Freitag, 29. Oktober 2010

Der Nazi und der Friseur - Edgar Hilsenrath

…vorgelesen von Bodo Primus, der für dieses Hörbuch 2006 mit dem Deutschen Hörbuchpreis für “Beste Unterhaltung” ausgezeichnet wurde.

Pasteurisiert mit 5 von 5 Sternen. Ein Massenmörder erhält am Ende… ganz am Ende… seine gerechte Strafe.


411MBHX829L._SS500_Bodo Primus macht eine phantastisch gute Lesung. Ich hatte den Massenmörder Max Schulz förmlich vor Augen. Massenmörder? Nach eigenen Angaben hat er etwa 10’000 Menschen, wohl hauptsächlich Juden, im KZ Laubwalde ermordet. Vielleicht etwas mehr, vielleicht auch etwas weniger. Er habe sie nicht gezählt. Aber alle 6 Millionen Juden habe er nicht ermordet.

Max Schulz, der Protagonist des Hörbuchs, wächst als Sohn einer Hure und vieler Väter in einem armseligen und gewalttätigen Milieu auf. Und so folgt er dann dem Ruf der Nazis und wird Scherge von Hitlers Regime. Als Unteroffizier der SS fährt er zu Abschlachteinsätzen nach Osteuropa. Von dort wird er in das KZ Laubwalde versetzt, wo er bis zur Befreiung des KZ’s durch die Russen aushält. Auf der Flucht wird der Transport von polnischen Partisanen angegriffen. Max und der KZ Kommandant sind die einzigen Überlebenden, die jedoch getrennte Wege gehen.

Max überlebt den Krieg und wird als Massenmörder gesucht. Er übernimmt die Identität seines ehemaligen jüdischen Freundes Itzig Finkelstein, mit dem er seine gesamte Kindheit und Jugend verbracht hat und den er im KZ eigenhändig getötet hat, genauso wie dessen Vater, seinen ehemaligen Wohltäter und Frisörlehrmeister. Max’s Verwandlung geht so weit, dass er nahezu vollständig zum Juden wird und am Ende sogar nach Israel auswandert, dort für den neuen Staat kämpft und ein bürgerliches Leben aufbaut.
Wo ist die Rache? Wieso kann es ihm gelingen unentdeckt zu bleiben? Das darf doch nicht sein! Auf wessen Seite steht der Autor Hilsenrath eigentlich? Soll dies etwa ein Pro-Nazi Buch sein?

Angetrieben von Ekel über den Psychopathen Schulz, motiviert endlich den Max baumeln zu sehen, angewidert von der kalten, gefühlslosen Ich-Erzählung des Massenmörders, konnte ich einfach den Pause-Knopf meines Players nicht betätigen. Wann hört der Wahnsinn endlich auf, wann trifft ihn die Kugel, warum lebt er immer noch… und das Hörbuch ist noch nicht einmal halb ‘rum.
Ein aufwühlendes Buch, mit einem unerwartetem Ende. Edgar Hilsenrath kriegt am Ende die Kurve… aber wie! Dies ist wohl ein sehr kontroverses Buch/Hörbuch… und eines der besten, das ich in den letzten Jahren gehört habe. Jede Menge Sprengstoff, viel zum Nachdenken. Ein Buch, das mich lange Zeit nicht loslassen wird.

Und der Sprecher Bodo Primus, der diesem Wunderwerk Leben eingehaucht hat? Man hätte sich keinen besseren Sprecher wünschen können!
Links
Das Buch bei Wikipedia und bei Amazon
Das Hörbuch bei Amazon
Der Autor bei Wiki
Der Sprecher bei Wiki

Sonntag, 24. Oktober 2010

Schwarmintelligenz – Len Fisher

Pasteurisiert mit 3.5 von 5 Sternen. Eine Handvoll Tipps, um nicht im Chaos unterzugehen.

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Tja, zu Beginn des Buches habe ich mich noch über die interessanten Beschreibungen und Erläuterung aus der Tierwelt (Ameisen, Bienen, Fische) gefreut. Die Übertragung auf Menschenschwärme, sich selbst organisierende Menschenmengen oder geführte Gruppen etc. haben meine Phantasie angeregt. Es entstanden Bilder in meinem Kopf für weitere Beispiele. In der Firma habe ich versucht Muster zu erkennen, die eigentlich alle Len’s Beschreibungen entsprachen. Ja, ich habe sogar in Gedanken schon die Geschäftsführung entlassen, weil sie offensichtlich nicht auf dem neuesten Stand der Komplexitätsforschung ist. Je weiter das Buch sich zum Ende neigte, desto mehr habe ich nach einem Resümee, einer Schlussfolgerung oder einem Fazit gegiert.

…und dann hat Len mich in Stich gelassen. Die schönen Aufzählungen am Ende des Buches wiederholen nur die speziellen Erkenntnisse der vorherigen Kapitel. Weder verallgemeinern sie, noch wird das Ergebnis grösser als die Summe der Einzelteile. Schade. Über die verpasste Chance war ich etwas enttäuscht… was heisst hier etwas? Etwas sind 1.5 Sterne Abzug. Den Quellennachweis (der 79-seitige Anhang beginnt bei Seite 268) habe ich nicht mehr gelesen.

Links:
Das Buch bei Amazon
Len Fishers Homepage

Freitag, 22. Oktober 2010

Sommerlügen – Bernhard Schlink

Vorgelesen von Hans Korte.

Pasteurisiert mit 5 von 5 Sternen. Geschichten über Midlife- und Endlife-Crisis.41XSX39WE9L._SS500_

Die ersten Minuten des Zuhörens sind etwas ungewöhnlich. Der Sprecher nuschelt den Text mit seiner Altherrenstimme. Tatsächlich habe ich mich jedoch nicht nur an Hans Kortes Stimme gewöhnt, sondern empfinde durch sie die Protagonisten in Bernhard Schlinks Buch als authentisch. Somit ist Hans Kortes Stimme unmittelbar mit den Geschichten verbunden. Es dürfte gar nicht anders sein. Sonst suche ich nach dem Hören von guten Büchern eher nach weiteren Büchern desselben Autors. Nun suche ich auch nach Hörbüchern desselben Sprechers.

Das Buch ist voll mit Geschichten über Liebe, “Zweitliebe”, “Parallellieb”, erneute Liebe, erste grosse Liebe und letzte Liebe und erzählt von Männern in der Midlife-Crises, kurz vorm Exitus und am Ende ist sogar eine Frau die Protagonistin einer Erzählung. Sommerlügen ist ein Buch in dem die Protagonisten ihre Lebenslügen entdecken, entwickeln oder interessante Einsichten erhalten. Viele oder sogar alle Geschichten regen zum Sinnieren an. Oft habe ich die Pausetaste gedrückt und mir etwas “Verdauungszeit” genommen. Ich habe das Buch während meiner Überlandfahrten gehört und mehr als einmal sind mir vor Rührung fast die Tränen gekommen. Ein sehr berührendes Hörbuch, das ich gerne und mit Begeisterung weiterempfehlen möchte. Ich schätze, dass das Hörbuch einen Mehrwert gegenüber dem Buch hat, da Hans Kortes unbedingt dazu passt.

Links:
Das Hörbuch bei Audible
Das Buch bei Amazon
Der Autor und der Sprecher bei Wiki

Sonntag, 17. Oktober 2010

Die Päpste – Hans-Christian Huf

Pasteurisiert mit 4 von 5 Sternen. Fürstliche Päpste von 1056 – 1590.

Dieses Buch erzählt die historischen Eskapaden weit üblerer Päpste, als wir sie heute noch kennen. Ja, es ist immer eine Steigerung möglich.

Gregor VII., Bonifaz VIII., Sixtus IV., Alexander VI. Borgia, Julius II. Cäsar, Leo X. Medici, Clemens VII. Medici, Paul III.

51-rCnLAWiL._SS500_Alle waren sie dem Weltlichen sehr zugetan, Luxus, Frauen – oder auch mal Knaben, Fressgelage, Pomp und Verschwendung, Ämterkauf, Vetternwirtschaft und Macht, Macht, Macht. Sie schreckten nicht vor Krieg und Mord zurück. Ihren christlichen Aufgaben sind sie, soweit man diesem Buch entnehmen darf, in keinster Weise nachgekommen. Eigentlich haben sie nur das pervertiert, für das die katholische Kirche auch heute noch steht. Deshalb schämt sich die Kirche auch nicht für sie.

Interessant sind die Überlegungen, warum die katholische Kirche das rechtzeitige Eingreifen gegen die Reformation Luthers verpasste, und warum sie letztendlich ihren Weltmachtanspruch einschränken musste. Dass der Vatikan heute als Autorität und oberster Repräsentant des Christentums respektiert wird, kann ich bei weitem nicht nachvollziehen, denn auch heute noch ist speziell die katholische Kirche eher (Bürger-)Kriegstreiber, Elendschaffer und moralisch unter dem Niveau der Durchschnittsbürger. Das damit zu entschuldigen, dass als Gegenpol zu staatlicher Macht Andersartigkeit notwendig sei, finde ich etwas blass. Und so hintertreibt die Kirche heute alle Bemühungen der Staaten Frieden unter den Menschen zu erreichen (Verdammung von Verhütung, Abtreibung oder Homosexualität, Kreuzzüge gegen den Islam, um nur einige Themen zu nennen).

Links:
das Buch bei Amazon
Bildquellen Wikipedia, siehe Links oben

Das Gruselkabinett:

Gregor VII. Bonifaz VIII. Sixtus IV. Alexander VI.

       
Julius II. Leo X. Clemens VII. Paul III.

Geschichtsbücher im Überblick

Seit mehreren Jahren interessiere ich mich nun schon für Geschichte. Angefangen hat es mit dem Buch “Um alles in der Welt” von Christopher Lloyd. in diesem herausragendem Buch wird die weltgeschichtlichen Entwicklung in den Kontext "der Menschen Kampf gegen die Natur” gebracht. Seit diesem Buch bohre ich mal in dieses, mal in jenes Thema… und decke so langsam einen geschichtlichen Zeitstrahl ab.

Mit Übersichtswerken, wie Tamim Ansary’s “Die unbekannte Mitte der Welt”, der die Weltgeschichte aus der Sicht des Islam beschreibt, bis hin zu Detailfeldern, wie z.B. De Padova’s “Das Weltgeheimnis” oder Simon Singh’s “Fermats letzter Satz” tauche ich immer tiefer in die Welt der Geschichte ein.

Eine erste Visualisierung der verschiedenen Bücher zu geschichtlichen Themen habe ich im Timeglider abgebildet.
Zwischen meinen Büchern verstreut habe ich wichtige Meilensteine der europäischen Geschichte gestreut, die m.E. zur heutigen Entwicklung Europas entscheidend beigetragen haben.

Nunja, die Sache wird hoffentlich weiterwachsen. Link zu “Mit Büchern durch die Geschichte”

 

Montag, 11. Oktober 2010

Cäsars Druide – Claude Cueni

Pasteurisiert mit 4 von 5 Sternen. Die Geschichte vom Gallischen Krieg aus der Sicht eines keltischen Druiden…und wieder sind die Schwaben an allem Schuld.

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Die Geschichte vom Auszug der Helvetier, die, von den Schwaben bedroht, versuchen an die Atlantikküste zu kommen, war mir bis dato nicht bekannt… und das, obwohl ich das kleine Latinum habe und an der Schule mit Cäsars “De Bello Gallico” getriezt wurde. Was vom Lateinunterricht hängen blieb war lediglich “Gallia est omnis divisa in partes tres”… den Rest weiss ich schon nicht mehr… sozusagen “ego mihi latini finitus sum”
Was von Cäsars Druide hängen bleibt, wird sich zeigen… vermutlich aber weniger.

Die Geschichte des keltischen Beinahe-Druiden Korisios ist nett erzählt. Mir scheint das historische Umfeld gut recherchiert. Da ich mit Asterix-Heften aufgewachsen bin, üben historische Romane aus dieser Epoche immer wieder eine gewisse Anziehungskraft auf mich aus.

alesiaInteressant waren speziell die Schlacht bei Bibracte (Mt. Beuvray) und Vercingetorix’s (kennen wir ja aus Asterix, s. links) Schlacht um Alesia (Alise Sainte Reine), bei der Cäsar mit einer ganz speziellen Belagerungstechnik den Sieg errang.

 
Tja, ansonsten bietet das Buch jede Menge Sex & Drugs & Rock’n’Roll.
Ein leichtes Lesevergnügen, so für nebenbei zur Entspannung, mit bildungstechnischem Hintergrund.

Links:
Das Buch bei Amazon
Steckbrief von Claude Cueni im “Das Magazin”
Der Autor bei Wiki
Cäsar und die Helvetier bei Wikipedia
Über die Schlacht bei Bibracte in Wiki
…und ein wenig Latein (mit tollem Kartenmaterial, unbedingt schauen!)
Eine gute Übersichtskarte ist unter diesem Link zu finden

Sonntag, 10. Oktober 2010

iPod Touch – Vergleich 3G (8GB) mit 4G (32GB)

Seit Jahren verwende ich schon PocketPC’s, PDA’s, Handhelds und später auch Smartphone etc.
In diesen kleinen elektronischen Helfern konnte ich mein Telefonbuch, handschriftliche und Sprach-Notizen, Fotos, Hörbücher und eBooks ablegen und damit immer griffbereit dabei haben. Die letzten Versionen waren dann mit GPS, Kamera und SIM-Karte ausgestattet, konnten per Bluetooth und WLAN kommunizieren… und wurden immer kleiner, leichter und funktionstüchtiger. Leider musste ich bei diesen Windows-Geräten immer wieder STUNDEN damit verbringen diverse Software irgendwie zum Laufen zu bringen. Puh, war das alles mühselig.

Die Entscheidung für einen iPod touch fing damit an, dass ich einen neuen mp3-Player benötigte. Bei den Handhelds muss man sich zum Abspielen der Musik durch viele Menüs, lange Startzeiten und Bluetooth-Kopplung quälen (Stand etwa 2008). Dass der iPod touch auch noch PDA-Funktionen zu bieten hat, ist mir erst nach dem Kauf bewusst geworden. Mit den iPod touch’s kann man zwar nicht telefonieren, dafür funktioniert jedoch alles, auf Anhieb, störungsfrei und völlig unproblematisch! Schon nach den ersten 10 Minuten hat mich der Touch 3G überzeugen können. Mit dem neuen Touch 4G habe ich jetzt auch schon einige Tage Erfahrungen sammeln können. Einen kleinen tabellarischen Vergleich möchte ich hier im Folgenden aufführen.

 

iPod touch 3G (8GB)

iPod touch 4G (32GB)

Installation anschliessen an Notebook, iTunes öffnet automatisch, die Synchronisation kann definiert werden, alles funktioniert sofort tja, mein Notebook läuft mit Windows 7. Nach dem Anschliessen des 4G passierte zuerst nichts. Nach langem Hin-und-her habe ich den iPod-Treiber de- und wieder re-installiert. Danach ging es.

Bildschirm

gut lesbar, jedoch ermüdend für die Augen

Retina-Display! Jedoch immer noch ermüdend. Wäre für mich kein Kaufgrund

Arbeitsgeschwindigkeit

flottes Tempo, kaum Wartezeit beim Start von apps

gefühltes “gleich schnell”
Multitasking leider bei der 8GB Version nicht möglich, trotz iOS4.1 multitasking ist nun möglich, aber wegen der schnellen app-Starts nicht nötig
WLAN unproblematisch mit WPA2-PSK ebenfalls unproblematisch
Bluetooth vor dem iOS4.1 konnte man am BT-Kopfhörer (Philips SHB6110/10) nicht zum vorherigen oder nächsten Track umschalten. Mit iOS4.1 ging’s dann. Wenn man den 3G in die Hand genommen hat war die BT-Verbindung unterbrochen. alles geht! keine Unterbrechung der BT-Kommunikation mehr
Mikrofon kein Mikrofon schön, jetzt gibt’s ein Mikro für Sprachnotizen, Videoton und Schallmess-App (Bild unten)Foto 7
Kamera keine KameraFoto 9 Front-Kamera für Videogespräch über FaceTime (brauche ich nicht) und Hauptkamera für HD-Videoaufnahmen und Fotos mit 800x600 Auflösung (= 0.5 MP)… na da hat Apple aber gespart!
Mit der App AutoStitch (Bild links) lassen sich sogar recht vernünftige Fotos erzeugen.
Adressen Aus Google Mail importierbar ebenfalls möglich
Skype Text-Chatfunktion funktioniert im WLAN Text-Chat- und Telefonat, jedoch ohne Video, funktionieren im WLAN
Ebooks Mit Stanza lassen sich ebooks sehr komfortabel lesen. PDF-Bücher kann man mit Calibre ins epub-Format konvertieren und in iTunes unter app-Sync die Dateien zum Übertragen auswählen. ebenfalls, jedoch hakt das Umblättern etwas.Foto 2
Hörbücher Audible-Dateien und mp3-Dateien (vorher in iTunes als Hörbuch definieren) lassen sich unproblematisch abspielen. Die letztgehörte Position wird automatisch wieder angefahren. ebenfalls möglich
Nachrichten Nachrichtenfeeds, die ich mit dem Google Reader abgreife, werden in die App Byline geladen. Von dort kann ich sie zum detaillierten Lesen auf “Read it later” oder “Instapaper” weiterleiten. ebenfalls alles möglich. Instapaper verwende ich nur für den NZZ-feed, der im Textmodus bei ReadItLater nicht dargestellt wird. Byline in Verbindung mit ReadItLater ist beinahe ein Muss!
Podcasts Tagesschau, Heute oder Sendungen, wie z.B. Quarks&Co, schaue ich mir ab und zu mit Podcaster an ebenfalls möglich
Kalender Per CalenderGoo kann ich mehrere Projektkalender verwalten dito
Aktionslisten Mit der Toodledo App sortieren sich die Aufgaben nach Wichtigkeit (=Priorität plus Dringlichkeit) automatisch. dito. Tolle App!
Notizen Die Micky Mouse Tastatur (Bild unten) ist für meine dicken Finger echt nix. Mit UYH Gold (Bild rechts) notiere ich alles handschriftlich.Foto 3 dito. Auf UYH will ich nicht mehr verzichten!



Foto 4
Sprachnotizen Geht nicht, da kein Mikrofon vorhanden.

Foto 5
Ja, klappt gut mit Evernote (Bild links) oder mit ClearRecord (Bild unten)Foto 1
Taschenrechner Die Standard App ist nicht schlecht. Ich ziehe jedoch einen UPN-Rechner vor, z.B. m48 oder Active RPN (Bild rechts) der m48 funzt leider nicht  mehr... und der Active RPN hat nur 4 Stack-Positionen.
Foto 6
eTickets Die SBB-Fahrplan App (Bild rechts) bietet den Einsatz von eTickets an. Ich traue mich jedoch aus Angst ein Schwarzfahrer zu werden noch nicht diesen Service anzuwenden. noch nicht getestetFoto 8
GPS Die Positionsermittlung aus der Lage des WLAN Access Points ist überraschend genau. dito. Ich frage mich, ob eine BT-GPS Mouse angeschlossen werden könnte?

Samstag, 2. Oktober 2010

Hexenplatz und Mörderstein – Wilfried Meichtry

Pasteurisiert mit 4.5 von 5 Sternen. Anekdoten aus dem hexenplatz_und_moerdersteinOberwallis.

Die schweizerische Literatur bietet immer wieder mal kleine Perlen. Meichty’s Rundgang durch den Pfynwald, in neun Geschichten, ist eine solche. Ob nun die Geschichte über das Monster vom Pfynwald, den Widerstand gegen Napoleons Armee oder einfach Grossmutters kurze Reise nach Thun, alle Geschichten erzählen humor- und liebevoll Anekdoten aus dem idyllischen Rhone-Tal zwischen Salgesch und Leuk.

Eine schöne, leichte Lektüre.

Links
Das Buch bei Thalia
Pfynwald bei Wiki

Stuttgart 21 oder was ist Demokratie?

Eigentlich interessiert mich das Geschehen in Stuttgart nicht besonders. Manchmal überfliege ich die Kopfzeilen von Nachrichten über die Demos. Das eine oder andere Bild bleibt im Kopf. Hintergründe und Meinungen kenne ich nicht. Darf ich trotzdem eine Meinung haben?

Die Pläne von Stuttgart 21 sind doch nicht neu, oder? Solche Projekte werden lange Zeit diskutiert. Nach Budgetierung und Freigaben von wem auch immer, werden Ausschreibungen gemacht, Verträge verhandelt etc..Jahre vergehen. Die Planung kommt in Gang und verfeinert sich täglich. Mit Sicherheit gab es viele Einspruchmöglichkeiten in Vorfeld, bevor die Freigaben erteilt wurden.

Nun ändern sich jedoch die Voraussetzungen, die zu den Freigaben geführt haben, das heisst, das Projekt wird teurer. Widerstand regt sich – warum? Aus Neid, Geiz. Wer hetzt auf? Was sind die Motive? Das Grundgesetz lässt es zu, dass Leute ihren Widerspruch in vielfältiger Form kundtun. Ein Mittel ist die Demonstration. Die Demonstration ist weder sachlich, noch eine Methode des Dialogs und widerspiegelt zudem lediglich die Meinung einer Gruppe. Zu jeder Demonstration gehört m.E. ein anschliessender Dialog. Besetzungen, Blockaden, Sachbeschädigungen und Körperverletzungen sind mit Sicherheit keine demokratischen Elemente. Ein Staat kann und darf solche zerstörerischen Tendenzen keinesfalls dulden.

Ich bin der Meinung, dass Stuttgart 21 einen Mehrwert für die Bevölkerung und die Wirtschaft schafft. Die Gelder fliessen zwar auch in die Taschen der Reichen, jedoch schaffen oder sichern sie auch Arbeitsplätze, verlegen Verkehr von der Strasse auf die Schiene und erlauben bessere Verbindungen für Handel und Tourismus. Durch unterirdische Anlagen wird auf der Oberfläche Platz geschaffen. Gefällte Bäume können später wieder nachgepflanzt werden. Erhöhte Kosten bedeuten doch nur, dass sich Payback-Zeiten verlängern. Es ist ja nicht so, dass das Geld für unsinnige Sachen aus dem Fenster geschmissen wird. Die bisherigen Gelder, sollte man Stuttgart 21 wirklich stoppen, wären hingegen verschwendet. Lediglich die Planer (in der Regel Intellektuelle) hätten profitiert, die Arbeiter, also diejenigen welche tatsächlich von der Wirtschaftskrise betroffen sind, wären noch nicht zum Zuge gekommen. Wer sind die Demonstranten eigentlich? Arbeitslose etwa? Ich glaube nicht.
Durch massive Polizeiaufgebote in Stuttgart werden weitere Steuergelder verpulvert und die umliegenden Regionen müssen um ihre innere Sicherheit bangen.

Dass mittlerweile Kinder und Schüler von ihren Eltern und Lehrern instrumentalisiert werden und auf Demos an vorderste Front geschickt werden, erinnert mich an den Libanon oder Palästina, wo sich Terrorgruppenführer zum Schutz mit Kindern umgeben. Schämen sollten sich die Verantwortlichen. Die Bilder in den Zeitungen zeigen bürgerkriegsähnliche Verhältnisse. Die Presse und damit auch die Leser, die ja heute kaum noch was sensationelles erleben, geilen sich an Gewaltbildern auf. Der im Leben eher gelangweilter Mensch geht mal eben zur Demo, um ein bisschen Spannung ins Leben zu kriegen. Mangel an Emotionen in unserer Gesellschaft wird durch persönliche Highlights kompensiert, sei es das Rasen oder das Kämpfen.

Mann-o-mann, so geht die deutsche Demokratie vor die Hunde!

Freitag, 1. Oktober 2010

Die wundersamen Irrfahrten des William Lithgow

Pasteurisiert mit 5 von 5 Sternen. Eine kleines unbekanntes Juwel.

lithgowDurch Zufall habe ich dieses Hörbuch auf meinen Player geladen und eine eher niedrige Erwartungshaltung eingenommen. Wie positiv war ich aber dann überrascht, als ich eine fantastisch anmutende Geschichte über einen schottischen Schneider, der Anfang des 17. Jahrhunderts auf Reisen gegangen ist, vorgelesen bekam.

Lithgows erste Reise führte ihn über Frankreich, Venedig, Griechenland, Kreta, Türkei bis nach Jerusalem, Ägypten und zurück nach England. Hierbei trotze er mehr als einmal Piraten, Dieben, Schiffbruch, Hunger, Durst, Verwundung, Krankheit, Kälte und Hitze. Unbeirrt machte er eine weitere Reise, diesmal nach Marokko, und sogar eine dritte Reise, die allerdings für ihn böse ausging.

Beeindruckend sind seine teils positiven, teils negativen Erfahrungen mit Moslems aus verschiedenen Teilen des Orients. Auch seine Erfahrungen mit katholischen Pfaffen, die schon damals wegen Kinderschändung berüchtigt waren, sind heute immer noch aktuell. Seine Formulierungen hierzu sind nicht nur eindeutig, sondern treffend und spitz. Manchmal beschlich mit der Gedanke, ob die Reisebeschreibung überhaupt authentisch ist oder ob es sich um eine Beschreibung moderner Probleme handelt, die lediglich 400 Jahre vordatiert werden.

Lithgow selbst hat einen starken Charakter und einen pragmatischen Verstand. Seine Beharrlichkeit (oder auch Sturheit) lässt ihn für seine Mitmenschen etwas kauzig erscheinen, rettet ihm jedoch oft genug das Leben.

Das leider gekürzte Hörbuch (nur knapp 2.5 Stunden) ist ein wertvolles Fundstück in meiner Bücher/Hörbüchersammlung und ich überlege ernsthaft, mir das Buch dazu zu kaufen.

Links:
Das Hörbuch bei Amazon
Über William Lithgow bei Wiki