Freitag, 16. April 2010

Shalom Auslander – Eine Vorhaut klagt an

Gelesen von Alexis Krüger

Na, der Titel ist ja schon irgendwie provokativ. Das Coverbild mit der Silhouette eines orthodoxen Juden erweckt im Zusammenhang mit dem Titel nun wirklich meine Aufmerksamkeit.

Der Inhalt ist zum Totlachen – aber Achtung: das Hörbuch ist nichts für Menschen mit religiösem Eifer!image
Shalom wächst in einer orthodoxen, jüdischen Familie auf. Die Verletzung eines gottgegebenen Verbotes… und davon gibt es viiiele… zieht unweigerlich die Rache Gottes nach sich – und die  besteht in der Regel aus grausamsten Todesfoltern, denn der Gott der Juden ist wohl rachsüchtig und pervers grausam.

Wie kann es aber sein, dass die vielen Nichtgläubigen immer noch gesund und munter sind. Also probt Shalom die Sünde, isst Schweinefleisch, nimmt Drogen, bricht den Sabbat und schaut Pornos. Die Angst, geboren aus der dauernden religiösen Vergewaltigung, bleibt. Das Leben Shaloms pendelt zwischen Widerstand und Schrecken. Er zeigt seinem Gott den Stinkefinger und beschimpft ihn “Mistkerl”, duckt sich dabei aber in Erwartung des tödlichen Blitzes, der ihn selbst oder seine unschuldige Familie treffen könnte.

Shalom erkennt, dass die Gläubigen unter dem Stockholm-Syndrom leiden und ihrem Geiselnehmer “Gott” sogar noch zujubeln.

Ein herrlich komisches Hörbuch, jedoch auch genug Stoff zum Nachdenken. Sehr empfehlenswert für Freidenker mit einem Humor, der auch mal unter die Gürtellinie geraten darf.

Meine Bewertung: 5 von 5 Sterne.
Danke Shalom, dass Du die Sache so direkt aussprichst!

Links
Das Hörbuch bei Audible
Die Vorhaut gebunden bei Amazon

Samstag, 10. April 2010

Der Junge im gestreiften Pyjama – John Boyne

Der Buchrücken gibt leider keinen Hinweis auf den Inhalt des Buches. Schade, denn beinahe hätte ich mich gegen das Buch entschieden – wer kauft schon gerne die Katze im Sack?image

Glücklicherweise habe ich das Buch dann doch gekauft – ein 5 von 5 Sterne-Buch, das ich fast in einem Zuge durchgelesen habe.

John Boyne schafft es den Holocaust und die Schrecken von “Aus-Wisch” aus den Augen des 9-jährigen Bruno, Sohn des Kommandanten, zu betrachten. Dieser, für mich neue, Blickwinkel erzeugt seine eigene Gänsehaut. Das Wortspiel mit dem “Furor” finde ich ebenso herrlich, wie den Klang des Begriffes “Aus-Wisch”.

Eine sehr schöne Geschichte (falls man das bei diesem Thema sagen darf). Es gibt keine gewaltigen Bilder, keine heroischen Worte, nicht einmal wirkliche Anklagen – das Buch und seine Protagonisten sprechen eine eigene Sprache. Trotz der naiven Sichtweise des 9-jährigen Protagonisten wird das Gesehene nicht verniedlicht, verharmlost oder verliert den Schrecken – ganz im Gegenteil!

Sehr empfehlenswert!

Links
Das Buch bei Amazon
Eine Beschreibung zum Film bei Wikipedia
Noch ein weiterer Blickwinkel hier im Blog

Sonntag, 4. April 2010

Patrick Feuz – Zwischen uns ein Ocean

Patrick Feuz - Zwischen uns ein Ocean Patrick Feuz hat die alten Briefe des Schweizers aus Twann, Friedrich Mürset, “ausgegraben”, in denen dieser von der Reise in die neue Heimat und vom Aufenthalt dort berichtet.

Das Buch ist lebhaft geschrieben und gespickt mit Auszügen aus Mürset’s Briefen und Zitaten anderer schweizerischer Auswanderer.
Die wirtschaftlichen Nöte Mitte des 19. Jahrhunderts am Bieler See, die Mühsal der Schiffreise per überfülltem Dreimaster, die Abzocker in den Häfen und der Aufbau der neuen Existenz in Amerika werden so munter erzählt, dass ich das Buch kaum noch aus der Hand legen konnte.

Ein schönes Buch, das ich ruhigen Gewissens mit 5 von 5 Sternen bewerte.

Links:
das Buch beim Zytglogge-Verlag oder bei Thalia
Im Schweizer Radio DRS1