Samstag, 25. September 2010

Perry Rhodan Silberband 17 “Die Hundertsonnenwelt” – K. Mahr, K.H. Scheer, C. Dalton

… gelesen von Josef Tratnik

Pasteurisiert mit 4.5 von 5 Sternen. Die Bösen verlieren, die Guten gewinnen. Heile Welt.

Seit nunmehr 49 Jahren (!) kann man die Perry Rhodan Hefte kaufen, die wöchentlich herausgebracht werden und bereits bei etwa Heft Nr. 2550 angelangt sind.silber 17

Vor etwa 30 Jahren hatte ich die ersten 50 Hefte von einem Freund ausgeliehen. Lange Zeit habe ich keine Perry Rhodan Geschichten mehr gelesen. Vor etwa 4 oder 5 Jahren habe ich für die Kinder ein paar Hörbücher aus dem Internet geladen und bei einer längeren Autofahrt abgespielt. Die ganze Familie war begeistert und ich selbst habe begonnen ab Heft 51 weiterzulesen. Später habe ich die ersten Silberbände in Buchform gelesen und bin damit erst so richtig auf den Geschmack gekommen. Mit “Die Hundertsonnenwelt” habe ich mir jetzt das erste Silberband-Hörbuch vorlesen lassen und bin begeistert.

Während der Sprecher Josef Tratnik anfangs Perry’s Stimme etwas hölzern wiedergegeben hat, ist im Verlaufe des Buches daraus ein flüssiger Vortrag geworden. Etwas merkwürdig waren auch die Stimmen von Ras Tschubai, Gucky und Tama Yokida… aber egal, man gewöhnt sich auch an Unerwartetes.

Was macht Perry Rhodan so besonders? Die Autoren haben einen gesamten Kosmos mit Sonnen, Planeten, Völkern, deren Mentalitäten und Technologien gefüllt, die fortlaufend erweitert und immer mal wieder in Folgehefte eingebunden werden. Ich fühle mich in gewisser Weise mitwachsen. Einen Quereinstieg hingegen stelle ich mir äusserst schwierig vor. Besser man fängt bei Heft 1 an. Die heldenhafte und dabei ethisch, moralisch verantwortungsvoll handelnde Persönlichkeit Perry Rhodans ist im Vergleich zu heutigen Politikern wohl der eigentliche utopische Gedanke an der Geschichte. Die Protagonisten kommen immer wieder in aussichtlose Situationen. Die mittlerweile namhaften Heftautoren finden jedoch immer wieder glaubhafte Lösungen, um ihre Helden zu befreien. Das Gute siegt (fast) immer.

Ich bin extrem neugierig, wie sich die Menschheit  des Perryversums weiterentwickelt. Mal schauen, wer letztendlich älter wird… Perry Rhodan oder ich. Statistisch gesehen sollte ich in etwa Band 4000 noch erleben dürfen.

Links:
Das Hörbuch bei Audible
Perry Rhodan unter Wiki
Kurt Mahr, Karl-Herbert Scheer und Clark Dalton bei Wiki
Josef Tratnik bei Perrypedia

Fermats letzter Satz – Simon Singh

Pasteurisiert mit 5 von 5 Sternen. Abenteuer Mathematik! Empfehlenswert!

Fermat

Kann Mathematik abenteuerlich sein? Ja, sie kann! Simon Singh beweist, dass man die Geschichte eines mathematischen Satzes und seines Beweises zugleich spannend und mit einem Augenzwinkern erzählen kann.

Der Satz des Fermat sieht aus, wie eine Verallgemeinerung des pythagoreischen Satzes. Fermat hat vermutet, dass es keine ganzzahligen Werte gibt, für die dieser Satz gilt, und hat angeblich sogar einen wunderbaren Beweis dafür gefunden, der jedoch zu lang wäre, um ihn auf den Seitenrand zu skizzieren. Nun ja, Andrew Wiles hätte seinen Beweis auch nicht auf den Seitenrand schreiben können. Fermats wunderbarer Beweis wäre vermutlich mit dem damaligen Stand der Mathematik nicht durchführbar gewesen, sollte doch Wiles erst ganze Abschnitte der Mathematik neu schreiben müssen, um nach 8 Jahren schwerster Kopfarbeit den Beweis führen zu können.

Das Buch handelt von der Geschichte der Mathematiker, die sich seit Pythagoras schon den Kopf über zahlentheoretische Zusammenhänge zerbrechen. Viele kleine Anekdoten um grosse Helden und Heldinnen der Mathematik zieren das Buch und haben mir viel Vergnügen und Kurzweil verschafft. Interessiert man sich weniger für Mathematik, als für Geschichte, so bietet das Buch für jeden Leser einen Einblick in viele Jahrhunderte wissenschaftlicher Arbeit und ihrer oft tragischen Geschicke der Denker und Genies.

Links:
Das Buch bei Amazon
Fermats Satz bei Wiki
Über Pierre de Fermat und Andrew Wiles bei Wiki 

Dienstag, 14. September 2010

Das Aargauer Parlament fordert nationales Verhüllungs-Verbot

3592944036_3c2e8e7e0d_zDie neueste öffentliche, faschistische Lächerlichkeit in der Schweiz habe ich hier unter SF Tagesschau gefunden.

Zitate:
”Das Aargauer Parlament will das Tragen von «Kleidungsstücken, die das Gesicht ganz oder hauptsächlich verhüllen», in der ganzen Schweiz verbieten lassen.(keystone)”
”Als Ausnahmen werden «gesundheitliche und sicherheitsrelevante Gründe, Winterbekleidung sowie das einheimische Brauchtum» genannt.(sda/godc)”

Achtung, es geht hier nicht etwa um ein Vermummungsverbot für Demonstrationen, sondern um die “hauptsächliche” Verhüllung des Gesichts. Schlimmer als der Schleier, der verboten werden soll, ist der Schleier des Nichtwissens, den die hiesigen Politiker offenbar tragen.

3094423921_8f76c4bb30_o Was soll das Verbot? Können wir in der Schweiz keine fremden Kulturen respektieren? Das Minarett-Verbot zeugte schon von provinzieller Intoleranz. Aber das Verhüllungsverbot ist eindeutig eine Menschenrechtsverletzung. Was wissen wir denn schon von den kulturellen Hintergründen der Verhüllung. Wie weit geht die Enthüllung zukünftig - ist der nächste Schritt eine “Oben ohne”-Pflicht?

Wen trifft das Verbot? Machen wir jetzt Gesetze gegen eine Handvoll harmloser Frauen? Haben die Politiker nichts besseres zu tun? Es gibt sicherlich deutlich mehr korrupte Banker in der Schweiz, als Frauen, die ihr Gesicht verhüllen…fangt doch erst mal bei denen an! Oder investiert das Geld das ihr für solche Diskussionen verbratet lieber in die Bildung eurer Kinder.

Oder wollen die Politiker eigentlich vermeintliche Machos mit diesem Verbot treffen, indem sie deren Frauen zwingen sich ungewollt gegen ihre Kultur zu wenden. Stimmt das Vorurteil von der unterdrückten Frau eigentlich? Sollen nun die angeblich unterdrückten Frauen für politische Zwecke missbraucht werden? Ist es nicht die Pflicht einer gesunden Demokratie die Schwachen zu schützen?4427606645_765757b899_o

Gelten bei der im obigen Zitat genannten Ausnahme “gesundheitliche Gründe” wohl auch seelische Krankheiten? Was bezwecken die Politiker mit so einem Verbot? Dem gemeinen Volk nach dem Mund reden? Weshalb wohl auch die Ausnahme “einheimisches Brauchtum” (Brautschleier, Witwenschleier?) zugelassen wird.

Übrigens ist ein Blick in die Augen, die aus einem sonst verhülltem Gesicht schauen, eine beinahe erotische Erfahrung. In den Augen dieser Frauen finden sich oft Tiefe, Wärme und Charakterstärke. Ich für meinen Teil schaue lieber in ein Paar ausdrucksvoller Augen, als auf die künstlich aufgepumpte, halbentblösste Oberweite so mancher hohlköpfigen Frau. Gelten innere Werte heute nur noch so wenig.

Links zu den Photos:
http://www.flickr.com/photos/stephan-strange/3592944036/
http://www.flickr.com/photos/mrjakie/3094423921/
http://www.flickr.com/photos/44817862@N07/4427606645/

Andere Links:  topelement
Frankreich verbietet Niqab und Burka (aber nicht das gleichzeitige Tragen von Tschador, Sonnenbrille und Mundschutz?)

Sonntag, 12. September 2010

Hitlers Edeljude – Brigitte Hamann

Pasteurisiert mit 4.5 von 5 Sternen. Ein irritierendes Stück Geschichte.

Dr. Eduard Bloch, ein Anfang des 20. Jahrhunderts in Linz praktizierender jüdischer Arzt, diagnostizierte bei Hitlers Mutter Krebs. Als Armenarzt pflegte er Hitlers Mutter bis zu ihrem Tode und lernte dabei Adolf und seine Geschwister kennen. In seiner Erinnerung ist A. Hitler ein braver, wohlerzogener Junge, der seine Mutter liebevoll umsorgt. Nach Klara Hitlers Tod hatte Dr. Bloch keinen weiteren Kontakt mehr mit A. Hitler - jedoch nach Einzug der Deutschen in Österreich (1938) mit dessen Schergen. Überraschenderweise erinnert sich Hitler an den alten Hausarzt, wohlwissend, dass Dr. Bloch ein Jude ist, gibt er den Linzer Schergen Anweisungen, ihn in Ruhe zu lassen (was nicht heisst, dass die Blochs ein leichtes Leben gehabt hätten). 1940 schaffen die mittlerweile alten Blochs die entbehrungsreiche und abenteuerliche Flucht in die USA.

EdeljudeBrigitte Hamann beschreibt in diesem Buch die Lebensgeschichte Dr. Blochs und seiner Familie und die damals herrschenden politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse, wie z.B. den österreichischen Faschismus unter Dollfuss, die Wirtschaftskrise nach dem 1. Weltkrieg, die Österreich stark beutelte. Sie erzählt vom aufkommenden illegalen Nationalsozialismus, Hitlers von vielen Österreichern bejubelten Einmarsch und dem immer schlimmer werdenden Rassenhass in Österreich, schon Jahre vor Hitler. Kann es sein, dass Österreich etwa 18% der Bevölkerung des Dritten Reichs gestellt hat, aber etwa 40% des Personals der Vernichtungslager?

Dr. Bloch hat, obwohl Augenzeuge vieler nazistischer, unmenschlicher Grausamkeiten, nie verleugnet, dass Hitler in seiner Jugend noch keine Anzeichen des späteren Psychopathen gezeigt hat. Das ist mir ehrlich gesagt ganz schön aufgestossen und hat teilweise die Lust am Lesen verdorben. Wie kann jemand, der sein halbes Leben stark unter den Repressalien seines Umfeldes litt, auf diese Chance auf Genugtuung verzichten? Zeigen sich auch hier wieder die hohen moralischen Werte des wahrheitsliebenden Dr. Blochs? Oder hilft uns dieses Festhalten an seiner Erinnerung beim Verständnis, dass man tatsächlich Psychopathen kaum vorzeitig erkennen kann? Egal wie, Dr. Bloch muss hohe moralische Werte besessen haben und war in seinem Werken und Tun ein bewundernswerter Mensch.

Im vorletzten Abschnitt des Buches “Bloch und die Psychohistorie” hat Brigitte Hamann noch einen echten Knaller parat.

Bei diesem Buch habe ich viel gelernt, da mir der Austrofaschismus, Hitlers Einmarsch und die ständige Judenverfolgung dort völlig unbekannt waren. Ich habe Szenen aus dem Leben eines interessanten Linzer Armenarztes kennenlernen dürfen und einige neue Ideen mitgenommen. 
Einen halben Punkt Abzug gebe ich dem Buch, weil mir an manchen Stellen üble Gefühle aufkamen, was die politische Intention der Autorin betrifft. Vermutlich hat es sich dabei lediglich um schwache Formulierungen gehandelt, da ich B. Hamann nichts unterstellen will und mir klar ist, dass Dr. Blochs “Loyalität gegenüber dem Kinde Hitler” zu Fehlinterpretationen geradezu einlädt (siehe auch Binion). Wer sich auf solch ein Thema einlässt, wird automatisch ins Schussfeld geraten.

Links:
Das Buch und weitere Rezensionen bei Amazon
Wikipedia Eintrag zu Dr. Bloch
Die Autorin bei Wikipedia
Projekte zur Aufarbeitung des Nationalsozialismus in Linz
Wikpedia zum austrofaschistischen Diktator Dollfuss

Samstag, 11. September 2010

The House of the Rising Sun

Heute ist mein ganz spezieller Musiktag. Schon seit Stunden höre ich “The House of the Rising Sun” in den verschiedensten Interpretationen und Variationen. In Summe umfasst meine Sammlung 48 Stücke. Angefangen mit Joan Baez (1960) und bis zu Sharon Isbin (2009) mit seiner Joan Baez Suite, wo sich der Kreis dann schliesst, falle ich heute der ganzen Familie auf den Wecker ;-)

Artist

Jahr

Joan Baez

1960

Charlie Byrd

1965

Marianne Faithfull

1965

The Beatles

1969

Electric Food

1970

Flower Travellin' Band

1970

Alan Price

1980

James Last

1981

Demis Roussos

1982

Dolly Parton

1984

Cowboy Group

1989

The Animals

1990

Anthony Ventura

1991

Nina Simone

1991

House Of Pain

1992

Riverdogs

1992

Frijid Pink

1993

Santa Esmeralda

1993

Sinead O'Connor

1994

Grant Green

1995

Kaare Norge

1997

Bachman Turner Overdrive (BTO)

2000

Evereve

2000

Jerry Garcia & David Grisman

2000

Bob Dylan

2001

Miriam Makeba

2002

TOTO

2002

Agnaldo Timoteo

2003

Bob Walsh

2003

Geordie

2003

Helmut Lotti

2003

Sarah Brooks

2003

Viva La Tristeza

2003

Rockapella

2004

Leslie West

2005

Marie Laforet

2005

Montana Skies

2005

Almanac Singers

2006

Declan Galbraith

2006

Irek Dudek

2006

Shawn Mullins

2006

John Scofield

2007

Tim O' Brien

2007

Russell Watson

2008

The Beloved

2008

Peter Thomas Sound Orchestra

2009

Sentenced

2009

Sharon Isbin

2009

Samstag, 4. September 2010

Zaster und Desaster – René Zeyer

Pasteurisiert mit 5 von 5 Sternen. Die Rache des kleinen Mannes an habgierigen Bankstern.

Ich lach’ mich schlapp. Da kriegen die Bankster endlich ‘mal ihr Fett weg. Was sind das bloss für Typen? Zaster DesasterSitzen die aber nur in Banken? Ich habe ähnliche Charaktere auch schon in der Industrie gefunden… jedoch eigentlich immer in nicht-technischen Abteilungen. An Zeyers Beobachtungen scheint also was ‘dran zu sein.

In kurzen, anekdotenhaften Geschichtchen verfolgt René Zeyer eine Handvoll Private Banker -  also diejenigen, die mit dem Geld der Anleger ‘rumzocken. Die Gedankengänge dieser Banker, deren und ihrer Mitverbrecher Handlungen, sind sehr aufschlussreich. Von makaber, über ironisch , bis satirisch und absurd – ein gewaltiger Spass… oder, kommt doch manchmal auch etwas Mitleid bei mir auf?

Spontan ist mir bei dem Buch aber noch was eingefallen. Heute wird im Berufsleben sehr viel Wert auf Netzwerke gelegt. Da kann das Fachwissen auch schon mal gering sein… die Hauptsache man hat Kontakte. Dort, wo noch richtig gearbeitet wird, ist das sicherlich weniger ausgeprägt. Im Verkauf und in der Beratung sind Netzwerke gefragt – obwohl sich der Kunde in der Regel total genervt fühlt von diesen Leuten. Der Kunde, der die Bauchpinselei mag und gute Kontakte mit solchen Blutsaugern pflegt, der hat entweder zufällig einen kompetenten Berater erwischt oder befindet sich auf ähnlichem Niveau, wie ein Bankster.

Verachtung oder Mitleid? Ich gehe all diesen Typen lieber aus dem Weg.

Das Buch? Sehr empfehlenswert!

Links:
Das Buch bei Orell Füssli
Die 6 Milliarden Stütze zur Rettung der UBS in 2008 bei DRS
Chronologie des Streits der UBS mit den US Steuerbehörden

Donnerstag, 2. September 2010

Schuld – Ferdinand von Schirach

...vorgelesen von Burghart Klaussner.

Pasteurisiert mit 5 von 5 Sternen. Hart aber absolut hörenswert!


schuldNachdem ich schon das Hörbuch “Verbrechen” vom gleichen Autor mit einer Spitzennote bewertet hatte, konnte ich das Erscheinen des zweiten Hörbuchs von F. von Schirach, wieder mit der Stimme von B. Klaussner, kaum noch erwarten… und dann war’s endlich da.
Uff, dat’s man barschen Tobak! Wieder erzählt Schirach in seinem gewohnten, sachlich beschreibendem Stil, die schlimmsten Verbrechen, die sich Menschen so gegenseitig antun. Nicht immer ohne Humor und meistens mit Pointe.
Auch wird der Schuldige nicht immer bestraft und manchmal bestraft er sich auch selbst. Mir hat die Geschichte der beiden Pillendealer am Besten gefallen. Die kurze Story zum Abschluss hat das Buch dann wunderbar abgerundet.
Eine gelungene Kurzgeschichtensammlung. Ich hoffe, dass Ferdinand noch mehr Stories in petto hat. Dabei ein kleiner Tip: Daniel Kehlmann hat auch gerade eine Sammlung von Short Stories veröffentlicht (Unter der Sonne). Zwar nicht ganz vergleichbar mit Schirach, jedoch ähnlich fesselnd.
Links
Das Buch bei Amazon und das Hörbuch bei Audible
Link zur eigenen Rezension des Hörbuches “Verbrechen” von F. von Schirach und zum Buch “Unter der Sonne” von D. Kehlmann