Samstag, 27. März 2010

Das Leben im Mittelalter – Robert Fossier

Der Titel allein kündigt schon ein weites Thema an. Die Versprechungen des Klappentextes machen neugierig auf die unterhaltsame historische Geschichte des Ottonormalverbrauchers (wohl 90% der damaligen Bevölkerung) im Mittelalter.

lebenimmittelalter_01_300 Im Nachhinein wird mir klar, dass Robert Fossier keine Chance hatte diesem weitem Thema gerecht zu werden.

Was bleibt ist leider ein langatmiges Buch, dem man wenige im Kopf hängenbleibende Anekdoten entnehmen kann. Unterhaltungswert und Bildungswert sind beide bei nur etwa 3 von 5 Sternen einzuordnen. Wirklich schade – aber er hat sich bemüht.

Lebendige Geschichte, mit rotem Faden, wird vor allem in dem dicken Schinken “Um alles in der Welt” von Christopher Llyod erzählt. Lloyds Thema ist sogar noch weiter gespannt und trotzdem schaffte er es im Gegensatz zu Fossier mich zu fesseln.

Fossier spickt seinen Text mit einer Vielzahl arroganter Bemerkungen. Sinngemäss erklärt er uns so wohl zwei dutzendmale, dass dieses oder jenes Thema schon ausgiebig bei anderen Autoren behandelt wurde und er deshalb nur auf einen Aspekt eingehen möchte (… den er dann leider auch nur oberflächlich behandelt). Oder Fossier erklärt uns, dass die sich streitenden Gelehrten bezgl. einer Theorie oder Interpretation alle falsch liegen und nur er die Erklärung hätte. Oder kann es vielleicht sein, dass die Übersetzung ins Deutsche einfach misslungen ist?

Tja, im Laufe des Buches stellt man dann auch fest, dass das Mittelalter wohl nur in Frankreich stattgefunden hat, jedenfalls ist Frankreich die fast alleinige Quelle Fossiers Informationen.

Nunja, ob Fossier Recht hat oder nicht, kann ich als Laie unmöglich beurteilen. Ich lese solche Bücher, um zu lernen. Der manipulative Stil, in dem Fossier schreibt lässt mich jedoch argwöhnisch werden. Damit hat mich das Buch eher verunsichert, als unterrichtet.

Links:
Gebundene Ausgabe “Das Leben im Mittelalter” bei Amazon
und ebenda “Um alles in der Welt

Freitag, 26. März 2010

Bruno Ziauddin’s Curry Connection

Was sich anfangs ein wenig wie eine Satire anhörte, wird im weiteren Verlauf des Buches zu einem interessanten Familienbesuch mit unerwarteten Erkenntnissen, der weniger zum Lachen als zum Nachdenken anregt.bild-bruno

Bruno, Sohn eines Inders und einer Schweizerin, der in Zürich aufgewachsen ist, beginnt sich nach dem Tode seiner Eltern für die Lebensgeschichte seines “schwarzen” Vaters zu interessieren. Erst jetzt kommt er in Kontakt mit seiner südindischen Verwandtschaft.

Bruno erzählt von seinen Aufenthalten bei den Tanten bzw. Verwandten in Indien, wie er dort gemästet und in den Mittelpunkt gestellt wird. Leider ist die kurzweilige und unterhaltsame Geschichte unterm Strich etwas seicht… oder liegt es daran, dass wir durch die Globalisierung selbst schon ähnliche Erfahrungen gemacht haben und nicht mehr wirklich überrascht sind über kulturelle Unterschiede?

Indien habe ich bisher noch nicht besucht, jedoch als Student mit Rucksack in der Türkei ähnliche Erfahrungen gemacht… und ein wenig beneide ich Bruno, dass er jederzeit Zuflucht in solch einer Familie finden kann.

Pasteurisiert mit 3.5 von 5 Sternenimage

Sonntag, 21. März 2010

Interview mit einem Vampir – Anne Rice

Mit imagediesem Hörbuch ist mir eine Premiere gelungen. Nämlich die Premiere ein Hörbuch nach etwa 5 Stunden gequältem Zuhörens vom Player zu löschen! Vielleicht hätte ich durchhalten sollen, um wirklich über das Hörbuch schreiben zu können? Vielleicht habe ich einfach zu früh aufgehört?

Während des Zuhörens musste ich feststellen, dass mich die Gefühle und Empfindsamkeiten eines Vampirs echt überhaupt nicht interessieren. Der Vampirmacher Lestat ist ein sadistischer Dummbeutel. Beide, Lestat und der Protagonist Louis, sind Pädophile … bäh, die ganze Story ist krank, egal, wie berühmt das Buch/der Film sein mag.

Selbst Dan Browns “Das verlorene Symbol” hat bei mir noch 3.5 Sterne (von 5 Sternen) erreicht. Das “Interview mit einem Vampir” bekommt für das erste Drittel Null Sterne. Den unpasteurisierten Rest des Hörbuches habe ich mir geschenkt.

Papiermodell BMW R16 mit Beiwagen

BeiwagenVorneDas Schreiber-Modell aus dem Jahr 1932 hat mir besonders viel Vergnügen bereitet.

Während bei den Burgen und Kirchen… Motoroder Moschee-Modellen die Schnittkanten oft gerade und mit Lineal und Cutter einfach zu schneiden sind, gibt es bei der BMW viele Kurven.

Toll sind die Details, wie z.B. die Kardanwelle, der Scheinwerfer oder einfach die Tatsache, dass man die Achsen und den Lenker durch Zahnstocher beweglich ausführen MotorradVornekann.

Diesmal habe ich zum Kleben UHU twist & glue verwendet. Die Formel muss gegenüber der vorherigen flinken Flache verbessert worden sein. Der Klebstoff härtet schneller aus und zieht nicht mehr so viele Fäden.

Als weiteres Werkzeug verwende ich jetzt einen Zahnstocher, um den Klebstoff besser verteilen zu können.

Das BMW-Modell ist bis zum nächsten Winter mein letztes Modell gewesen. Jetzt kommt der Frühling und damit hat die Stubenhockerei hoffentlich ein Ende.

Links:
weitere Papiermodelle in diesem Blog
(Himeji, Untergrundmoschee)
oder Schreiber-Modelle
und ein Foto der Modellbogenbeschreibung aus dem Jahre 1932
und gegoogelte Bilder unten:

imageimageimage

Samstag, 13. März 2010

Hurra, der Papst tritt zurück!

Ja, was ist nur los mit eurer katholischen Kirche? Jesus hat sich noch für die Sünden der Menschen ans Kreuz nageln lassen (so lehrt es doch die Kirche, oder?). Petrus ist noch als Märtyrer zur Verteidigung der christlichen Ideen gestorben (war’s nicht so in Ben Hur?).

Was macht der Papst nun, nachdem der ganze perverse Dreck in seiner ehemaligen Heimat … und sogar im eigenen Bistum aufgeflogen ist? Warum nimmt er nicht den Schierlingsbecher, überstellt sich der Inquisition oder geisselt sich wenigstens vor der Öffentlichkeit, um für die Sünden seiner Schafe zu büssen? Und wenn der Herr Ratzinger damit schon ‘mal anfangen würde, wären wir vielleicht endlich auch den ganzen Rest der Kurie los. Wer wollte denn unbedingt Macht und Verantwortung? Nun habt ihr sie, also tragt gefälligst auch die Konsequenzen.

Was ist nur aus Jesus’ Gedankengut geworden!

Jungs (Päpste, Kardinäle, Bischöfe etc…), redet euch jetzt nicht damit ‘raus, dass ihr die Probleme managen müsst und deshalb unabkömmlich seid… wenn dem so wäre, würde Jesus persönlich heute noch managen.

Blasphemie?? Ich hab’ noch keine Knaben befingert. Wer ist hier wohl eher von eurem Teufel befallen? Ich hoffe ihr glaubt noch fleissig an die Hölle und landet dann auch darin… dort treffen wir Atheisten und ihr Scheinheiligen uns wieder. Nur mit dem Unterschied, dass ich dabei ein ruhiges Gewissen haben kann.

Links

Erste Rücktrittsforderungen gegen Gott wegen Missbrauchsskandal
Missbrauch: Was wusste Josef Ratzinger
Missbrauchsfall in Ratzinger-Bistum aufgedeckt
Papst traf 80’000 Pädophilie-Opfer auf einmal (mit Beweisfoto)

Freitag, 12. März 2010

In freiem Fall von Gianrico Carofiglio

Spannend und einfühlsam gelesen von Erich Räuker.

Wie auch schon den beiden Hörbücher “Das Gesetz der Ehre” und “Reise in die Nacht”,image kann ich mit ruhigem Gewissen diesem spannenden Roman 5 von 5 Sternen verpassen. Wieder eine Meisterleistung des italienischen Bestseller-Autors Gianrico Carofiglio. Empfehlenswert!

Auch der neue Fall des Rechtsanwaltes Guerrieri ist packend aufgebaut. Diesmal muss unser Avvokato keinen Mandanten verteidigen, sondern eine Klage führen. Doch wer ist plötzlich der Kläger und wer der Angeklagte? Guerrieri baut erneut trickreiche Argumentationen auf, die seinen Rechtsstreit wie immer erfolgreich verlaufen lassen.

Diesmal lernt er bei der Abwicklung des Falles eine Nonne kennen, die am Ende eine interessante Auflösung herbeiführt…

Nein, diesmal weigere ich mich weitere Aussagen zu machen. Jedes zusätzliche Wort würde die Spannung, wenigstens teilweise aufheben und euch um euer Vergnügen bringen. Obwohl, wäre das bei einem Roman Carofiglios wirklich so einfach?? Nein! Die Spannung bliebe auch, wenn ich den gesamten Inhalt erzählte. Trotzdem lasse ich euch jedes Detail besser selbst geniessen.

Allen Lesern einen pasteurisierten Gruss und viel Spass beim Lesen.

Links

In freiem Fall bei Amazon und bei Audible
Weitere Carofiglios in diesem Blog: Das Gesetz der Ehre und Reise in die Nacht
Wikipedia-Artikel zu Gianrico Carofiglio und Erich Räuker

Sonntag, 7. März 2010

Föhnlage von Jörg Maurer

Es muss nicht immer L.A., Moskau oder Hongkong sein.

Jörg Maurer liest selbst das Hörbuch zu seinem Buch Föhnlage. Passend zum Tatort, sprenkelt er mal hier mal dort etwas bayrischen Dialekt in den sonst hochdeutschen Text. Herrlich anzuhören.

Meine pasteurisierte Bewertung lautet 5 von 5 Sternen, sowohl für den Krimi, als auch für den Sprecher.

imageBeim Kauf des Hörbuches war meine Erwartungshaltung nicht sehr hoch, sie wurde aber bei weitem übertroffen. Die Story ist spannend bis zum Ende und es gibt viele unerwartete Wendungen. Die Charaktere sind urig, natürlich und wie aus dem echten Leben -  also keine Superhelden. Die Formulierungen, die Jörg Maurer seinen Figuren in den Mund legt, sind schlagfertig und ländlich und ich habe oft Tränen gelacht. Eine herrliche Kombination von 90% Krimi und 10% Heimatroman…oder 80/20 oder 70/30?

Besonders gut hat mir das beherzte Eingreifen eines Feuerwehrmannes gefallen, der die Folgen eines Absturzes zu mildern versucht – ihr werdet die Stelle erkennen und es euch dann bildlich vorstellen. Genial gelöst!

Der Klappentext des nächsten Krimis “Hochsaison” von Jörg Maurer berührt mich weniger, jedoch werde ich mir das sprachliche Fest und die erfrischenden Charaktere nicht entgehen lassen. “Beethovens kleine Patzer” habe ich schon ‘runtergeladen und freue mich schon ‘drauf.

Links:
Föhnlage-Link zu Amazon und Audible
Jörg Maurer unter Wiki und seiner Homepage
Beethovens kleine Patzer bei soforthören

Freitag, 5. März 2010

Dan Simmons - Drood

imageerstklassig vorgelesen vom Sprecher Detlef Bierstedt… und von mir leider nur mit 4 von 5 Sternen pasteurisiert.

Das Hörbuch zu Dan Simmons Roman Drood ist ein endloses Werk von 29 Stunden Hörzeit. Uff! Der oben genannte Sprecher hat dieses, sonst eher langatmige Hörbuch, doch noch irgendwie gerettet.

Worum geht’s? Dan Simmons lässt Wilkie Collins, ein guter Freund und Neider von Charles Dickens, den wir alle von Oliver Twist oder David Copperfield kennen, den Lebensabschnitt ab 1865 (Zugunglück bei Staplehurst) erzählen. Wilkie selbst ist ein drogensüchtiger Autor, der wohl als Erfinder der Mystery Thriller und Detektivgeschichten gelten darf. Im Drogenwahn verwischen Traum und Realität soweit, dass der Hörer zum Teil nur schwer nachvollziehen kann, was nun tatsächlich passiert ist oder ob es nur der Fantasie, dem Traum entspringt. Charles Dickens kommt bei der ganzen Geschichte weniger gut weg.

Wer ist Drood? Der mysteriöse Drood, der Schatten der Londoner Unterwelt – ein Mörder, Menschenfresser, altägyptischer Priester – taucht nur verschwommen auf. Im Mittelpunkt stehen die Suche nach ihm und seine Präsenz in den Köpfen der Protagonisten Collins und Dickens.

Wilkie wird im Laufe der Geschichte immer verrückter, die Story immer verworrener, bis sich der Knoten erst am Ende wieder löst… da heisst es “Durchhalten, nicht schlapp machen!”.

Das Hörbuch ist streckenweise sehr langatmig und langweilig. Kurz vor der Kapitulation (ich hätte das Hörbuch ein paar Male am liebsten in den digitalen Schrott geworfen) gibt’s dann immer wieder ein Highlight.
Sehr interessant sind die Beschreibung Londons, der Gesellschaft und der Klassenunterschiede. Schön auch die nebenbei erwähnte Sicht auf das damalige Amerika und z.B. die Verletzung von Urheberrechten. Zum Totlachen fand ich die “Muskelchristen”, die wir heute ja alle aus den USA kennen.

Alles in allem ein gelungenes Buch – es hätte jedoch auch gerne etwas kürzer ausfallen dürfen.
Links
Drood bei Amazon
und bei Audible
Detlef Bierstedt bei Wiki
und noch ein Hörbuch von Dan Simmons in meinem Blog: Terror
Wilkie Collins und Charles Dickens bei Wiki