Sonntag, 31. Januar 2010

Papiermodell Burg Himeji

Nun ist meine japanische Burg endlich fertig!

Himeji Modell - Front

Jeden Winter, wenn’s draussen zu ungemütlich ist, bastel ich mir mein Papiermodell. So sind in den letzten Jahren diverse Modelle entstanden (Hamburger Michel, Petersdom, Burg Eltz vom 500 DM Schein, Villa Braun, Reichstag). Für den nächsten Winter liegt schon die Burg Hohenzollern bereit.

Die ersten Modelle habe ich noch mit der Schere ausgeschnitten. Vorletztes Jahr habe ich mir dann eine Schneidematte (Schutz des Küchentisches), ein Aluminiumlineal (weil man das Kunststofflineal einschneiden würde) und ein Grafik-Cuttermesser (austauschbare Klinge) in der Papeterie nebenan besorgt. Durch die höhere Schneidegenauigkeit bringt das Basteln nochmal doppelt soviel Spass. Desweitern liegen mir immer eine Pinzette und Zahnstocher bereit. Himeji Modell - EingangstorDamit lassen sich auch kleinste Teile in Position bringen. Den Zahnstocher verwende ich zudem zum Rollen von runden oder gekrümmten Teilen (Säulen, Holzstämme, Kuppeldachteile) oder zum Aufbringen von Klebstoff in schwierige Ecken (…oder zur Reparatur).

Zum Kleben habe ich immer einen Pritt-Stift und UHU Alleskleber (flinke Flasche) zur Hand. Das Himeji-Modell habe ich fast ausschliesslich mit der flinken Flasche geklebt. Der Pritt-Stift hält die Teile zwar schneller zusammen und klebt weder an den Händen, noch am Zahnstocher, dem Papier …oder überall sonst, wo der Flüssigklebstoff sonst das Arbeiten erschwert. Dafür ist das Auftragen von Klebstoff deutlich schneller mit der UHU-Flasche.Himeji Modell - Seiteneingänge

Mittlerweile habe ich auch gelernt, nicht alles in der nummerierten Reihenfolge zusammenzubasteln, sondern “Module” zu erstellen, die in einem Stück zum Bestand hinzugefügt werden.

Dennoch hat mich hin- und wieder das HB-Männchen-Syndrom gepackt :-)

imageLinks ist nun auch ein Foto vom Original (gefunden unter Flickr).


Ein pasteurisierender Freizeitspass… auch für handwerklich weniger talentierte Pasteurisierer.

Links:
Beispiel-Link für Schneidwerkzeuge
Link zu Schreiber-Modelbögen
Fotos vom Himeji bei Flickr
Wikipedia zur Burg Himeji
HB-Männchen bei YouTube

Freitag, 29. Januar 2010

Arnold Thünker – Anne und Paul

In einer teils eigenwillige Sprache beschreibt Arnold Thünker den Besuch eines Geschwisterpaares bei der Tante in der Ostzone. Das schräge System dort erzeugt schräge Persönlichkeiten. Heraus kommt eine schöne Geschichte, die man kaum noch beiseite legen kann.

Die Geschichte beginnt beim erwachsenen Paul, geht zurück zur Reise in die Ostzone und schliesst wieder beim älteren Paul. imageAllein die ersten paar Seiten machen neugierig auf mehr – und man wird nicht enttäuscht.

Diesen Post wollte ich eigentlich gar nicht schreiben, da mir jedes Wort zu diesem wunderbaren Buch falsch gewählt vorkommt. Der Autor Thünker hingegen schafft es immer Worte und Sätze zu finden, die jede Situation punktgenau charakterisieren – teilweise verwendet er Worte, die man dafür normalerweise nicht verwenden würde, die aber den Moment treffend beschreiben.

Es passiert mir selten, dass ich ein Buch mit 5 von 5 Sternen hauptsächlich wegen seiner Sprache bewerte und weniger wegen seines Inhaltes. Für mich war dieses Buch eine neue Erfahrung und aus meiner sonst von Science Fiction oder Sachbüchern geprägten Leseneigung betrachte ich “Anne und Paul” als Kunstwerk.

Der Spiegel-Link, der mich auf das Buch aufmerksam gemacht hat.
Der Amazon-Link zum Buch (Empfehlenswerte Rezensionen).

Mittwoch, 27. Januar 2010

Die Spieler – David Baldacci

image

Gleich vorweg: Dieses Hörbuch pasteurisiere ich mit lediglich 3 von 5 Sternen.

Nach “Die Wächter” und “Die Sammler” ist dies der dritte und, für mich jedenfalls, der letzte Teil der “Camel-Clubs” Reihe.

Diesmal hat Baldacci das “Abschlachten”, zu Lasten von Spannung und Tiefe, übertrieben. Sein Protagonist Oliver Stone wird am Ende zur rachesüchtigen Killermaschine und verliert den Status des “Guten”, den er in den vorherigen Bänden, irgendwie doch aufbauen konnte.

Echt flache Story! Ich bin entrüstet!

Ohne den Sprecher Klaus-Dieter Klebsch gäbe es von mir noch weniger Sterne.

Die Spieler – bei Amazon, bei Audible
Wiki zu David Baldacci und Klaus-Dieter Klebsch.

Sonntag, 17. Januar 2010

Dan Simmons - Monde

Also, zuerstimage einmal muss ich eine Kritik gegenüber dem Heyne-Verlag loswerden. Dan Simmons ist hauptsächlich als sehr phantasievoller Science-Fiction Autor bekannt. Entsprechend ist die Erwartungshaltung, wenn man den Klappentext des Buches liest. Tatsächlich ist dieser Roman nicht Science-Fiction! Der Klappentext ist ein billiger Werbetrick und ich werde zukünftig meine Bücher vorsichtiger auswählen.

Jetzt aber die gute Nachricht: Den Roman “Monde” habe ich dennoch fast in einem Rutsch durchgelesen und pasteurisiere ihn mit 4.5 von 5 Sternen.

Worum geht’s? Ein ehemaliger Astronaut, der es bis auf die Mondoberfläche inkl. Spaziergang geschafft hat, wird zurück auf der Erde mit dem richtigen Leben konfrontiert. Die Ehefrau geht eigene Wege und hat sich scheiden lassen. Der erwachsene Sohn probiert ebenfalls neue Wege der Selbstfindung. Die alten Kameraden von der Apollo-Mission richten sich ihr Leben ebenfalls neu aus. Der Protagonist des Romans weiss noch nicht so richtig was er auf der Erde zu tun hat.

Gemeinsam mit einer vergleichsweise jungen Frau findet er sein Gleichgewicht in einer Welt aus alten Erinnerungen und moderner Umwelt.

Auffällig an diesem Buch ist die Herzlichkeit aller Haupt- und Nebenrollen. Freundschaften, hilfsbereite und verständnisvolle Mitmenschen. Eine grosse Gemeinschaft, ohne die sonst so typische Gleichgültigkeit unserer Welt. Hier findet man erwachsene, selbstbewusste und verbindliche Persönlichkeiten. Ferner ist auffällig, das die einzigen Quertreiber in diesem Roman irgendwo mit Religion und Dogmen zu tun haben. So sagt dann einer der “guten” Menschen: “Ich glaube an die Vielfalt und das Geheimnis des Universums; und ich glaube nicht an das Übernatürliche”.

Links
Dan Simmons unter Wiki
Terror, ein Roman von Dan Simmons (übrigens ebenfalls keine Science-Fiction)
Das “Monde” ebook (epub) bei Thalia

Christopher Moore – Die Bibel nach Biff

überzeugend vorgelesen von Simon Jäger.

Naja, Jesus - oder Josh, wie ihn seine Freunde hier nannten - war mit Sicherheit auch ‘mal ein Kind gewesen. So wie Kinder nun mal sind, wird auch Josh seine Umwelt, seine Fähigkeiten und Talente erst entdeckt und weitergebildet haben müssen… oder ist die Kirche da etwa anderer Meinung?

So gelingen erste Wiederbelebungsversuche nicht immer ganz glücklich. Mit denimage Heilungen und Wundern geht es da schon besser. Aber wie wird man eigentlich Messias? Was macht so ein Messias eigentlich und wo kann man die Ausbildung dazu erhalten?

Mit seinem besten Freund Levi, den man Biff nennt, reist Josh in der halben Welt umher, um bei den drei heiligen Königen eine Ausbildung zu erhalten.

Während der ewig pubertierende Biff jedem Rockzipfel hinterherläuft, macht sich Josh unsichtbar oder kriecht in engste Tongefässe.

Am Ende versaut Biff fast noch Josh’s Kreuzigung (so würde die Kirche das wohl sehen).

Das Buch enthält vom rabenschwarzen Humor bis hin zu einer Vielzahl von überlieferten Gleichnissen, die keiner der Jünger so richtig versteht, eine bunte Palette von Spass und auch viel Stoff zum Nachdenken. Pharisäer, die ihre Machtgelüste gestört sehen, machen den Helden das Leben schwer. Frauen, die nicht spuren, werden unterdrückt. Den Römern ist der Dienst im Nahost überhaupt nicht recht.

Das Hörbuch ist mit 4.5 von 5 Sternen nicht ganz nach oben gelangt in meiner persönlichen Bestpasteurisiert-Liste. Es ist jedoch eine unterhaltsame und entspannende Lektüre beim Autofahren oder Hundespaziergang.

Links
Das Hörbuch bei Audible.de
Die Buchversion bei Amazon.de
Der Autor unter Wiki
Der Sprecher unter Wiki

Freitag, 8. Januar 2010

Poincarés Vermutung – Donal O’Shea

Wie falte ich Landkarten, die eine endliche poincares vermutung Oberfläche darstellen jedoch noch Ränder haben, zu einer endlichen, randlosen sphärischen Oberfläche (=Globus) zusammen? Das kann man sich noch irgendwie vorstellen. Aber wie erzeuge ich aus zwei Kugeln (endliches Volumen mit Rand, nämlich der Kugeloberfläche) eine Dreisphäre, die ein endliches Volumen hat, aber keinen Rand???

Mit sowas und noch viiiel komplizierter befasst sich heute die Mathematik und unterstützt dabei die Physik und die Astronomie.

Nein, man (der Ottonormalverbraucher) muss das sicher nicht verstehen, um dieses hervorragende Buch zu lesen. Donal O’Shea nimmt uns mit auf einen spannenden Streifzug durch die Geschichte der Geometrie und Topologie. Es beginnt mit vorerst noch nachvollziehbaren mathematischen Entwicklungen und dem historischen Umfeld der genialer Mathematiker aller Epochen.

Fantastische Visionen tauchen auf: ist die Erde eine Scheibe, eine Kugel oder etwa ein Torus? Wie finde ich das heraus ohne fliegen zu können? Ist unser Universum endlich oder unendlich und komme ich, wenn ich in unserem System starte wieder dorthin zurück, auch wenn ich nur geradeaus fliege? Wenn ich vom Eiffelturm aus tief genug in den Weltraum sähe, würde ich unsere Erde dort irgendwo erblicken – und wenn ja, dann einmal oder sogar mehrmals?

Nein, dies ist kein Buch für abgehobene Mathematiker, sondern ein schönes Geschichtsbuch um den Kern einer Wissenschaft, die so alt ist wie das Zählen, und geeignet für ein breites Publikum.

Nach vergnügtem Pasteurisieren gebe ich diesem Buch 5 von 5 Sternen. Ich habe viel gelernt und viele unterhaltsame Diskussionen mit Freunden und Kollegen dazu gehabt… alle, mich eingeschlossen, sind keine Mathematiker.

Links
Die Poincaré-Vermutung unter Wiki
Das Genie Grigori Perelman, welcher die Vermutung bewies und auf arXiv.org publizierte.