nutzer

“Noch wissen weder Verleger noch Leser genau, wie sie Apples magisches Gerät nutzen sollen. Es wäre die Chance für eine Renaissance des Blattmachens.” So lautete es heute bei FAZ.net

Schon lange verwende ich das Internet nur noch zum Lesen (also weder spielen, noch chatten oder sozial networken… brr, was für Wörter)aP6261385

So lese ich z.B. Nachrichten und frage dabei mal unter Wikipedia oder Google Maps ergänzendes Wissen ab. Bücher lese ich entweder in gebundener Form oder als eBook auf dem Sony-Reader. Journale, wie Spiegel, GEO oder National Geographic habe ich bisher in Heftform genossen. Eines meiner Lieblingsjournale “Das Magazin”, mit vielen interessanten Essays und damit so ungefähr das Beste, das die Schweiz im Journalismus zu bieten hat, wurde vor kurzem von der Online-Version auf eine reine iPad-Version umgestellt. Da ich schon seit langem mit dem iPad-Tablet geliebäugelt habe, war die rotzfreche Umstellung des Magazins leider ein wichtiger Kaufaspekt. Ich bedaure aber nichts!

Wie verwandle ich also meinen iPad in den Alleskönner, mit dem ich mittlerweile mehr Freizeit verbringe, als mit meinem Lieblingshund (s. oben)?

Wie schneidet der iPad im Vergleich zum Sony eReader ab? Darüber werde ich in einem der folgenden Posts berichten.

Was kann der iPad und was kann er nicht? Hierzu habe ich folgende Tabelle mit der app “Notify” erstellt:

Ideen

Unten habe ich einen Screenshot (durch gleichzeitiges Drücken des Ein/Aus-Knopfes und der Home-Taste) meiner iPad-Startseite gemacht. Die Skype Funktion wird erst mit dem iOS 4.2 interessant. CalenGoo greift auf den Google Kalender zurück und erlaubt mir farblich unterschiedliche Kalender anzulegen (z.B. Projekt 1, 2, 3 und Privat). Toodledo sortiert meine Aufgaben automatisch nach Wichtigkeit. Mit MomoNote führe ich für alle wichtigen Gesprächsergebnisse, Entscheidungen, Vereinbarungen etc. Tagebuch (das ersetzt das gute Gedächtnis meiner Frau, die sonst genau weiss, wann ich was gesagt habe). Mit Evernote synchronisiere ich jede Art von Schnipsel (Notizen, Bilder, Links) zwischen Zuhause und Firma. Danach folgen die Lese-Sektionen: Neue Züricher Zeitung (keine Share Funktion! Kostenpflichtiges Abo!), Das Magazin, National Geographic und das GEO Magazin. Im Flipboard überfliege ich schnell alle Nachrichten (Spiegel, Tagesschau, Stern, FAZ, NZZ, die Lieblingsblogs, Facebook und Twitter… hört sich viel an ist aber nur eine Sache von weniger als 5 Minuten) und wähle die interessantesten zum späteren Lesen unter Instapaper aus. Artikel, die mir Kollegen bei der Arbeit empfohlen haben kann ich per ReadItLater lesen. PDF’s (eBooks, Comics, Web-Dokumente) lese ich mit dem GoodReader, der mir auch eine Dokumentenbearbeitung (Markieren, Notizen erstellen) erlaubt. Mit dem FlickrStackr kann ich in den neuesten Bildern meiner Kontakte stöbern. Textunes bietet viele deutschsprachige eBooks an, darunter auch multimediale Bücher (z.B. Albert Einstein). Im Stanza lese ich eBooks im epub-Format, die ich mir teils mit Calibre vorher konvertieren musste.

In der Schnellstartleiste habe ich meine Last.fm (iScrobble) Anwendung, die auch erst mit dem iOS-update seine wirkliche Funktionalität erhält. UYH Gold ist ein Notizprogramm für kleine handgeschriebene Memos (leider nicht synchronisierbar). Das WritePad ist eine Texterkennungsanwendung für längere Texte (z.B. E-Mails). Notify ist eine Notizbuchanwendung, in der ich z.B. Bilderkollektionen anlege, kommentiere und als PDF anderen zur Verfügung stellen kann. Der m48-Taschenrechner entspricht dem hp 48G Modell in voller Funktionalität.

Foto (3)

FotoFoto (1)Foto (2) 

NZZ app                                 Flipboard: tagesschau und Blog       

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The World HD, die beste Atlas Anwendung und die einzige, die eine vernünftige Auflösung hat.

… und wenn ich euch jetzt noch erzähle, dass das Lesen und Arbeiten mit dem iPad wirklich Spass bringt, wollt ihr so ein Teil bestimmt auch sofort haben ;-)

Nun aber noch ein paar Nachteile:

  • Wenn ich längere Zeit auf den iPad-Bildschirm geschaut habe, bekomme ich Probleme in die Ferne zu fokussieren. Der Bildschirm strengt die Augen sehr an. Ein eBook Reader (z.B. Sony) mit e-Ink hat dieses Problem noch nicht bei mir verursacht. Vermutlich wird’s gegen Apple in den Staaten bald ‘ne Sammelklage geben. Spätestens, wenn der erste Nutzer einen Verkehrsunfall baut, weil ihm der Fokus fehlte.
  • Logischerweise muss man den Bildschirm hin und wieder putzen, da man ja pausenlos mit dem Finger drauf rumschmiert. Eine Nano-Beschichtung wäre hier sinnvoll, oder?
  • Mit jedem Journal kann man mehrfach Fliegen totschlagen. Mit dem iPad wenigstens einmal.
  • Die Tastatur ist etwas gewöhnungsbedürftig. Umlaute bremsen den Schreibfluss.
  • Leider hat der iPad keine Kamera. Die wäre zum Scannen von Dokumenten und für Videotelefonie interessant. Nunja, man kann nicht alles haben und Apple will ja zukünftig auch noch mit ein paar weiteren Modellen Geld verdienen.

Freitag, 5. November 2010

Heutiges Meeting (das war wirklich so!)

Sales: Wir fordern NULL, ohne Einschränkungen
Engineering: Null was?
Sales: Woher soll ich das wissen, frag doch Quality.

Freitag, 29. Oktober 2010

Der Nazi und der Friseur - Edgar Hilsenrath

…vorgelesen von Bodo Primus, der für dieses Hörbuch 2006 mit dem Deutschen Hörbuchpreis für “Beste Unterhaltung” ausgezeichnet wurde.

Pasteurisiert mit 5 von 5 Sternen. Ein Massenmörder erhält am Ende… ganz am Ende… seine gerechte Strafe.


411MBHX829L._SS500_Bodo Primus macht eine phantastisch gute Lesung. Ich hatte den Massenmörder Max Schulz förmlich vor Augen. Massenmörder? Nach eigenen Angaben hat er etwa 10’000 Menschen, wohl hauptsächlich Juden, im KZ Laubwalde ermordet. Vielleicht etwas mehr, vielleicht auch etwas weniger. Er habe sie nicht gezählt. Aber alle 6 Millionen Juden habe er nicht ermordet.

Max Schulz, der Protagonist des Hörbuchs, wächst als Sohn einer Hure und vieler Väter in einem armseligen und gewalttätigen Milieu auf. Und so folgt er dann dem Ruf der Nazis und wird Scherge von Hitlers Regime. Als Unteroffizier der SS fährt er zu Abschlachteinsätzen nach Osteuropa. Von dort wird er in das KZ Laubwalde versetzt, wo er bis zur Befreiung des KZ’s durch die Russen aushält. Auf der Flucht wird der Transport von polnischen Partisanen angegriffen. Max und der KZ Kommandant sind die einzigen Überlebenden, die jedoch getrennte Wege gehen.

Max überlebt den Krieg und wird als Massenmörder gesucht. Er übernimmt die Identität seines ehemaligen jüdischen Freundes Itzig Finkelstein, mit dem er seine gesamte Kindheit und Jugend verbracht hat und den er im KZ eigenhändig getötet hat, genauso wie dessen Vater, seinen ehemaligen Wohltäter und Frisörlehrmeister. Max’s Verwandlung geht so weit, dass er nahezu vollständig zum Juden wird und am Ende sogar nach Israel auswandert, dort für den neuen Staat kämpft und ein bürgerliches Leben aufbaut.
Wo ist die Rache? Wieso kann es ihm gelingen unentdeckt zu bleiben? Das darf doch nicht sein! Auf wessen Seite steht der Autor Hilsenrath eigentlich? Soll dies etwa ein Pro-Nazi Buch sein?

Angetrieben von Ekel über den Psychopathen Schulz, motiviert endlich den Max baumeln zu sehen, angewidert von der kalten, gefühlslosen Ich-Erzählung des Massenmörders, konnte ich einfach den Pause-Knopf meines Players nicht betätigen. Wann hört der Wahnsinn endlich auf, wann trifft ihn die Kugel, warum lebt er immer noch… und das Hörbuch ist noch nicht einmal halb ‘rum.
Ein aufwühlendes Buch, mit einem unerwartetem Ende. Edgar Hilsenrath kriegt am Ende die Kurve… aber wie! Dies ist wohl ein sehr kontroverses Buch/Hörbuch… und eines der besten, das ich in den letzten Jahren gehört habe. Jede Menge Sprengstoff, viel zum Nachdenken. Ein Buch, das mich lange Zeit nicht loslassen wird.

Und der Sprecher Bodo Primus, der diesem Wunderwerk Leben eingehaucht hat? Man hätte sich keinen besseren Sprecher wünschen können!
Links
Das Buch bei Wikipedia und bei Amazon
Das Hörbuch bei Amazon
Der Autor bei Wiki
Der Sprecher bei Wiki

Sonntag, 24. Oktober 2010

Schwarmintelligenz – Len Fisher

Pasteurisiert mit 3.5 von 5 Sternen. Eine Handvoll Tipps, um nicht im Chaos unterzugehen.

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Tja, zu Beginn des Buches habe ich mich noch über die interessanten Beschreibungen und Erläuterung aus der Tierwelt (Ameisen, Bienen, Fische) gefreut. Die Übertragung auf Menschenschwärme, sich selbst organisierende Menschenmengen oder geführte Gruppen etc. haben meine Phantasie angeregt. Es entstanden Bilder in meinem Kopf für weitere Beispiele. In der Firma habe ich versucht Muster zu erkennen, die eigentlich alle Len’s Beschreibungen entsprachen. Ja, ich habe sogar in Gedanken schon die Geschäftsführung entlassen, weil sie offensichtlich nicht auf dem neuesten Stand der Komplexitätsforschung ist. Je weiter das Buch sich zum Ende neigte, desto mehr habe ich nach einem Resümee, einer Schlussfolgerung oder einem Fazit gegiert.

…und dann hat Len mich in Stich gelassen. Die schönen Aufzählungen am Ende des Buches wiederholen nur die speziellen Erkenntnisse der vorherigen Kapitel. Weder verallgemeinern sie, noch wird das Ergebnis grösser als die Summe der Einzelteile. Schade. Über die verpasste Chance war ich etwas enttäuscht… was heisst hier etwas? Etwas sind 1.5 Sterne Abzug. Den Quellennachweis (der 79-seitige Anhang beginnt bei Seite 268) habe ich nicht mehr gelesen.

Links:
Das Buch bei Amazon
Len Fishers Homepage

Freitag, 22. Oktober 2010

Sommerlügen – Bernhard Schlink

Vorgelesen von Hans Korte.

Pasteurisiert mit 5 von 5 Sternen. Geschichten über Midlife- und Endlife-Crisis.41XSX39WE9L._SS500_

Die ersten Minuten des Zuhörens sind etwas ungewöhnlich. Der Sprecher nuschelt den Text mit seiner Altherrenstimme. Tatsächlich habe ich mich jedoch nicht nur an Hans Kortes Stimme gewöhnt, sondern empfinde durch sie die Protagonisten in Bernhard Schlinks Buch als authentisch. Somit ist Hans Kortes Stimme unmittelbar mit den Geschichten verbunden. Es dürfte gar nicht anders sein. Sonst suche ich nach dem Hören von guten Büchern eher nach weiteren Büchern desselben Autors. Nun suche ich auch nach Hörbüchern desselben Sprechers.

Das Buch ist voll mit Geschichten über Liebe, “Zweitliebe”, “Parallellieb”, erneute Liebe, erste grosse Liebe und letzte Liebe und erzählt von Männern in der Midlife-Crises, kurz vorm Exitus und am Ende ist sogar eine Frau die Protagonistin einer Erzählung. Sommerlügen ist ein Buch in dem die Protagonisten ihre Lebenslügen entdecken, entwickeln oder interessante Einsichten erhalten. Viele oder sogar alle Geschichten regen zum Sinnieren an. Oft habe ich die Pausetaste gedrückt und mir etwas “Verdauungszeit” genommen. Ich habe das Buch während meiner Überlandfahrten gehört und mehr als einmal sind mir vor Rührung fast die Tränen gekommen. Ein sehr berührendes Hörbuch, das ich gerne und mit Begeisterung weiterempfehlen möchte. Ich schätze, dass das Hörbuch einen Mehrwert gegenüber dem Buch hat, da Hans Kortes unbedingt dazu passt.

Links:
Das Hörbuch bei Audible
Das Buch bei Amazon
Der Autor und der Sprecher bei Wiki

Sonntag, 17. Oktober 2010

Die Päpste – Hans-Christian Huf

Pasteurisiert mit 4 von 5 Sternen. Fürstliche Päpste von 1056 – 1590.

Dieses Buch erzählt die historischen Eskapaden weit üblerer Päpste, als wir sie heute noch kennen. Ja, es ist immer eine Steigerung möglich.

Gregor VII., Bonifaz VIII., Sixtus IV., Alexander VI. Borgia, Julius II. Cäsar, Leo X. Medici, Clemens VII. Medici, Paul III.

51-rCnLAWiL._SS500_Alle waren sie dem Weltlichen sehr zugetan, Luxus, Frauen – oder auch mal Knaben, Fressgelage, Pomp und Verschwendung, Ämterkauf, Vetternwirtschaft und Macht, Macht, Macht. Sie schreckten nicht vor Krieg und Mord zurück. Ihren christlichen Aufgaben sind sie, soweit man diesem Buch entnehmen darf, in keinster Weise nachgekommen. Eigentlich haben sie nur das pervertiert, für das die katholische Kirche auch heute noch steht. Deshalb schämt sich die Kirche auch nicht für sie.

Interessant sind die Überlegungen, warum die katholische Kirche das rechtzeitige Eingreifen gegen die Reformation Luthers verpasste, und warum sie letztendlich ihren Weltmachtanspruch einschränken musste. Dass der Vatikan heute als Autorität und oberster Repräsentant des Christentums respektiert wird, kann ich bei weitem nicht nachvollziehen, denn auch heute noch ist speziell die katholische Kirche eher (Bürger-)Kriegstreiber, Elendschaffer und moralisch unter dem Niveau der Durchschnittsbürger. Das damit zu entschuldigen, dass als Gegenpol zu staatlicher Macht Andersartigkeit notwendig sei, finde ich etwas blass. Und so hintertreibt die Kirche heute alle Bemühungen der Staaten Frieden unter den Menschen zu erreichen (Verdammung von Verhütung, Abtreibung oder Homosexualität, Kreuzzüge gegen den Islam, um nur einige Themen zu nennen).

Links:
das Buch bei Amazon
Bildquellen Wikipedia, siehe Links oben

Das Gruselkabinett:

Gregor VII. Bonifaz VIII. Sixtus IV. Alexander VI.

       
Julius II. Leo X. Clemens VII. Paul III.

Geschichtsbücher im Überblick

Seit mehreren Jahren interessiere ich mich nun schon für Geschichte. Angefangen hat es mit dem Buch “Um alles in der Welt” von Christopher Lloyd. in diesem herausragendem Buch wird die weltgeschichtlichen Entwicklung in den Kontext "der Menschen Kampf gegen die Natur” gebracht. Seit diesem Buch bohre ich mal in dieses, mal in jenes Thema… und decke so langsam einen geschichtlichen Zeitstrahl ab.

Mit Übersichtswerken, wie Tamim Ansary’s “Die unbekannte Mitte der Welt”, der die Weltgeschichte aus der Sicht des Islam beschreibt, bis hin zu Detailfeldern, wie z.B. De Padova’s “Das Weltgeheimnis” oder Simon Singh’s “Fermats letzter Satz” tauche ich immer tiefer in die Welt der Geschichte ein.

Eine erste Visualisierung der verschiedenen Bücher zu geschichtlichen Themen habe ich im Timeglider abgebildet.
Zwischen meinen Büchern verstreut habe ich wichtige Meilensteine der europäischen Geschichte gestreut, die m.E. zur heutigen Entwicklung Europas entscheidend beigetragen haben.

Nunja, die Sache wird hoffentlich weiterwachsen. Link zu “Mit Büchern durch die Geschichte”

 

Montag, 11. Oktober 2010

Cäsars Druide – Claude Cueni

Pasteurisiert mit 4 von 5 Sternen. Die Geschichte vom Gallischen Krieg aus der Sicht eines keltischen Druiden…und wieder sind die Schwaben an allem Schuld.

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Die Geschichte vom Auszug der Helvetier, die, von den Schwaben bedroht, versuchen an die Atlantikküste zu kommen, war mir bis dato nicht bekannt… und das, obwohl ich das kleine Latinum habe und an der Schule mit Cäsars “De Bello Gallico” getriezt wurde. Was vom Lateinunterricht hängen blieb war lediglich “Gallia est omnis divisa in partes tres”… den Rest weiss ich schon nicht mehr… sozusagen “ego mihi latini finitus sum”
Was von Cäsars Druide hängen bleibt, wird sich zeigen… vermutlich aber weniger.

Die Geschichte des keltischen Beinahe-Druiden Korisios ist nett erzählt. Mir scheint das historische Umfeld gut recherchiert. Da ich mit Asterix-Heften aufgewachsen bin, üben historische Romane aus dieser Epoche immer wieder eine gewisse Anziehungskraft auf mich aus.

alesiaInteressant waren speziell die Schlacht bei Bibracte (Mt. Beuvray) und Vercingetorix’s (kennen wir ja aus Asterix, s. links) Schlacht um Alesia (Alise Sainte Reine), bei der Cäsar mit einer ganz speziellen Belagerungstechnik den Sieg errang.

 
Tja, ansonsten bietet das Buch jede Menge Sex & Drugs & Rock’n’Roll.
Ein leichtes Lesevergnügen, so für nebenbei zur Entspannung, mit bildungstechnischem Hintergrund.

Links:
Das Buch bei Amazon
Steckbrief von Claude Cueni im “Das Magazin”
Der Autor bei Wiki
Cäsar und die Helvetier bei Wikipedia
Über die Schlacht bei Bibracte in Wiki
…und ein wenig Latein (mit tollem Kartenmaterial, unbedingt schauen!)
Eine gute Übersichtskarte ist unter diesem Link zu finden

Sonntag, 10. Oktober 2010

iPod Touch – Vergleich 3G (8GB) mit 4G (32GB)

Seit Jahren verwende ich schon PocketPC’s, PDA’s, Handhelds und später auch Smartphone etc.
In diesen kleinen elektronischen Helfern konnte ich mein Telefonbuch, handschriftliche und Sprach-Notizen, Fotos, Hörbücher und eBooks ablegen und damit immer griffbereit dabei haben. Die letzten Versionen waren dann mit GPS, Kamera und SIM-Karte ausgestattet, konnten per Bluetooth und WLAN kommunizieren… und wurden immer kleiner, leichter und funktionstüchtiger. Leider musste ich bei diesen Windows-Geräten immer wieder STUNDEN damit verbringen diverse Software irgendwie zum Laufen zu bringen. Puh, war das alles mühselig.

Die Entscheidung für einen iPod touch fing damit an, dass ich einen neuen mp3-Player benötigte. Bei den Handhelds muss man sich zum Abspielen der Musik durch viele Menüs, lange Startzeiten und Bluetooth-Kopplung quälen (Stand etwa 2008). Dass der iPod touch auch noch PDA-Funktionen zu bieten hat, ist mir erst nach dem Kauf bewusst geworden. Mit den iPod touch’s kann man zwar nicht telefonieren, dafür funktioniert jedoch alles, auf Anhieb, störungsfrei und völlig unproblematisch! Schon nach den ersten 10 Minuten hat mich der Touch 3G überzeugen können. Mit dem neuen Touch 4G habe ich jetzt auch schon einige Tage Erfahrungen sammeln können. Einen kleinen tabellarischen Vergleich möchte ich hier im Folgenden aufführen.

 

iPod touch 3G (8GB)

iPod touch 4G (32GB)

Installation anschliessen an Notebook, iTunes öffnet automatisch, die Synchronisation kann definiert werden, alles funktioniert sofort tja, mein Notebook läuft mit Windows 7. Nach dem Anschliessen des 4G passierte zuerst nichts. Nach langem Hin-und-her habe ich den iPod-Treiber de- und wieder re-installiert. Danach ging es.

Bildschirm

gut lesbar, jedoch ermüdend für die Augen

Retina-Display! Jedoch immer noch ermüdend. Wäre für mich kein Kaufgrund

Arbeitsgeschwindigkeit

flottes Tempo, kaum Wartezeit beim Start von apps

gefühltes “gleich schnell”
Multitasking leider bei der 8GB Version nicht möglich, trotz iOS4.1 multitasking ist nun möglich, aber wegen der schnellen app-Starts nicht nötig
WLAN unproblematisch mit WPA2-PSK ebenfalls unproblematisch
Bluetooth vor dem iOS4.1 konnte man am BT-Kopfhörer (Philips SHB6110/10) nicht zum vorherigen oder nächsten Track umschalten. Mit iOS4.1 ging’s dann. Wenn man den 3G in die Hand genommen hat war die BT-Verbindung unterbrochen. alles geht! keine Unterbrechung der BT-Kommunikation mehr
Mikrofon kein Mikrofon schön, jetzt gibt’s ein Mikro für Sprachnotizen, Videoton und Schallmess-App (Bild unten)Foto 7
Kamera keine KameraFoto 9 Front-Kamera für Videogespräch über FaceTime (brauche ich nicht) und Hauptkamera für HD-Videoaufnahmen und Fotos mit 800x600 Auflösung (= 0.5 MP)… na da hat Apple aber gespart!
Mit der App AutoStitch (Bild links) lassen sich sogar recht vernünftige Fotos erzeugen.
Adressen Aus Google Mail importierbar ebenfalls möglich
Skype Text-Chatfunktion funktioniert im WLAN Text-Chat- und Telefonat, jedoch ohne Video, funktionieren im WLAN
Ebooks Mit Stanza lassen sich ebooks sehr komfortabel lesen. PDF-Bücher kann man mit Calibre ins epub-Format konvertieren und in iTunes unter app-Sync die Dateien zum Übertragen auswählen. ebenfalls, jedoch hakt das Umblättern etwas.Foto 2
Hörbücher Audible-Dateien und mp3-Dateien (vorher in iTunes als Hörbuch definieren) lassen sich unproblematisch abspielen. Die letztgehörte Position wird automatisch wieder angefahren. ebenfalls möglich
Nachrichten Nachrichtenfeeds, die ich mit dem Google Reader abgreife, werden in die App Byline geladen. Von dort kann ich sie zum detaillierten Lesen auf “Read it later” oder “Instapaper” weiterleiten. ebenfalls alles möglich. Instapaper verwende ich nur für den NZZ-feed, der im Textmodus bei ReadItLater nicht dargestellt wird. Byline in Verbindung mit ReadItLater ist beinahe ein Muss!
Podcasts Tagesschau, Heute oder Sendungen, wie z.B. Quarks&Co, schaue ich mir ab und zu mit Podcaster an ebenfalls möglich
Kalender Per CalenderGoo kann ich mehrere Projektkalender verwalten dito
Aktionslisten Mit der Toodledo App sortieren sich die Aufgaben nach Wichtigkeit (=Priorität plus Dringlichkeit) automatisch. dito. Tolle App!
Notizen Die Micky Mouse Tastatur (Bild unten) ist für meine dicken Finger echt nix. Mit UYH Gold (Bild rechts) notiere ich alles handschriftlich.Foto 3 dito. Auf UYH will ich nicht mehr verzichten!



Foto 4
Sprachnotizen Geht nicht, da kein Mikrofon vorhanden.

Foto 5
Ja, klappt gut mit Evernote (Bild links) oder mit ClearRecord (Bild unten)Foto 1
Taschenrechner Die Standard App ist nicht schlecht. Ich ziehe jedoch einen UPN-Rechner vor, z.B. m48 oder Active RPN (Bild rechts) der m48 funzt leider nicht  mehr... und der Active RPN hat nur 4 Stack-Positionen.
Foto 6
eTickets Die SBB-Fahrplan App (Bild rechts) bietet den Einsatz von eTickets an. Ich traue mich jedoch aus Angst ein Schwarzfahrer zu werden noch nicht diesen Service anzuwenden. noch nicht getestetFoto 8
GPS Die Positionsermittlung aus der Lage des WLAN Access Points ist überraschend genau. dito. Ich frage mich, ob eine BT-GPS Mouse angeschlossen werden könnte?

Samstag, 2. Oktober 2010

Hexenplatz und Mörderstein – Wilfried Meichtry

Pasteurisiert mit 4.5 von 5 Sternen. Anekdoten aus dem hexenplatz_und_moerdersteinOberwallis.

Die schweizerische Literatur bietet immer wieder mal kleine Perlen. Meichty’s Rundgang durch den Pfynwald, in neun Geschichten, ist eine solche. Ob nun die Geschichte über das Monster vom Pfynwald, den Widerstand gegen Napoleons Armee oder einfach Grossmutters kurze Reise nach Thun, alle Geschichten erzählen humor- und liebevoll Anekdoten aus dem idyllischen Rhone-Tal zwischen Salgesch und Leuk.

Eine schöne, leichte Lektüre.

Links
Das Buch bei Thalia
Pfynwald bei Wiki

Stuttgart 21 oder was ist Demokratie?

Eigentlich interessiert mich das Geschehen in Stuttgart nicht besonders. Manchmal überfliege ich die Kopfzeilen von Nachrichten über die Demos. Das eine oder andere Bild bleibt im Kopf. Hintergründe und Meinungen kenne ich nicht. Darf ich trotzdem eine Meinung haben?

Die Pläne von Stuttgart 21 sind doch nicht neu, oder? Solche Projekte werden lange Zeit diskutiert. Nach Budgetierung und Freigaben von wem auch immer, werden Ausschreibungen gemacht, Verträge verhandelt etc..Jahre vergehen. Die Planung kommt in Gang und verfeinert sich täglich. Mit Sicherheit gab es viele Einspruchmöglichkeiten in Vorfeld, bevor die Freigaben erteilt wurden.

Nun ändern sich jedoch die Voraussetzungen, die zu den Freigaben geführt haben, das heisst, das Projekt wird teurer. Widerstand regt sich – warum? Aus Neid, Geiz. Wer hetzt auf? Was sind die Motive? Das Grundgesetz lässt es zu, dass Leute ihren Widerspruch in vielfältiger Form kundtun. Ein Mittel ist die Demonstration. Die Demonstration ist weder sachlich, noch eine Methode des Dialogs und widerspiegelt zudem lediglich die Meinung einer Gruppe. Zu jeder Demonstration gehört m.E. ein anschliessender Dialog. Besetzungen, Blockaden, Sachbeschädigungen und Körperverletzungen sind mit Sicherheit keine demokratischen Elemente. Ein Staat kann und darf solche zerstörerischen Tendenzen keinesfalls dulden.

Ich bin der Meinung, dass Stuttgart 21 einen Mehrwert für die Bevölkerung und die Wirtschaft schafft. Die Gelder fliessen zwar auch in die Taschen der Reichen, jedoch schaffen oder sichern sie auch Arbeitsplätze, verlegen Verkehr von der Strasse auf die Schiene und erlauben bessere Verbindungen für Handel und Tourismus. Durch unterirdische Anlagen wird auf der Oberfläche Platz geschaffen. Gefällte Bäume können später wieder nachgepflanzt werden. Erhöhte Kosten bedeuten doch nur, dass sich Payback-Zeiten verlängern. Es ist ja nicht so, dass das Geld für unsinnige Sachen aus dem Fenster geschmissen wird. Die bisherigen Gelder, sollte man Stuttgart 21 wirklich stoppen, wären hingegen verschwendet. Lediglich die Planer (in der Regel Intellektuelle) hätten profitiert, die Arbeiter, also diejenigen welche tatsächlich von der Wirtschaftskrise betroffen sind, wären noch nicht zum Zuge gekommen. Wer sind die Demonstranten eigentlich? Arbeitslose etwa? Ich glaube nicht.
Durch massive Polizeiaufgebote in Stuttgart werden weitere Steuergelder verpulvert und die umliegenden Regionen müssen um ihre innere Sicherheit bangen.

Dass mittlerweile Kinder und Schüler von ihren Eltern und Lehrern instrumentalisiert werden und auf Demos an vorderste Front geschickt werden, erinnert mich an den Libanon oder Palästina, wo sich Terrorgruppenführer zum Schutz mit Kindern umgeben. Schämen sollten sich die Verantwortlichen. Die Bilder in den Zeitungen zeigen bürgerkriegsähnliche Verhältnisse. Die Presse und damit auch die Leser, die ja heute kaum noch was sensationelles erleben, geilen sich an Gewaltbildern auf. Der im Leben eher gelangweilter Mensch geht mal eben zur Demo, um ein bisschen Spannung ins Leben zu kriegen. Mangel an Emotionen in unserer Gesellschaft wird durch persönliche Highlights kompensiert, sei es das Rasen oder das Kämpfen.

Mann-o-mann, so geht die deutsche Demokratie vor die Hunde!

Freitag, 1. Oktober 2010

Die wundersamen Irrfahrten des William Lithgow

Pasteurisiert mit 5 von 5 Sternen. Eine kleines unbekanntes Juwel.

lithgowDurch Zufall habe ich dieses Hörbuch auf meinen Player geladen und eine eher niedrige Erwartungshaltung eingenommen. Wie positiv war ich aber dann überrascht, als ich eine fantastisch anmutende Geschichte über einen schottischen Schneider, der Anfang des 17. Jahrhunderts auf Reisen gegangen ist, vorgelesen bekam.

Lithgows erste Reise führte ihn über Frankreich, Venedig, Griechenland, Kreta, Türkei bis nach Jerusalem, Ägypten und zurück nach England. Hierbei trotze er mehr als einmal Piraten, Dieben, Schiffbruch, Hunger, Durst, Verwundung, Krankheit, Kälte und Hitze. Unbeirrt machte er eine weitere Reise, diesmal nach Marokko, und sogar eine dritte Reise, die allerdings für ihn böse ausging.

Beeindruckend sind seine teils positiven, teils negativen Erfahrungen mit Moslems aus verschiedenen Teilen des Orients. Auch seine Erfahrungen mit katholischen Pfaffen, die schon damals wegen Kinderschändung berüchtigt waren, sind heute immer noch aktuell. Seine Formulierungen hierzu sind nicht nur eindeutig, sondern treffend und spitz. Manchmal beschlich mit der Gedanke, ob die Reisebeschreibung überhaupt authentisch ist oder ob es sich um eine Beschreibung moderner Probleme handelt, die lediglich 400 Jahre vordatiert werden.

Lithgow selbst hat einen starken Charakter und einen pragmatischen Verstand. Seine Beharrlichkeit (oder auch Sturheit) lässt ihn für seine Mitmenschen etwas kauzig erscheinen, rettet ihm jedoch oft genug das Leben.

Das leider gekürzte Hörbuch (nur knapp 2.5 Stunden) ist ein wertvolles Fundstück in meiner Bücher/Hörbüchersammlung und ich überlege ernsthaft, mir das Buch dazu zu kaufen.

Links:
Das Hörbuch bei Amazon
Über William Lithgow bei Wiki

Samstag, 25. September 2010

Perry Rhodan Silberband 17 “Die Hundertsonnenwelt” – K. Mahr, K.H. Scheer, C. Dalton

… gelesen von Josef Tratnik

Pasteurisiert mit 4.5 von 5 Sternen. Die Bösen verlieren, die Guten gewinnen. Heile Welt.

Seit nunmehr 49 Jahren (!) kann man die Perry Rhodan Hefte kaufen, die wöchentlich herausgebracht werden und bereits bei etwa Heft Nr. 2550 angelangt sind.silber 17

Vor etwa 30 Jahren hatte ich die ersten 50 Hefte von einem Freund ausgeliehen. Lange Zeit habe ich keine Perry Rhodan Geschichten mehr gelesen. Vor etwa 4 oder 5 Jahren habe ich für die Kinder ein paar Hörbücher aus dem Internet geladen und bei einer längeren Autofahrt abgespielt. Die ganze Familie war begeistert und ich selbst habe begonnen ab Heft 51 weiterzulesen. Später habe ich die ersten Silberbände in Buchform gelesen und bin damit erst so richtig auf den Geschmack gekommen. Mit “Die Hundertsonnenwelt” habe ich mir jetzt das erste Silberband-Hörbuch vorlesen lassen und bin begeistert.

Während der Sprecher Josef Tratnik anfangs Perry’s Stimme etwas hölzern wiedergegeben hat, ist im Verlaufe des Buches daraus ein flüssiger Vortrag geworden. Etwas merkwürdig waren auch die Stimmen von Ras Tschubai, Gucky und Tama Yokida… aber egal, man gewöhnt sich auch an Unerwartetes.

Was macht Perry Rhodan so besonders? Die Autoren haben einen gesamten Kosmos mit Sonnen, Planeten, Völkern, deren Mentalitäten und Technologien gefüllt, die fortlaufend erweitert und immer mal wieder in Folgehefte eingebunden werden. Ich fühle mich in gewisser Weise mitwachsen. Einen Quereinstieg hingegen stelle ich mir äusserst schwierig vor. Besser man fängt bei Heft 1 an. Die heldenhafte und dabei ethisch, moralisch verantwortungsvoll handelnde Persönlichkeit Perry Rhodans ist im Vergleich zu heutigen Politikern wohl der eigentliche utopische Gedanke an der Geschichte. Die Protagonisten kommen immer wieder in aussichtlose Situationen. Die mittlerweile namhaften Heftautoren finden jedoch immer wieder glaubhafte Lösungen, um ihre Helden zu befreien. Das Gute siegt (fast) immer.

Ich bin extrem neugierig, wie sich die Menschheit  des Perryversums weiterentwickelt. Mal schauen, wer letztendlich älter wird… Perry Rhodan oder ich. Statistisch gesehen sollte ich in etwa Band 4000 noch erleben dürfen.

Links:
Das Hörbuch bei Audible
Perry Rhodan unter Wiki
Kurt Mahr, Karl-Herbert Scheer und Clark Dalton bei Wiki
Josef Tratnik bei Perrypedia

Fermats letzter Satz – Simon Singh

Pasteurisiert mit 5 von 5 Sternen. Abenteuer Mathematik! Empfehlenswert!

Fermat

Kann Mathematik abenteuerlich sein? Ja, sie kann! Simon Singh beweist, dass man die Geschichte eines mathematischen Satzes und seines Beweises zugleich spannend und mit einem Augenzwinkern erzählen kann.

Der Satz des Fermat sieht aus, wie eine Verallgemeinerung des pythagoreischen Satzes. Fermat hat vermutet, dass es keine ganzzahligen Werte gibt, für die dieser Satz gilt, und hat angeblich sogar einen wunderbaren Beweis dafür gefunden, der jedoch zu lang wäre, um ihn auf den Seitenrand zu skizzieren. Nun ja, Andrew Wiles hätte seinen Beweis auch nicht auf den Seitenrand schreiben können. Fermats wunderbarer Beweis wäre vermutlich mit dem damaligen Stand der Mathematik nicht durchführbar gewesen, sollte doch Wiles erst ganze Abschnitte der Mathematik neu schreiben müssen, um nach 8 Jahren schwerster Kopfarbeit den Beweis führen zu können.

Das Buch handelt von der Geschichte der Mathematiker, die sich seit Pythagoras schon den Kopf über zahlentheoretische Zusammenhänge zerbrechen. Viele kleine Anekdoten um grosse Helden und Heldinnen der Mathematik zieren das Buch und haben mir viel Vergnügen und Kurzweil verschafft. Interessiert man sich weniger für Mathematik, als für Geschichte, so bietet das Buch für jeden Leser einen Einblick in viele Jahrhunderte wissenschaftlicher Arbeit und ihrer oft tragischen Geschicke der Denker und Genies.

Links:
Das Buch bei Amazon
Fermats Satz bei Wiki
Über Pierre de Fermat und Andrew Wiles bei Wiki 

Dienstag, 14. September 2010

Das Aargauer Parlament fordert nationales Verhüllungs-Verbot

3592944036_3c2e8e7e0d_zDie neueste öffentliche, faschistische Lächerlichkeit in der Schweiz habe ich hier unter SF Tagesschau gefunden.

Zitate:
”Das Aargauer Parlament will das Tragen von «Kleidungsstücken, die das Gesicht ganz oder hauptsächlich verhüllen», in der ganzen Schweiz verbieten lassen.(keystone)”
”Als Ausnahmen werden «gesundheitliche und sicherheitsrelevante Gründe, Winterbekleidung sowie das einheimische Brauchtum» genannt.(sda/godc)”

Achtung, es geht hier nicht etwa um ein Vermummungsverbot für Demonstrationen, sondern um die “hauptsächliche” Verhüllung des Gesichts. Schlimmer als der Schleier, der verboten werden soll, ist der Schleier des Nichtwissens, den die hiesigen Politiker offenbar tragen.

3094423921_8f76c4bb30_o Was soll das Verbot? Können wir in der Schweiz keine fremden Kulturen respektieren? Das Minarett-Verbot zeugte schon von provinzieller Intoleranz. Aber das Verhüllungsverbot ist eindeutig eine Menschenrechtsverletzung. Was wissen wir denn schon von den kulturellen Hintergründen der Verhüllung. Wie weit geht die Enthüllung zukünftig - ist der nächste Schritt eine “Oben ohne”-Pflicht?

Wen trifft das Verbot? Machen wir jetzt Gesetze gegen eine Handvoll harmloser Frauen? Haben die Politiker nichts besseres zu tun? Es gibt sicherlich deutlich mehr korrupte Banker in der Schweiz, als Frauen, die ihr Gesicht verhüllen…fangt doch erst mal bei denen an! Oder investiert das Geld das ihr für solche Diskussionen verbratet lieber in die Bildung eurer Kinder.

Oder wollen die Politiker eigentlich vermeintliche Machos mit diesem Verbot treffen, indem sie deren Frauen zwingen sich ungewollt gegen ihre Kultur zu wenden. Stimmt das Vorurteil von der unterdrückten Frau eigentlich? Sollen nun die angeblich unterdrückten Frauen für politische Zwecke missbraucht werden? Ist es nicht die Pflicht einer gesunden Demokratie die Schwachen zu schützen?4427606645_765757b899_o

Gelten bei der im obigen Zitat genannten Ausnahme “gesundheitliche Gründe” wohl auch seelische Krankheiten? Was bezwecken die Politiker mit so einem Verbot? Dem gemeinen Volk nach dem Mund reden? Weshalb wohl auch die Ausnahme “einheimisches Brauchtum” (Brautschleier, Witwenschleier?) zugelassen wird.

Übrigens ist ein Blick in die Augen, die aus einem sonst verhülltem Gesicht schauen, eine beinahe erotische Erfahrung. In den Augen dieser Frauen finden sich oft Tiefe, Wärme und Charakterstärke. Ich für meinen Teil schaue lieber in ein Paar ausdrucksvoller Augen, als auf die künstlich aufgepumpte, halbentblösste Oberweite so mancher hohlköpfigen Frau. Gelten innere Werte heute nur noch so wenig.

Links zu den Photos:
http://www.flickr.com/photos/stephan-strange/3592944036/
http://www.flickr.com/photos/mrjakie/3094423921/
http://www.flickr.com/photos/44817862@N07/4427606645/

Andere Links:  topelement
Frankreich verbietet Niqab und Burka (aber nicht das gleichzeitige Tragen von Tschador, Sonnenbrille und Mundschutz?)