Freitag, 10. Dezember 2010

Die Giftköchin – Arto Paasilinna

… vorgelesen von Gisela Fritsch

Pasteurisiert mit 5 von 5 Sternen. Eine mörderische Komödie aus Finnland.

Giftköchin Die alte Witwe Linnea wird von ihrem kriminellen Pflegesohn Kauko gründlich ausgenommen… und dann trachtet dieser zusammen mit seinen Freunden auch noch nach ihrem Leben. In irrwitzigen Situationen verübt das Trio nun plumpe Mordanschläge, die nicht wirklich mit Erfolg gekrönt sind. … und ja, es gibt auch Tote!

Das relativ kurze Hörbuch ist ein richtiges Feierabendvergnügen und für jeden Krimifreund zu empfehlen. Die Sprache ist so schön sachlich und trocken. Die Art, wie Linnea die Situationen analysiert, ihre Gedanken, ihre abgeklärte Sichtweise sind ein grosses Vergnügen.

Arto PaasilinnaLinks:
Das Buch bei Amazon (Buchdeckelfoto)
Das Hörbuch auch wieder bei Amazon
Der Autor bei Wikipedia
Eine Leseprobe bei Google Bücher
Quelle des Autoren-Fotos (links)

Samstag, 4. Dezember 2010

Tauben fliegen auf – Melinda Nadj Abonji

Pasteurisiert mit 5 von 5 Sternen – Ein Dokument zur Völkerverständigung und ein Plädoyer für die Menschlichkeit.

Das Erste, was beim Lesen auffällt, ist der mir ungewohnte Schreibstil der Autorin, den ich in Diskussionen mit “Atemlos” betitelt habe und der sich durch lange Bandwurmsätze, mit einem Komma nach etwa jedem dritten bis fünften Wort, jedenfalls so gefühlt, wenn auch eher wenig verschachtelt, dafür mehr durch Aneinanderreihungen, auszeichnet und der, ich rede immer noch vom Atemlos-Stil, der ganzen Geschichte eine Dynamik verleiht, wohl auch, weil man den Satz einfach zu Ende lesen muss und das wunderbare Buch nicht zwischendurch aus der Hand legen kann.

TaubenFliegenAufBei jedem Buch, das ich lese, sehe ich eine Hauptgeschichte, nämlich die, die geschrieben ist. Daneben entsteht meine eigene Nebengeschichte im Kopf. Diese Nebengeschichte ist dann eine Mischung aus dem Buch, den aktuellen Geschehnissen in der Welt, eigenen Erfahrungen und/oder Träumen. Ich suche Bezüge, versuche aus dem Geschriebenen zu Lernen und übertrage Ideen und Erklärungen in mein Weltbild und mein Selbstverständnis – oder suche Bestätigung. Mit Melinda Nadj Abonji habe ich nun das Gefühl, meinen Horizont wieder mal etwas erweitert zu haben. Bissige Zungen würden jetzt sagen, dass dies ja nun nicht allzu schwer wäre, ha, ha.

Das Buch ist emotional sehr stark und steckt voller lebendiger Bilder aus dem Leben der Familie Kocsis, die schon in ihrer jugoslawischen Heimat zur ungarischen Minderheit gehörte und nach ihrer Emigration in die Schweiz durch harte Arbeit eine neue Existenz gründet. Meiner Meinung nach lautet das Kernthema des Buches “die Würde des Menschen”. Die Protagonistin Ildiko ist dabei, bis auf vielleicht eine Stelle, nicht politisch, auch nicht verbittert oder nachtragend, sondern spielt auf der ganzen Palette der Menschlichkeit. So pendelt die Geschichte hin und her zwischen dem Hier-und-jetzt, der Kindheit in der Vojvodina und den späteren Besuchen bei Verwandten. Als eines der stärksten Bilder habe ich Ildikos Zusammenkunft mit ihrem Freund Dalibor empfunden, bei dem sie ihm erzählt, dass ihr Cousin zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Aber ach nein, das Buch ist gespickt mit starken Bildern, die vorher genannte Szene ist nur am frischesten, da im letzten sechstel des Buches.

Die Erzählung, die anfangs eher lustig aussah entpuppte sich mehr und mehr als tiefsinnige Beobachtungsstudie. Ein sehr empfehlenswertes Buch. Ein Muss, speziell für SVP-Wähler, die ein wenig Verständnis und Menschlichkeit benötigen und hier auch erfahren können. Dieses Buch ist ein Lichtblick in dunklen Zeiten, in denen Roma abgeschoben, sarrazinische Genetik-Lügen verbreitet und Melinda NADJ ABONJIMenschenrechte durch mittelalterliche Doppel- und Pauschalbestrafungen mitten im Lande mit den Füssen getreten werden. Stilistisch einzigartig geschrieben. Danke!

Links:
Das Buch bei Amazon
Die Autorin bei Wiki (s. Bild rechts)
Deutscher Buchpreis 2010 (es lohnt sich auch der Blick auf den Wiki Eintrag)
Der Link zur Homepage des Schweizer Buchpreises ist leider defekt und so gibt es hier nur den Wiki-Eintrag

Donnerstag, 2. Dezember 2010

St. James Infirmary … wieder so ein Tag mit nur einem Song

Den 11. September 2010 hatte ich bereits zu einem “Nur-ein-Song-den-ganzen-Tag” erkoren. Die letzten zwei Tage habe ich die Dauerberieselung wiederholt. Diesmal allerdings mit 38 verschiedenen Versionen des St. James Infirmary Blues.

Dabei waren die folgenden Musiker:

Allen Toussaint, Anat Cohen, Archie Shepp, Artie Shaw, Artie Shaw, Benny Goodman, Bethany & Rufus, Bob French's Original Tuxedo Jazz Band with Leon 'kid Chocolate' Brown, Bobby Bland, Bobby 'Blue' Bland, Cab Calloway, Cassandra Wilson, Count Basie, Dr. John, Duke Ellington, James Solberg Band, Joe Cocker, Jonah Jones, Ken Colyer, King Oliver, Erich Kunzel, Lou Rawls, Louis Armstrong, Luther Kent, Nicholas Payton, Paolo Nutini & Preservation Hall Jazz Band, Pete Fountain, Snooks Eaglin, Swing Cats, The Animals, The Blue Saracens, The Doors, The Standells, The White Stripes, Tom Jones, Yim Yames & Preservation Hall Jazz Band, Zephyr, Zola Moon.

Ich hätte ja noch gerne eine Version von Tom Waits dabei gehabt. Ob es die wohl überhaupt gibt?