Freitag, 28. Mai 2010

Das Bildnis des Dorian Gray – Oscar Wilde

Dorian, ein junger, naiver Schönling, wird von dem Maler Basil gemalt. Bei der Betrachtung des Bildes wünscht Dorian, dass er ewig so jung und schön, wie auf dem Bild bleiben könnte und stattdessen das Bild das Altern übernähme.

Gesagt, getan! Skrupellos beginnt Dorian das Leben, unter der Anleitung des alten Zynikers Lord Henry, in vollen Zügen zu geniessen und zieht dabei viele unschuldige Menschen ins Verderben. Das gemalte Bildnis verändert sich dabei und übernimmt alle Zeichen der Verderbnis, des Verlotterns und des Alterns. Dorian ekelt sich vor dem Bild, ist aber nicht bereit sein Leben zu verändern.

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Herrlich ist Lord Henry, der mit seinen zynischen, abgeklärten, jedoch treffenden Bemerkungen immer wieder meine Lachmuskeln reizen musste. Am schönsten fand ich seine anzügliche Bemerkung: “Ich mag Männer mit Zukunft und Frauen mit Vergangenheit”. Die Bemerkung Lord Henry’s "Ich wähle meine Freunde nach ihrem guten Aussehen, meine Bekannten nach ihrem Charakter und meine Feinde nach ihrem Verstand" ist auch nicht schlecht.

Am Ende eskaliert die Geschichte. Es fliesst Blut… aber es gibt ein Happy-End (aus dem richtigen Blickwinkel betrachtet).

Schade, dass dieser Roman Oscar Wildes einziger ist. Davon hätte ich gerne mehr gelesen!

Pasteurisiert mit 5 von 5 Sternen; Empfehlenswert!

Links
Das Hörbuch bei Audible
Das Buch bei Amazon
Über den Roman und den Autor bei Wikipedia

Donnerstag, 13. Mai 2010

Der Neandertaler mit Stil

Neandertaler - Museum of Natural History Chicago

Jeder kennt diese klischeehaften Plastiken von Neandertalern in Museen. Bevorzugt werden sie mit vielen Haaren dargestellt, ungekämmt, verfilzt, ungepflegt. Langweilig!
Bei Welt.de habe ich nun obiges tolle Bild gefunden. Hier wird ein Neandertaler gezeigt, der Ausdruck und Charakter zu besitzen scheint. Super! Danke, endlich mal keine stereotype Darstellung.

Links
Erbgut des Neandertalers präsentiert (mit Klischeetaler)
Neandertaler-Gene im Menschen (mit Klischeebild)
Wir sind Neandertaler (mit Klischeefamilie)

Zeitschaft – Gregory Benford

Was mit einer guten Idee begann, wurde leider zu einer langatmigen, wenig fesselnden Geschichte.
Vorab: Zeitschaft bekommt von mir leider nur 2 von 5 Sternen.

Erzählt wird die Geschichte zweierimage Zeitlinien. Die erste beginnt 1998 in einer apokalyptischen Welt, deren Wissenschaftler mit Hilfe von Tachyonen versuchen eine Botschaft mit Informationen über die Ursachen der nahenden Bio-Katastrophe rückwärts in die Zeit zu schicken. Der zweite Zeitstrang beginnt im Jahre 1962 in einem Forschungslabor, wo Störungen in einem Versuchsaufbau bemerkt werden und diese als verstümmelte Botschaft teilweise entschlüsselt werden.

Während sich 1998 die Situation immer weiter verschlechtert und die Menschheit ums Überleben kämpft, mahlen 1963 die Mühlen der Wissenschaft um Anerkennung der Messwerte.

Eigentlich habe ich fast das gesamte Buch auf Handlung gewartet. Stattdessen musste ich mich im “hier” mit Geldbeschaffung, politischen oder verwaltungstechnischen Problemen, sexsüchtigen Ausschussmitgliedern, marodierenden Arbeitslosen etc. herumschlagen…und “dort” mit ehrgeizigen Wissenschaftlern, Rassenvorurteilen, Mutterkomplexen, Beziehungsstress etc. quälen lassen.

Was bleibt, ist die “gute Idee” im ersten Kapitel und die “Auflösung” im letzten Kapitel. Schade. Hätte man nicht mehr ‘draus machen können?

Montag, 10. Mai 2010

Pytheas Reise nach Thule (…und zurück)

Der griechische Händler und Geograph Pytheas von Massalia (ca. 380 v.u.Z. – 310 v.u.Z.) hat um 320 v.u.Z.,auf der Suche nach dem Ursprung der Zinn-Produktion (Cornwall) und des Bernstein (Helgoland), eine mehrjährige Reise bis zur Insel Thule (heute Smøla) durchgeführt.

Die Reiseroute, wie ich sie mir vorstelle, ist in folgender Grafik dargestellt. Eine genaue Diskussion findet man bei

"Auf den Spuren des Pytheas von Massalia, Arbeit zur Erlangung der Magisterwürde von Oliver H. Herde" (Link)

In zwei Flickr-Galerien habe ich versucht die Reise mit Bildern zu erzählen:

Eine weitere Quelle ist wie immer Wikipedia (Pytheas), sowie die Bildquelle
http://images.zeno.org/Meyers-1905/I/big/Wm07648a.jpg
und die PDF-Datei
http://www.ptolemaios.unibe.ch/Text Ptolemaios.pdf
(Achtung, bei Klick beginnt pdf-Download).

Pytheas Reise nach Thule

Freitag, 7. Mai 2010

Tamim Ansary – Die unbekannte Mitte der Welt

Für jede Person, die sich für Weltgeschichte interessiert, ist dieses Buch ein absolutes “Muss”.

Im unterhaltsamen Stil des Geschichtenerzählers erzählt mir Tamim Ansary die Geschichte des Teils der Welt, der so gerne in der westlichen Geschichtsschreibung ausgelassen wird und der heute Schauplatz von soviel Krieg und Elend geworden ist.

imageTamim beginnt mit den vor-moslemischen Kulturen der Regionen östlich des Mittelmeeres und westlich von Indien. Mit Mohammed wird dann ein Projekt des menschlichen Zusammenlebens begonnen, das mehr als nur Religion, nämlich auch Rechtssystem, Kultur und Wirtschaftssystem sein kann.

Warum erblühte der Islam zu Zeiten als das mittelalterliche Europa noch fern ab von einer Zivilisation war? Wer zerschlug diese hochentwickelte Kultur? … ganz bestimmt nicht die Kreuzfahrer, wie uns unsere europäische Geschichtsschreibung so gerne vorgaukelt. Die Kreuzfahrer haben nämlich gerade mal eben den Rand der Mitte der Welt angekratzt.

Über das osmanische Reich, die Wahhabiten, über die Übernahme Indiens durch die Briten und bis hin zu den Modernisierern und den Kriegen des 20. und 21. Jahrhunderts erzählt Tamim, für mich neue, Zusammenhänge, Entwicklungen und Strömungen, die vieles erklären und einen spannenden Blickwinkel auf die islamische Welt, aber auch auf unser Europa und seine Entwicklung geben.

Mit wenigen Sätzen zum Beispiel charakterisiert Tamim den Nationalismus und seine Ursachen… und warum derartige Bewegungen erst später in der Mitte der Welt entstanden.

Erst in einem Nachwort geht Tamim auf die bisherige Inkompatibilität der unterschiedlichen Sichtweisen der westlichen und islamischen Gesellschaft ein und sieht in der gemeinsamen Aufarbeitung der Weltgeschichte einen Weg zum gemeinsamen Verständnis und zum Frieden miteinander.

Ich war schockiert, wie wenig mir von der Geschichte der Region zwischen Mittelmeer und Indien bekannt war. Eigene Dummheit, schlechter Geschichtsunterricht oder etwa eine Manipulation der Lehrpläne?

Danke Tamim für die lehrreichen Lektionen… und ich gebe Dir Recht, dass die Kenntnis der Globalgeschichte aus islamischer Sicht einen Weg in ein friedliches Zusammenleben ermöglichen kann, wenn auch wohl mit weniger Profit für die Reichen beider Kulturkreise.

Das Buch bewerte ich eindeutig mit 5 von 5 Sternen. Unbedingt lesen!

Links:
Über den Autor bei Wikipedia
Das Buch und das eBuch bei Thalia
… oder bei Amazon (für weitere Rezensionen)
Die Wahhabiten bei Wikipedia
Zum Islam bei Wikipedia

Montag, 3. Mai 2010

Robert Charles Wilson - Quarantäne

Dies ist bereits mein zweites Hörbuch von Robert C. Wilson und ich erkläre mich hiermit zum Wilson-Fan.image

Dieses Hörbuch wurde 13 Stunden und 20 Minuten lang von Oliver Siebeck vorgelesen. Spannende Science Fiction, ähnlich dem Roman “Die Chronolithen” vom gleichen Autor und eher unkonventionell.
Mein pasteurisiertes Urteil:
5 von 5 Sterne für dieses Abenteuer.

Worum geht’s? Die Menschheit hat Quantencomputer auf biologischer, selbstlernender Basis entwickelt und setzt diese zu astronomischen Zwecken ein. Die Beobachtungstechnik verselbstständigt sich und erreicht eine extrem hohe Auflösung, die verwendet werden kann einzelne Subjekte auf fremden Planeten hautnah zu verfolgen.

Das Camp, in dem diese Computer installiert sind wird jedoch eines Tages unter Quarantäne gestellt. Keiner darf den Ort verlassen.

Die Protagonisten, die im Camp gefangen sind, versuchen die Gründe dafür zu enträtseln. Ein Teil der Inhaftierten fordert den Abbruch des Experiments (die Beobachtung des Subjekts) und damit das Abschalten der Computer. Ein anderer Teil will weitermachen und sucht darin die Ursache für die Quarantäne.

Am Ende kommt es dann zu einem extraterrestrischen Kontakt mit dem Subjekt und die Geschichte löst sich auf.

Links
Das Hörbuch bei Audible
Das Taschenbuch bei Amazon
Der Autor bei Wikipedia
Die Chronolithen bei Pasteurisiert

Samstag, 1. Mai 2010

Orientierungssinn

Wir haben heute darüber diskutiert, dass unser Sohn wegen seines guten Orientierungssinnes und dem beinahe fotografischem Kartengedächtnis, zum GPS-Sprecher ausgebildet werden sollte.