Sonntag, 20. Juni 2010

Das Uhrenstellinstitut – Ahmet Hamdi Tanpinar

Entgegen vielen anderen türkischen Dichter/Schriftsteller hat Ahmet Hamdi Tanpinar seine Systemkritik so geschickt verpackt, dass er nicht im Gefängnis gelandet ist. Die GeschichteUhrenstellinstitut “Das Uhrenstellinstitut” ist eine Satire auf die Modernisierung der Türkei in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Schade ist, dass mir die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen/Umbauten der Türkei unbekannt sind und ich deshalb wohl wenig verstanden habe von der Kritik. Es bleibt aber eine faszinierende Geschichte des Ich-Erzählers Hayri Irdal, der wie ein Fähnchen im Wind mal hierhin, mal dorthin geweht wird, bis er zuletzt vom Visionär Halit Ayarci eingefangen wird.

Gemeinsam mit Halit wird das Uhrenstellinstitut gegründet. Dieses Institut übernimmt als Behörde die Kontrolle und Verwaltung von kleinen Pavillons, bei denen Passanten ihre Uhren stellen lassen können. Das Personal dieser Behörde rekrutiert sich hauptsächlich aus dem Verwandten- und Freundeskreis der Institutsgründer. Die Mitarbeiter benötigen keine wirkliche Qualifikation und dürfen sich ihr Tätigkeitsfeld selbst auswählen.

Um das Institut geht es aus meiner Sicht aber beinahe nur am Rande. Wichtiger sind die vielen unterschiedlichen Charaktere, die zwischenmenschliche Beziehungen und die Schicksale der Hauptpersonen. Überraschend fand ich die Rollen der Frauen. Wohl weniger überraschend für Istanbul, so doch entgegen üblicher Vorurteile, was die Türkei Mitte des 20. Jahrhundert betrifft.

Das Buch liefert viele interessante Lebensweisheiten. So zum Beispiel, dass die Besorgnis um die eigene Ehre (“Respekt, Alter!”) mit zunehmend ausgeprägter Persönlichkeit abnimmt. Aber auch die verschiedenen Ansichten über den Begriff “Realismus” (Halit vs. Hayri) sind nicht nur komisch, sondern ebenso nachdenkenswert.

In Summe ist dieses Buch mit pasteurisierten 5 von 5 Sternen wieder ein Kandidat für meine Bestenliste.

Links
Der Autor bei Wikipedia
Das Buch bei Amazon

Donnerstag, 17. Juni 2010

Entdeck mich! – Weltberühmte Expeditionen

In diesem zweiteiligem Hörbuch werden ausgewählte Ausschnitte der Reisebeschreibungen von acht Reisenden erzählt.

Im ersten Teil kommen die folgenden Autoren zu Wort: Alexander von Humboldt, Ferdinand Freiherr von Richthofen, Heinrich Schliemann, Mary French Sheldon
In Teil 2 werden weitere vier spannende Beschreibungen, diesmal der folgenden Herren auszugsweise vorgelesen: Charles Darwin, Sir Richard Francis Burton, Fridtjof Nansen, Harry Graf Kessler EntdeckMich2

EntdeckMich1

Grundzüge einiger Reisen kannte ich schon. Neu für mich waren Richthofens Reise in China, Sheldons Reise zum Kilimandscharo, Schliemanns Entdeckung Trojas, Burtons Reise nach Mekka und Kesslers immer noch aktueller Einblick in die amerikanische Gesellschaft.

Besonders eindrucksvoll fand ich Humboldts Anklage gegen die Ausbeutung und “Erziehung” der Südamerikanischen Indios durch die Missionare und Darwins Anklage gegen die unmenschliche Behandlung der Sklaven. Bei Nansens Expeditionstagebuchauszügen bekam ich förmlich kalte, nasse Füsse und über Sheldons Durchsetzungsvermögen und Courage musste ich ehrlich staunen. Schliemanns Sprachtalent und seine Leichtigkeit, eine neue Sprache zu lernen, muss phänomenal gewesen sein.

Die Auszüge sind sehr lebendig, sprachlich weit über dem Durchschnitt heutiger Berichte und in jedem Falle hörenswert. Humboldt, Sheldon, Nansen und Kessler darf man sich einfach nicht entgehen lassen. Ich habe jetzt Appetit bekommen, mir die Reisebeschreibung des einen oder anderen Autors in Buchform zu Gemüte zu ziehen.

Die beiden Hörbücher erhalten von mir unbedingt 5 von 5 Sterne!

Links
Teil 1 bei Audible
Teil 2 bei Audible
Alexander von Humboldt – Die Reise nach Südamerika
Fridtjof Nansen – In Nacht und Eis

Freitag, 11. Juni 2010

Spin – Robert Charles Wilson

Die Geschichte fängt mit einer interessanten Idee an: um die Erde legt sich eine Membran, die das Sternen- und Sonnenlicht nicht hindurch lässt, jedoch dafür Raketen, Bomben etc...

Trotz lichtundurchlässiger Membran geht am Morgen danach eine Sonne auf, nämlich eine künstliche. Die Spinmembran ist eine Technik, die die Menschheit nicht begreift. SpinWeder die Verursacher noch die Gründe für diese Isolation sind bekannt. Zudem stellt sich heraus, dass die Zeit ausserhalb der Spin-Membran 100 Millonen Mal schneller vergeht, als auf der Erde. Wieviele Jahre wird es benötigen, bis die Sonne sich aufbläht und verglüht? Was ist, wenn die Membran genau dann verschwindet? Ist die Erde dem Untergang geweiht?

Jetzt reifen phantastische Ideen heran, um wenigsten einen Teil der Menschheit zu retten. So wird der Mars innert kürzester Zeit (aus Sicht der Erde) terraformt und durch Menschen besiedelt.

Die Story wird aus der Perspektive eines Mannes erzählt, dessen Kindheitsfreunde im Brennpunkt der Aktivitäten in Bezug auf Erforschung der Natur des Spin-Ereignisses stehen. Wie üblich für R. C. Wilsons Geschichten, driftet ein Teil der Menschheit in religiöse Spinnereien ab, während die Wissenschaftler realistisch an Analyse und Rettung gehen.

Am Ende gibt’s dann ein unerwartetes, phantastisches Happy End.

Das Buch “Spin”, das ich kaum aus der Hand legen konnte, erhält von mir 5 von 5 Sternen und steht somit auf meiner Top 50 Liste.

Links
Das Taschenbuch bei Amazon
Die Chronolithen und Quarantäne vom gleichen Autor

Mittwoch, 2. Juni 2010

Die Reise zum Mittelpunkt der Erde – Jules Verne

Diese Geschichte hat wohl fast jeder schon gehört, gelesen oder gesehen. Was also soll ich dazu erzählen.

Schon imageals Kind hat der Film von 1959 mit Pat Boone, James Mason, Arlene Dahl, Diane Baker etc… meine Fantasie angeregt und mir viele Stunden Spielspass bereitet.

Gegen den gesunden Menschenverstand komme ich immer wieder auf diese Geschichte zurück. So konnte ich an der neuesten Verfilmung von 2009 (Klamotte) einfach nicht vorbei… und das Hörbuch bei Audible musste ich einfach kaufen.

Das Hörbuch, gelesen von Timmo Niesner, erhält tatsächlich 5 von 5 Sterne von mir… vielleicht aus nostalgischen Gefühlen heraus?

Im Internet habe ich jetzt auch gelernt, dass man die Stilrichtung Steampunk nennt – im Gegensatz zum Cyberpunk. Da Jules Verne seine Geschichten noch zur Dampfzeit geschrieben hat, zählt man seine Bücher nicht zum Steampunk, betrachtet sie jedoch als Vorlage zu diesem Genre.

Unter Flickr habe ich zur Geschichte eine kleine Galerie angelegt (siehe Link unten). Viel Spass beim Schauen.

Links
Die Reise als Fotogalerie bei Flickr 
Das Hörbuch bei Audible
Der Sprecher Timmo Niesner bei Wiki
Das Taschenbuch bei Amazon
Jules Verne bei Wikipedia
Die Reise zum Mittelpunkt der Erde bei Wikipedia
Trailer zum Film aus 1959 oder zur neuesten Version von 2009
Steampunk unter Wiki