Montag, 10. Oktober 2011

Homer & Langley - Edgar Lawrence Doctorow

Pasteurisiert mit 5 von 5 Sternen. Zugemüllt!

HomerLangley

Manchmal stösst man beim Stöbern in Online-Bücherläden oder auch in der realen Welt (naja, wenn's denn sein muss) auf sehr absonderliche Geschichten. Das macht mich immer neugierig, denn Normales gibt's doch schon genug in der Welt. Es darf halt nur nicht gewalttätig sein, um mir zu gefallen. Bei einer Online-Buchhandlung bin ich auf das ePub "Homer & Langley" gestossen. Um das Buch auf dem iPad lesen zu können benötigte ich den Bluefire Reader, der sich irgendwie mit Adobe kurzschliesst und somit geschützte Bücher ganz legal lesbar macht.

Doctorow

Der Roman handelt von zwei Brüdern aus reicher Familie, die in einer Villa in New York leben. Homer ist blind, sein Bruder Langley ein Opfer eines Kriegsverbrechens im ersten Weltkrieg. Langley's spleenige Ideen provozieren die Nachbarschaft. Schräge Vögel scheinen eine magnetische Wirkung auf bunte Vögel und Krähen auszuüben… und so wird das Collyers Mansion Zeuge sehr merkwürdiger Geschehnisse.

Collyer 005  1947Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht Homers, dem sensiblen Bruder, der noch verhältnismässig normal ist. Da es sich um eine reale Hintergrundstory handelt, die zeitlich jedoch etwas verlagert wurde, kommt man unweigerlich auf Spoiler, wenn man nach den Collyers googelt. Der Link zum "The Bellcurve of Life" Blog führt zwar zu fantastischen Aufnahmen des Hauses, erzählt jedoch leider auch viel über den zu erwartenden Inhalt des Romans - allerdings auf Englisch.

Der Zeitbogen umspannt etwa zwei Drittel des Zwanzigsten Jahrhunderts. Die realen Gebrüder Collyer beenden ihre Geschichte 1947. Homer plaudert von den modischen Stiländerungen, etwas über die Auswirkungen des Weltgeschehens und über die Menschen dieses Zeitraumes. So erfährt man neben der Story auch etwas über New York und Amerika von Jahrhundertwende bis etwa Ende 60er Jahre.

Empfehlenswert für Leser, die nicht vor absonderlichen Menschen zurückschrecken. Gewalt gibt es in dem Buch glücklicherweise eher nicht, womit bewiesen ist, dass ein Buch auch so spannend sein kann.

Links:
Das eBuch bei Thalia bzw. das Buch bei Amazon
Über den Autor und das Buch bei Wikipedia… und über die Brüder
Zum Blog "The bell curve of life" (schöner Name!)… dort habe ich das Foto her
Ach ja, der Bluefire Reader ist hier zu finden…
und das Autorenfoto hier

Superhero - Anthony McCarten

… gesprochen von Rufus Beck.

Pasteurisiert mit 5 von 5 Sternen. Ein Junge im Kampf gegen die tödliche Krankheit.

Superhero

Motiviert von dem herausragenden Buch "Englischer Harem" habe ich das Hörbuch "Superhero" begonnen. Beide Hörbücher greifen Themen auf, die in unserer Gesellschaft kontrovers diskutiert werden… wenn nicht gar lieber ausgeblendet. Darüber wollen wir nicht wirklich mehr wissen.

Der krebskranke Donald zieht sich in seiner Krankheit in eine Fantasiewelt zurück und skizziert die Comicgeschichte des Superhelden Miracle Man. Die Familie und ein Krankenhauspsychologe versuchen an die Gedanken- und Gefühlswelt des pubertierenden Jugendlichen heranzukommen. Die Krankheit durchläuft Höhen und Tiefen. Donald und seine Familie wechseln zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Donald ist ein ganz normaler Jugendlicher mit seinen Wünschen und Vorstellungen… die, naja, manchmal ins Schräge abgleiten. Aber das gehört dazu. Alle Beteiligten und Donald selbst wachsen über sich hinaus. Letztendlich ist es Donald, der sie alle heilt. Angefangen bei dem Krankenhauspsychologen bis hin zu den engsten Verwandten.

Fünf Sterne? Ist das berechtigt? Vermutlich ist es nur eine Viersterne-Geschichte… jedoch sind mir an einer Stelle so schön die Tränen gekommen, dass ich einen Extrastern obendrauf gepackt habe.

AnthonyMcCarten

Eine etwas ungewöhnliche Geschichte, verpackt in einem merkwürdigen Erzählstil. Empfehlenswert für Eltern pubertierender Kinder.
… und, ach ja, das Hörbuch ist spitzenmässig gelesen von Rufus Beck… spätestens hiermit wäre der fünfte Stern gerechtfertigt.

Links:
Das Buch bei Amazon
Das Hörbuch bei Audible.de 
Der Autor unter Wikipedia
Der Link zum Autorenfoto

Samstag, 1. Oktober 2011

General Guisan - Markus Somm

Pasteurisiert mit 5 von 5 Sternen. Den Gedanken des Alpenreduits verstehen und anerkennen lernen.

GuisanBuch

General Guisan, ein hoch geachteter Militär, hat im Widerstand gegen den deutschen Faschismus seine Armee in die Berge zurückgezogen und das Tiefland und seine Bewohner mehr oder weniger in Stich gelassen. Die Strategie hat ihm viel nationale und internationale Anerkennung eingebracht. Wie kann das sein? Zuerst habe ich mich darüber lustig gemacht, war aber neugierig die Zusammenhänge zu verstehen. Markus Somm hat mich überzeugt und ich sehe die Sache heute anders.

General Guisan war in seiner Kindheit ein Aussenseiter, in der Schule unauffällig und nie im Mittelpunkt. Als Jungerwachsener hat er verschiedene Studiengänge begonnen, jedoch nie mit Diplom abgeschlossen. Am Ende hat er reich geheiratet und ist Landwirt (…und General) geworden.

Guisan

War er ein Zivilversager? Hatte er einen Minderwertigkeitskomplex? Das waren so meine Gedanken, als ich auf den ersten Seiten des Buches noch nicht die ganze Geschichte kannte. Guisan ruft zum Widerstand auf, bis zur letzten Patrone zu schiessen und dann mit gezückter Waffe bis um Tod zu kämpfen. Naja, soldatisch halt.

Die eingekreiste Schweiz (Norden: Deutschland, Westen und Osten: die besetzten Länder Österreich und Frankreich, Süden: Mussolinis Italien und Frankreich) wurde stark unter Druck gesetzt. Kohle und Öllieferungen konnten jederzeit ausgesetzt werden. Wirtschaftlich konnte die Schweiz einfach abgeschottet werden. Not und Elend wären die Folge gewesen. Eine friedliche Aufgabe wäre eine der Möglichkeiten der Schweiz gewesen. Die Moral war am Tiefpunkt angelangt. Hitler stand im Süden bereits vor der Grenze. Die Regierung war schon beinahe bereit die Grenze zu öffnen. Doch dann kam Guisan und fordert zum Widerstand auf. Für das Militär war eine Überwachung und Sicherung der Grenzen mit vergleichsweise wenigen Soldaten gegen eine konzentrierte Übermacht nicht umsetzbar. Die Truppen wären aufgerieben worden. Nicht jedoch im Reduit. Schwer einnehmbar hätten feindliche Einheiten einen schweren Stand gehabt.

Voila Capture7

Die neutrale Schweiz belieferte die Alliierten und Deutschland mit Waffen. Der Transportweg Nord-Süd war für Hitlers Logistik äusserst interessant. Selbst wenn ein Alpenreduit eingenommen worden wäre, Fabriken, Tunnel, Brücken wären dem Feind nicht überlassen worden. Guisans Plan war die Abschreckung… und er hatte wenigstens ein Patt herausgeholt.

Ein interessanter Aspekt im Buch ist noch die eigenmächtige Verletzung der Neutralität durch Guisan. Wenn man diesen Abschnitt konsequent zu Ende denkt, wäre ein möglicher Schluss, dass die Schweiz am zweiten Weltkrieg und Hitlers ersten Erfolgen schuld war. Ohne die Absprachen zwischen Frankreichs Militär und Guisan wäre Hitler schon in den Ardennen geschlagen worden, womit der Krieg bereits 1940 beendet gewesen wäre… vor allem, da die Alliierten vor Hitlers Westfeldzug noch weit in der Übermacht waren.

Das Buch ist eine spannende Lektüre zur Lage der Schweiz während des 2. Weltkriegs, der politischen Kräfte in der Schweiz und dem Freiheitswillen des Volkes. Sehr empfehlenswert, wenn man den derzeitigen Rechtsdrall, das Einigeln, Rosinenpicken und die Weigerung zum EU-Beitritt verstehen will. Guisan ist eigentlich immer noch hochaktuell.

Links
Das Buch bei Amazon
Der Wiki-Eintrag zum Schweizer Reduit und zum General
Das Bild von General Guisan rechts oben

Mittwoch, 7. September 2011

Nachruf: Ronja - die beste Freundin musste gehen

Ronjas Hügel hdr

Unsere treue Bergamasker Hündin mussten wir heute begleitet von vielen Tränen und Schluchzern einschläfern lassen. Ronja hat ein Alter von etwa 15 Jahren und 3 Monaten erreicht. Das sind umgerechnet auf menschliche Verhältnisse etwa 100 Jahre. Mit Ronja ist der wohl älteste Hund unseres Dorfes verschieden.

RonjaAbholenRonja war sechs Jahre alt, als wir sie im Dezember 2002 aus dem Tierheim, in dem sie als Scheidungsopfer einer vierköpfigen Familie abgegeben wurde, bei uns zu Hause aufgenommen haben. So jung, wie sie damals war, haben wir stundenlange Wanderungen durch die umgebenden Wälder gemacht. Die längste Wanderung, mit rund 25 km Länge, war durch die Wutachschlucht vor 4 Jahren.

DieJungeRonja

Ihre Lieblingsbeschäftigungen waren grosse Äste zu zerkauen oder unermüdlich Stöcke aus dem Wasser zu holen.

ImGardasee11Mit zunehmendem Alter wurden Suchspiele (Futter auf dem Rasen verteilt oder gezielt versteckt in der Wohnung) immer wichtiger für sie. In ihrem ersten Winter bei uns hat sie es geliebt Schlitten zu jagen - sehr zum Schrecken der Kinder. Laut und wild war sie, aber die gutmütigste Hündin, die es je gab. Nie hat sie gebissen, selbst dann nicht, wenn sie selbst gebissen wurde. Entflogene Wellensittiche wurden vorsichtig mit der Nase in Richtung Käfig gestupst. Auf Ratten, die aus dem Käfig entflohen waren, wurden wir durch Bellen und Zeigen hingewiesen.

Ronja15Jahre

Als Hütehund hat sie es verstanden die Familie zusammenzuhalten. Auch Besucher wurden in die Herde getrieben und durften sie nicht verlassen.  Ronja kannte genau alle Abläufe in der Familie und hat sich beobachtend zurückgehalten, bis man ihr Aufmerksamkeit schenkte. Sie konnte genau unterscheiden, ob Hundespaziergehschuhe oder Büroschuhe angezogen wurden - im zweiten Fall blieb sie liegen, wo sie war.

Reisebereit

Wenn wir die Koffer für den Urlaub in den Flur stellten wusste sie genau was los ist. Am Reisetag war sie dann in der Wohnung nicht mehr zu halten und sass bereits als erste im Auto.

Ronja hatte bei uns ein erfülltes Leben, das sie uns mit viel Lebensfreude vergolten hat. Sie ist ein treuer, intelligenter, friedlicher und geduldiger Hund gewesen, den wir noch lange vermissen werden.

Die beste Freundin

Dienstag, 30. August 2011

Der grosse Gatsby - Francis Scott Fitzgerald

… vorgelesen von Burghart Klaussner.

Pasteurisiert mit 5 von 5 Sternen. Dekadenter Reichtum in den Zwanzigern und doch ein moralischer Lichtblick.

GatsbyWarum nicht auch einmal einen amerikanischen Klassiker lesen. Immer mal wieder hörte ich von diesem Buch. Eine Vorstellung über den Inhalt hatte ich bisher jedoch nicht. Wenn man bei Audible noch Guthaben hat, jedoch viel zu viel zu lesen unterm Stubentisch (ja, dort sammle ich stapelweise Bücher, weil die Regale voll sind), wird man experimentierfreudig… oder man gibt das Abo auf. Ich habe mich für ersteres entschieden.

FScottFitzgerald

Nach den ersten Hörminuten habe ich beinahe Ekelgefühle für das langweilige, gelangweilte Milieu entwickelt, in dem der Protagonist seine Freizeit verbringt. Geld stinkt vielleicht nicht, aber es lässt die Besitzer wohl verfaulen. Jedoch, es gibt einen Lichtblick - Gatsby. Er ist nicht wirklich besser, - nur im Vergleich zu den anderen scheint es so.

BKlaussner

Ein überraschendes Buch, das mir viel Spass bereitet hat, vielleicht gerade weil die beschriebene dekadente Gesellschaft so abstossend gefühllos und kalt ist. Komischerweise ist mir als Analogie zu Gatsby keine Person, sondern die USA als Staat an sich eingefallen. Die Partygesellschaft besteht dabei aus den Nutzniessern einer intakten Wirtschaft.

Wie auch immer, das Hörbuch ist ein sprachlicher Hörgenuss. Ich kenne natürlich jetzt nur diese eine Übersetzung, die scheint jedoch sehr gelungen. Burghart Klaussner (Solar, Schuld) ist ein exzellenter Sprecher. Die Story ist tief und gut.

Links:
Das Hörbuch bei Audible und das Buch bei Amazon
Der Wiki-Eintrag zum Buch, zum Autor und zum Sprecher
Zum Bild des Autors (rechts) und des Sprechers (links)

Samstag, 27. August 2011

Stolz und Vorurteil - Jane Austen

… vorgelesen von Eva Mattes.

Pasteurisiert mit 5 von 5 Sternen. Gesellschaftliche Regeln und Kommunikationsprobleme zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

StolzVorurteil

Wahrscheinlich bin ich der letzte in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, der "Stolz und Vorurteil" zu sich genommen hat. Meine Vorurteile gegen Frauenromane und mein Stolz, es mit klassischer Literatur zu probieren, hätten mich beinahe um einen höchst erfreulichen Hörgenuss gebracht. Die Kombination aus der teils gestelzten, jedoch präzisen Sprache der Übersetzung und dem lebendigen, authentischen Vortrag von Eva Mattes hat mir soviel Freude gebracht, wie lange kein Hörbuch mehr.

Jane Austen

Mag die Story auch etwas trivial erscheinen (Mädchen verlieben sich über ihren Stand hinaus), so ist es Jane Austen perfekt gelungen daraus eine absolut mitreissende Geschichte zu spinnen. Schon in den ersten paar Minuten skizziert Jane Austen die Charaktere der fünf Bennet Schwestern und ihrer Eltern so schnell, dass man sie umgehend vor Augen hat und ins Geschehen eintaucht. Man lernt den arroganten Darcy hassen und den schleimigen Collins verachten. Man bangt mit den jungen Mädchen mit und lacht und ärgert sich über die einfältige Mutter. Elizabeth, die intelligente und schlagfertige Protagonistin des Hörbuches, analysiert, interpretiert und kontrolliert die Handlung in sympathischer Weise. Am Ende schämt man sich sogar gemeinsam mit ihr und hofft auf wenigstens ein Happy End.

EvaMattes

Dieses Buch hat mich in jeder Hinsicht, emotionell und intellektuell, angesprochen. Ich muss jedoch gestehen, dass mir das Buch als Jugendlicher absolut nicht gefallen hätte. Die Kritiken von Lesern, die als junge Schüler mit diesem Buch gequält wurden, kann ich nur zu gut verstehen und appelliere an die Lehrer: lasst eure Schüler das Buch selbst entdecken und verderbt ihnen nicht die Freude an Literatur, vor der Zeit. Nun, mit etwas Lebenserfahrung habe ich so viele Personen in dem Buch wiedererkannt, wofür ich früher blind gewesen wäre. Mit Sicherheit werde ich noch das eine oder andere Werk von Jane Austen lesen und empfehle dieses Buch als Roman und auch das Hörbuch, gelesen von Eva Mattes, wärmstens weiter.

Links:
Bilder der Autorin (rechts oben) und der Sprecherin (links unten)
Das Hörbuch bei Audible
Wikieinträge zur Autorin Jane Austen und zur Sprecherin Eva Mattes

Sonntag, 7. August 2011

Wie man die Welt regiert - Parag Khanna

Pasteurisiert mit 5 von 5 Sternen. Selbsthilfe und Selbstorganisation der Menschen unserer Welt lassen einen hoffen, dass die Fehler der Regierungen ausgeglichen werden.

Wie man die Welt regiert

War es nicht immer schon so, dass grosse Firmen nur deshalb funktionieren, weil die Menschen sich mit gesundem Menschenverstand über bürokratische Regeln hinwegsetzen, ihre Vorgesetzten umgehen und handeln bzw. selbstständig Entscheidungen treffen?
Gemäss Parat Khanna läuft das genauso auch im grossen Stil in der Welt so ab.

Das Buch ist sehr dynamisch und mitreissend geschrieben, steckt voller interessanter Informationen und lädt regelrecht ein, den Beruf an den Nagel zu hängen und als Diplomat in die Welt zu ziehen, um etwas zu verändern. Mir kam es vor, als würde ich einem (exzellenten) Redner zuhören und nicht ein Sachbuch lesen. Parag strahlt dabei einen Optimismus und eine Zuversicht aus, die mitreissend ist. Nach meiner letzten Literatur "Wer regiert die Welt" (Ian Morris) war ich etwas bedrückt über unsere globalen Zukunftsaussichten. Hans Küng's Versuch einen Weltethos zu definieren (Anständig wirtschaften) erscheint zwar absolut notwendig, ist jedoch nur ein Teilaspekt zur Lösung der globalen Nöte. Parag Khanna gibt einen guten Überblick über die vielen Bestrebungen und Teilerfolge von nichtstaatlichen Organisationen, Konzernen, einzelnen Personen oder internationalen Organisationen (er spricht von Dotcom's, Dotgov's und Dotorg's) und gibt dabei einen guten Überblick, wo die Welt heute eigentlich steht mit all den Katastrophen, Hungersnöten, Bombenbastlern, Grenzkonflikten, Bürgerkriegen, Wasserknappheit, Klimawandel etc.

Parag Khanna

Die Zusammenarbeit obiger Gruppen ausserhalb der traditionellen zwischenstaatlichen Diplomatie nennt Parag dann Mega-Diplomatie (Zitat: "Mega Diplomatie ist der Triumph minilateraler Handlungen über eine multilaterale Erstarrung") und weiter  erkennt er die Notwendigkeit einer Mega-Diplomatie, denn (Zitat) "Wenn man nicht am Tisch sitzt, dann steht man auf der Speisekarte" - ist eine der Einsichten, die uns alle auffordern sollte uns international zu engagieren.

Ein Schlüsselabsatz war für mich die Beurteilung der ungeduldigen Generation Y (Baujahr etwa 1975-1995), die mit Smartphones und Facebook Autokraten nervös macht und die (Zitat) "…instinktiv für eine Ausweitung des internationalen Handelns, für schnellere Kommunikationsverbindungen, für mehr Einwanderung und für multiple Identitäten..." ist und sich (Zitat) "bekennt … zu postmaterialistischen Werten wie Gleichheit und Umweltschutz".

Sehr gut gefallen hat mir auch die Sichtweise zur Europäischen Union, die viel Geld in "Kohäsionsfonds" steckt, um den Lebensstandard ärmerer Regionen anzuheben und somit (Zitat) "...mittelalterliche Ungleichheit in postmoderne Solidarität verwandelt."

Und das Schöne ist: das alles passiert schon! …trotz Republikanern, Rechtspopulisten, Separatisten, Faschisten, Nationalisten, Militaristen, Fundamentalisten oder wie auch immer.

Am Ende hat dieses Buch viele Fragen beantwortet, die sich nach dem Lesen von Ian Morris' "Wer regiert die Welt" aufgetan haben, und stellt damit eine Bereicherung meiner bescheidenen Bibliothek dar.

Links:
Das Buch bei Amazon und das eBook bei Thalia
Negative Rezension in der Frankfurter Rundschau und Autorenbild
Der Wikipedia-Eintrag zum Autor
Homepage des Autors

Dienstag, 2. August 2011

Mac's Flare App mit eigenen Texturen erweitern

Die Application Flare verwende ich sehr gerne, um Fotos mit schnellen Hilfsmitteln stimmungsvoll zu gestalten. Die Hintergrundtexturen haben es mir besonders angetan. Nur würde ich gerne auf mehr Texturen zurückgreifen können bzw. eigene einbinden. Selbstverständlich geht das mit jeder anderen Bildbearbeitungssoftware, die Layer beherrscht, genauso gut. Flare ist jedoch sehr einfach in der Bedienung und da lohnt es sich schon einmal neue Texturen etc. einzubinden.

Die erforderlichen Schritte zum Einbinden weiterer Texturen sind im folgenden aufgeführt:

  • Lege eine Kopie der "Flare.app" an. Du findest die Datei im Programme-Ordner.Screenshot 06
  • Rechtsklicke auf die neue "Flare Kopie.app" und wähle "Paketinhalt zeigen"
  • UntitledÖffne unter "Contents/Ressources" die Datei "textures.plist"
  • Ergänze dort die folgenden Codezeilen vor dem letzten <dict>-Block, wobei der Filename "Test Fractal03" im Code durch den Basisdateinamen Deiner Textur ersetzt werden muss. Die "tags" habe ich hier auf "Chaos" gesetzt und den "name" auf "Fractal". Es scheint wichtig zu sein, dass der "mode" auf -1 gesetzt ist, weil möglicherweise Mode 2 das Datenbankende angibt.

Ergänzungscode:

<dict>
<key>tags</key><array> <string>chaos</string> </array>
<key>name</key> <string>Fractal</string>
<key>filename</key> <string>Test Fractal03</string>
<key>mode</key> <integer>-1</integer>
</dict>

  • Als letzten Schritt habe ich noch die drei Bilddateien, die Basisdatei "Test Fractal03.jpg" und die zwei mit den Namensergänzungen "_medium" (mittelgross) und "_thumb" (klein) in das Ressourcen-Verzeichnis gelegt.

Fertig! Nun öffne ich statt Flare.app die Flare Kopie.app und habe meine Texture griffbereit.

Freitag, 29. Juli 2011

Plakate: Fonts für SVP Initiativen

DuKommstHier

Ich habe lange gesucht, wie die Schriftart wohl heisst, die von der SVP auf ihren menschenfeindlichen Plakaten verwendet wird. Ich habe zuerst unter Arial, Sans Serif und Wingdings geschaut und danach bei Bern Bold, Heidi GR und MS Genf oder Sans Zurich gesucht. Auch unter Bauer Dense oder Landwirt Serif wurde ich eher nicht fündig...obwohl die Ähnlichkeit verblüffend ist.

 

Endlich habe ich die Schriftart bei http://new.myfonts.com/WhatTheFont/ analysieren und identifizieren lassen.

 

Sie lautet ganz einfach nur Fascho Pro Bold Condensed.

Donnerstag, 28. Juli 2011

Wer regiert die Welt - Ian Morris

Pasteurisiert mit 5 von 5 Sternen. Tausende Jahre der Menschheitsgeschichte humorvoll aufgerollt und einen hoffnungslosen Blick in die nahe Zukunft gewagt.

Wer regiert die WeltDer Autor Ian Morris definiert vier Indikatoren (Energieausbeute, Verstädterung, Kriegführung und Informationstechniken) mit denen er die zivilisatorische Entwicklung der Menschen im Westen (westlich von Indien) und im Osten (hauptsächlich China) beschreibt. Sein Vergleich beginnt sehr früh vor etwa 15'000 Jahren.

Das Buch ist grösstenteils humorvoll geschrieben, liest sich jedoch im Mittelteil etwas schleppend, weil die Geschichte um das Mittelalter herum nur das gegenseitige Bekriegen von kleinen Gruppen zu verzeichnen hat. Keine grossartigen Entwicklungen.

Ian Morris' Kulturen werden angetrieben von Gier, Angst und Faulheit.
Gebremst oder zurückgeworfen werden die Kulturen gemäss Morris durch fünf apokalyptische Reiter i.e. Hungersnöte, Epidemien, Migration, instabile politische Verhältnisse und Klimawandel. Mithilfe der Antriebsmotive und Störfaktoren erläutert Morris die kulturelle Entwicklung in Ost und West.

Das Buch selbst ist schwer, kleingedruckt und unhandlich zu lesen. Ich habe mir deshalb die pdf-Version gekauft, die Seitenränder beschnitten und auf den iPad geladen. Die Schrift ist für mich dadurch wieder bequem lesbar geworden und das Gewicht deutlich geschrumpft. Ich frage mich manchmal, was sich Verlage dabei denken, solche fantastischen Bücher in einem ungeeeigneten Buchformat zu veröffentlichen. Meines Erachtens ist die Leserschaft solcher Bücher doch eher im Alter, wo Lesebrillen schon dazu gehören, oder?

IanMorris

Das Buch beinhaltet natürlich eine Fülle interessanter Fakten, Interpretationen und Schlussfolgerungen. Als Laie kann ich lediglich sagen, dass es mir plausibel erscheint. Besonders bemerkenswert fand ich die folgenden Punkte (sinngemäss):

  • Jäger verehren die Kraft und die Jugend, Bauern verehren die Alten, da diese Grund und Bodenvererben. Meine Interpretation: Der ewige Kampf zwischen Sesshaften und Nomaden ist bis heute erhalten, wenn vielleicht auch versteckt als Kampf zwischen Linken und Rechten.
  • Die Akteure der Geschichte haben kaum Bedeutung für die Entwicklung der Menschheit, da sie meist nur lokal bestenfalls regional agiert haben. Heutige Akteure können jedoch globale Auswirkungen verursachen. Deshalb sind die Anforderungen an heutige Regierungen viel höher.
  • Die Entwicklungen von Ost und West sind ähnlich, verlaufen manchmal parallel, parallel versetzt oder überkreuzen sich hier und da... und bis auf sehr wenige Ausnahmen immer aufwärts strebend.
  • Die Menschen sind gleich. Unterschiede in Kapazität oder Intelligenz sind geschichtlich widerlegt.
  • Zivilisatorische Kerngebiete zerfielen durch Attacken der "apokalyptischen Reiter". Rückständigen Randgebieten verhalf dies zur Weiterentwicklung, ggf. Machtübernahme und Ausbildung neuer Kerngebiete.
  • Zitat aus dem Buch: Jede Zeit bekommt die Denkart, die sie braucht, entsprechend den Problemen, die die geographischen Bedingungen und die gesellschaftliche Entwicklung ihr aufzwingen.
  • Zitat aus dem Buch: Modernes Denken wird eher geschult, wenn wir Bücher lesen, als wenn wir Geschichten erzählen, und offenbar fördern Computerspiele (sehr zum Entsetzen mancher Pädagogen) das moderne Denken noch stärker.

Am Ende des Buches gibt uns Morris zwei Szenarien für die Weiterentwicklung der Menschheit:

  • Entweder der Mensch denkt und handelt global, treibt die Entwicklung der vier genannten Indikatoren voran, so dass alle Menschen der immer enger zusammenrückenden Welt daran teilnehmen, und erreicht den Status eines Homo Sapiens Optimus
  • oder die Menschheit vernichtet sich selbst durch Konflikte, die aus regionalem Denken entstehen.

Wer gewinnt? Die apokalyptischen Reiter oder die Triebkräfte der zivilisatorischen Entwicklung?Gemäss Morris haben wir noch 50, bestenfalls 100 Jahre bis zum Punkt ohne Umkehr.

Empfehlenswert ist das Buch für alle Leser, die sich für Weltgeschichte, langfristige Zusammenhänge und den "roten Faden" interessieren. Damit rangiert "Wer regiert die Welt" derzeit für mich auf gleichem Platz mit "Um alles in der Welt" und "Die unbekannte Mitte der Welt".

Links:
Das Buch bei Thalia, das ePub, das pdf
Der Autor bei Wikipedia
Link zum Autorenfoto

Sonntag, 17. Juli 2011

Datenschutz - Schutz der Jugend

Vor etwa 2 Monaten hat mein noch minderjährige Sohn von einer hiesigen Bank ein Angebot zur Kontoeröffnung erhalten, zusammen mit zwei Kinotickets, gültig im Falle eines Abschlusses. Das klingt natürlich harmlos. Jedoch muss man dazu wissen, dass mein Sohn die Bezirksschule abgeschlossen hat und somit ein potentieller Kunde geworden ist. Vergangene Woche hat sich die Bank telefonisch gemeldet und nachgefragt, was denn nun wäre.

Ich frage mich woher die Bank unsere Anschrift, Telefonnummer und zusätzlich das ungefähre Alter meines Sohnes und seinen Namen kennt. In Frage kommen Schule, Gemeindeverwaltung, evtl. auch der Arzt oder private Personen aus dem Bekanntenkreis. Ferner frage ich mich, an wen die Daten sonst noch weitergegeben werden. An Versicherungen, den Weinhändler, sonstige Drogendealer, den Nachtclub im Nachbardorf, die Zeugen Jehovas?

Letztendlich hat jedoch die lokale Bank, bei der wir nicht Kunden sind, die Informationsquelle für ihre Zwecke genutzt und unterstützt (oder verursacht?) somit das Verschieben von persönlichen Daten. Ich verachte die Mentalität dieser Menschen zutiefst. Jeder der oben genannten potentiellen Anbieter denkt von sich, er würde lediglich etwas zum Wohle der Menschheit beitragen, wenn er meinen Sohn in seine Kreise hereinzieht. Ich sehe das anders.

Der Informant handelt ebenfalls kriminell. Sollte es sich um eine offizielle Informationsquelle handeln, warum wurden dann nicht zwei weitere Dorfbanken informiert. Das wäre wenigstens lauterer Wettbewerb. Oder handeln die anderen zwei Banken etwa ethisch sauberer?

Der Anstand in unserer Gesellschaft geht immer mehr verloren.


Samstag, 16. Juli 2011

Einsiedeln - Fotografierverbot in der Klosterkirche

Eigentlich wollten meine Frau und ich nur einen Kaffee trinken... und plötzlich waren wir in Einsiedeln vor dem Kloster. Naja, wo wir schon mal da waren, konnten wir auch auf einen Blick hineinschlüpfen. Das erste Gefühl war: wir haben noch nie so eine kitschige Kirche gesehen. Die Farbkompositionen und die Wimmelbildatmosphäre sind nun wirklich Geschmacksache. Der nächste Eindruck war, dass alles blitzeblank sauber war. Bänke, Gitter, Statuen etc. alles fein geputzt. Aber hallo, das ist schon eine echte Leistung.
Aufgestossen ist mir jedoch das Fotografierverbot, das uns auf Schritt und Tritt auf Schildern entgegenprangte. Kann das sein? Darf das überhaupt sein? Kulturgut gehört m.E. der Allgemeinheit und sollte somit frei zugänglich (ja, ist es hier), fotografierbar (wenigstens zum Privatgebrauch) und veröffentlichbar (also kein Urheberschutz) sein.
Gibt es sonst noch Kirchen, in denen dieses Verbot gilt?

Nun könnte man sich vorstellen, dass Blitzlicht die Gläubigen in ihrer Meditation stört... oder die Farben des Inventars unter dem Blitzlicht leiden. Warum dann aber nur in Einsiedeln?
Oder steckt ein ganz anderer Grund dahinter?
Schaut man sich die vielen Souvenirläden vor der Kirche an (hier werden Schutzengel verkauft!) oder auch den Klostershop innerhalb der Klostermauern, so kommt der Verdacht auf, dass das Kloster Gewinneinbusse befürchtet, wenn jeder Tourist Kirchenbilder ins Internet stellt. Vielleicht soll der Tourist ja die Bilder lieber im Shop kaufen.

Ich zitiere von der Internetseite des Klosters:

Wir orientieren unser Handeln an hohen ethischen Standards.

Sollte mein Verdacht berechtigt sein, warum steht diese Rechtfertigung dann gerade im Abschnitt "Kloster unterstützen", und warum sagen sie nicht "wir handeln nach hohen ethischen Standards", statt sich nur daran zu orientieren?

Wie dem auch sei. Der Kaffee im gegenüberliegendem Café war gut und der Kuchen lecker, das Wetter schön und der Anblick des Klosters schon beeindruckend... wenn auch das pausenlose Glockengeläut echt auf die Nerven geht. Die armen Anwohner.



Mittwoch, 13. Juli 2011

Diäten


Momentan habe ich Spass daran kleine Comics zu produzieren. Dafür verwende ich das Programm Comic Life 2. Mit der Digitalkamera schiesst man sooo viele Fotos. Oft sind nur wenige darunter, die es ins Album schaffen. Comic Strips geben mir die Möglichkeit diese Fotos wenigstens noch zu einer Geschichte zu sortieren.


Sonntag, 10. Juli 2011

Direktive


Sohnemann - Der Anzug


Sohnemann - Der Anzug

Sonntag, 3. Juli 2011

Die Bücherdiebin - Markus Zusak

Pasteurisiert mit 5 von 5 Sternen. Ein Hörbuch - leider gekürzt - vorgelesen von Boris Aljinovic.

Leise vor mich hinweinend höre ich bei meinen Hundespaziergängen am Waldrand die tief berührende Geschichte der kleinen Liesel, die ab 1939 von Pflegeeltern aufgenommen wird. Erzählt wird die Geschichte vom Sensenmann, dem Tod.

Das Buch handelt von den Schrecken des Nationalsozialismus, den Kriegsverbrechen aller Kriegsbeteiligten und von der Liebe derer, die unter all diesen Schrecken leiden.

... und ich frage mich, warum es so viele Menschen gibt, die aus der grausamen Geschichte Europas nichts gelernt haben. Selbst in der friedlichen Schweiz versucht eine sogenannte "Volkspartei" Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Sie schürt Ängste gegen Fremdes und Neues, manipuliert die Wähler, fördert Neid und Missgunst, treibt Keile in die Gesellschaft statt Frieden und Harmonie zu fördern. Die Zahl der menschenfeindlichen Initiativen, die den Schweizer zum Herrenmenschen erheben, ist gross. Dabei entwickelt sich das Land ethisch immer weiter zurück. Nicht, dass es im europäischen Umland anders wäre - eine Ausnahme ist die Schweiz leider nicht - aber teilweise werden hier Exempel statuiert, die umliegende Länder nur zu gerne übernehmen würden. Schlimm genug ist, dass das manipulierte Schweizer Volk (siehe Gehirnwäsche an der Schule im Post vom 14.6.11) eine sogenannte direkte Demokratie hat. Dadurch wird dem weltfremden Volk Macht übertragen, die von rechtspopulistischen Parteien gelenkt wird. Im Ausland schaut das einfache Volk (siehe Stuttgart 21) eifersüchtig auf die Möglichkeit sich durch Initiativen an der Macht zu beteiligen.

Betrachtet man Zusaks Bücherdiebin unter dem Aspekt "was lernen wir daraus", dann sind wir Leser eindeutig aufgefordert etwas zu unternehmen gegen die Verrohung der Gesellschaft, den Verlust des Anstands (letzte Meldung: Lonza erhöht Wochenarbeitszeit auf 43 Stunden) und den Trend zur Mehrklassengesellschaft.

Links:
Das Hörbuch bei Audible und das Buch bei Amazon
Wikipediaeinträge zum Buch und Autor
Obiges Bild des Autors


Dienstag, 14. Juni 2011

Ethik an Schweizer Schulen?

In der 4. Bezirksschulklasse (entspricht in etwa der gymnasialen Mittelstufe bzw. der 8. Klasse in Deutschland) müssen die fünfzehnjährigen Schüler im Fach Deutsch Fragen zu einem Text mit ja oder nein beantworten.
Im Text wird eine Frau beschrieben, die billiges Gemüse einkauft und dies anschliessend als Bio-Gemüse teuer weiterverkauft.
Punkte gibt es, wenn man die Feststellung "Die Frau ist ein Verkaufsgenie" mit "ja" beantwortet.

Diesen Vorfall finde ich zweierlei erschreckend!

1. Wieso schreiben die Jugendlichen keine Aufsätze? Soll hier Schwarzweisssehen ausgebildet werden? Wäre die Frage "wie ist das Verhalten der Frau zu charakterisieren" o.ä. nicht eher angebracht gewesen? Zumal die Antworten ein ganzes Spektrum von Ideen hervorgebracht hätten.

2. Versucht die Schule die Kinder durch Manipulation zu unanständigen Geschäftsgebaren zu ermuntern? Seit wann werden Schweizer Schüler schon so unterrichtet? Der Rechtsdrall in der Gesellschaft deutet auf einen schon etwas längeren Zeitraum hin.

Erst nachdem einer der Schüler dem Lehrer erklärte, dass diese Frau offensichtlich eine Betrügerin wäre, erhielten die Schüler mit der ungeplanten Antwort, also "nein", nachträglich einen halben Punkt.
Wenigstens war der Lehrer einsichtig, nachdem er unreflektiert die Aufgabe verteilt hatte.

Erleben nur meine Kinder solche Geschichten? Gibt es ähnliche Erfahrungen bei dem einen oder anderen Leser? Wie reagieren andere Eltern auf solche Vorkommnisse? Was würdet Ihr als nächstes machen?

Erklärung zu den von mir ausgewählten Fotos: Die dort dargestellten Personen/Figuren entsprechen meiner Vorstellung von Verkaufsgenies. Die Bilder sollen positive Beispiele zeigen. Ich glaube nicht, dass auch nur einer der Abgebildeten betrügerische Absichten hat.

Links
Bild mit Steve Jobs
Bild von Spongebob
Bild der Hamburger Verkaufsgenies


Montag, 6. Juni 2011

Im Schaufenster im Frühling - Melinda Nadj Abonji

Pasteurisiert mit 5 von 5 Sternen. Emotionen pur, mit dem Intellekt nicht zu erfassen.

Nach dem Buch zur Völkerverständigung "Tauben fliegen auf" bin ich neugierig geworden auf Melindas zweites Buch... aber halt, es ist eigentlich ihr erstes Buch, das nach dem vorher genannten lediglich neu aufgelegt wurde. Egal, wie 'rum.

Im "Tauben fliegen auf" ist mir der bandwurmmässige "atemlos" Schreibstil aufgefallen. Wie zur Rache, beginnt Melindas "Im Schaufenster im Frühling" eher im Staccato-Stil. Damit meine ich kurze Sätze (Subjekt, Prädikat, Objekt). Puh, die ersten paar Seiten sind extrem... extrem!... schwer zu lesen. Ich fühlte mich echt zum Narren gehalten. Nun gut, langsam wurde es immer flüssiger und letztendlich war der Lesefluss wieder hergestellt.

Die Geschichte springt hin und her; heute, gestern, vorgestern, heute, vorgestern, vorvorgestern, gestern, heute... hä? Nun versteh' ich bald nichts mehr. Zudem wiederholen sich Szenen, sind jedoch bei der Wiederholung im leicht veränderten Blickwinkel geschrieben und erhalten Zusatzinformationen. Stück für Stück beginne ich zu begreifen... oder ach, doch nicht. Interpretationsversuche schlagen fehl, Frust! Aber weiter geht's mit dem Lesen. Nach etwa der Hälfte des Buches gibt es dann eine erste Altersindikation der Protagonistin... schnell zurückgerechnet... und oops, na deshalb der Staccato-Anfang.

Was sagt die Amazon Kurzbeschreibung zur Geschichte? "Es ist eine Geschichte der Überraschungen, Verletzungen und einer Ahnung vom Glück.". Ja, so oder so ähnlich ist das Buch. Die konfuse, emotionale Luisa lässt mich nicht los. Es ist wie Schachspielen gegen eine regellose Spielerin, die ihre Züge nicht überlegt sondern einfach zieht und mit Glück sogar noch gewinnt. Der verbleibende Seitenrest wird immer dünner und dünner, bald ist die Geschichte durch. Ich bin gefesselt, verstehe aber immer noch nicht - nein, es ist kein Krimi - und dann ganz am Ende ein Lichtblick.

Werde ich über dieses Buch weiter nachdenken? Nein, dieses Buch kann ich nur erfühlen. Ich werde meinen Verstand daran nicht verschleissen!

Frau Abonji, vielen Dank für dieses aussergewöhnliche Experiment und die für mich völlig neue Erfahrung.

Unbedingt lesen! Speziell die LeserInnen, die sonst nur Vampirbücher oder Thriller lesen!

Links:
Das Buch bei Amazon
Link zum obigen Autorinnenfoto
Wikipedia Eintrag zu Melinda Nadj Abonji


Sonntag, 29. Mai 2011

Das Marsprojekt (Bd. 1) - Andreas Eschbach

Pasteurisiert mit 4.5 von 5 Punkten. Oops, Andreas Eschbach schreibt auch Jugendbücher... ein Fehlgriff, den ich nur bedingt bereue.

Andreas Eschbach hat mich bereits mit seinen hervorragenden Büchern "Der Haarteppichknüpfer" (das Beste), "Quest" und natürlich "Eine Billion Dollar" (ein absolutes Muss) und "Jesus Video" gefesselt. Man kann sagen, er ist einer der Autoren, bei dem ich Neuerscheinungen blind aus der Buchhandlung trage. Das wäre beinahe ein Fehler geworden, denn das Marsprojekt ist ein Jugendbuch.

Nun ja, da ich das Buch schon mal gekauft habe, wäre es schade es nicht zu lesen. Also habe ich einfach mal angefangen und war sofort in meine Kindheit versetzt, in der ich aus der öffentlichen Bücherei kiloweise Bücher geschleppt habe. Abgetaucht in die Welt der Jugendlichen einer Siedlerstation auf dem Mars, hat mich die Geschichte kaum noch losgelassen. Es ist eines meiner am schnellsten gelesenen Bücher.

Klar kann dieses Buch nicht Schritt halten mit grossen literarischen Werken, allerdings ist der Entspannungsfaktor enorm. Lesen aus purer Freude, ohne viele Hintergedanken, ohne bedeutungsschwangere Philosophien interpretieren zu müssen und mit nostalgischen Gefühlen; das darf man sich auch mal gönnen, oder?

Alterszielgruppe geschätzt: 10-14 Jahre

Links:
Das Buch bei Amazon
Die Homepage von Andreas Eschbach
Der Wiki-Eintrag zum Autor und zur Buchserie
Die Bildquelle zum Autorenfoto oben


Samstag, 28. Mai 2011

Léon und Louise - Alex Capus

Pasteurisiert mit 5 von 5 Sternen. Romantische Liebesgeschichte.

Dies ist wohl die erste romantische Liebesgeschichte, die ich freiwillig gelesen habe. Mit "Kabale und Liebe" verdirbt man bereits an der Schule den Jungs jegliches Interesse für solche Themen. Die spezielle Thematik von "Léon und Louise" hat mich jedoch im Buchladen schon angezogen. Sonst mache ich um solche Geschichten eher einen grossen Bogen. Frauenliteratur... hab' ich immer gedacht. Nun ja.

Léon und Louise lernen sich als Jugendliche während des ersten Weltkrieges kennen, verlieren sich über viele Jahre aus den Augen und treffen zufällig und einmalig in Paris erneut aufeinander. Mit dem Einmarsch der deutschen Truppen in Paris im zweiten Weltkrieg, wächst die Entfernung zwischen den beiden nochmals, da Louise das Land verlässt und Léon in Paris bei seiner Frau und den zahlreichen Kindern bleibt. Nach dem Krieg finden die beiden wieder zueinander. Banal, oder?

Weit gefehlt! Eine fesselnde, spannende, einfühlsam und realistisch erzählte Geschichte. Authentisch und für mich rundum nachvollziehbar. Also doch ein Buch für Männer.

Meine Highlights des Buches waren die folgenden drei Szenen:
Die Szene am Strand bei Le Tréport, als Louise aus dem Ort zurückkehrt, zu dem sie angeblich gegangen war, um etwa Dessert zu besorgen;
Die Szene, in der sich der freundliche Hauptmann Knochen um das Wohlergehen Léons kümmert... und die dritte Szene in der Léon Mokka-Gelder unter die Leute bringt.

Ach halt, da gab's noch ein weiteres Highlight, nämlich Louises erster Brief....oder... eigentlich ist das ganze Buch ein Highlight, kaum aus der Hand zu legen und für mich ein aussergewöhnlicher Genuss, den ich wirklich nicht erwartet hätte.

Links
Alex Capus Homepage und Quelle des Autorenfotos oben
Das Buch bei Amazon
Wikipedia über den Autor


Montag, 16. Mai 2011

Bordeaux, mon amour - Erich Schaake

Pasteurisiert mit 4 von 5 Sternen. Der Retter von Bordeaux und eine Liebesgeschichte.

Beim Durchstöbern der Geschichtsbuch-Ecke meiner Lieblingsbuchhandlung bin ich auf den Klappentext des Buches über Heinz und Henriette gestossen. Neugierig geworden landete das Buch zuoberst auf meinem Bücherstapel. In Kürze lässt sich die Geschichte folgendermassen darstellen: junge Frau, junger Mann, Liebe auf den ersten Blick, junger Mann muss schwere moralische Entscheidung fällen und wird, getrieben von Sachzwängen, zum Helden. Kein Stoff für einen Bestseller (also keine Vampire oder Zaubererkinder) - aber ein Stück Deutsch/Französischer Geschichte, die durchaus lesenswert ist.

Ich habe das Buch in fast einem Rutsch durchgelesen. Die Geschichte der zwei Liebenden wird flüssig erzählt ohne dabei schnulzig zu wirken. Hier und da werden erklärende oder einleitende Hintergrundinformationen zu den damaligen Vorkommnissen ergänzt. So weiss der Leser immer ein wenig mehr als der Protagonist Heinz Stahlschmidt (s. Foto am Kai) zum gleichen Zeitpunkt der Handlung wissen konnte.

Beeindruckend, wenn auch sehr frustrierend, war das Nachwort des Autors, der das Paar Heinz und Henriette 1993 interviewte und dann den weiteren Lebensweg des Paares ausserhalb der Kriegserlebnisse skizziert.
Die Geschichte ist nicht so spektakulär, wie man es bei einer Heldentat, wie der im Buch beschriebenen, erwarten würde. Aber vermutlich ist genau das, was an vielen Stellen im Krieg passiert. Taten mit grosser Tragweite, die oft wenig beachtet in Vergessenheit geraten. Grosse Schritte für den Ausführenden, der ein einschneidendes Ereignis vereitelt und damit den potentiellen Opfern den Erhalt der Normalität erlaubt und genau deshalb unbemerkt bleibt.

Links
Das Buch bei List (ullsteinbuchverlage) und bei Amazon
Die Links zu den Bildern Heinz Stahlschmidts (Mitte links) und des Autors (unten rechts)
Bordeaux bei Wikipedia und ein Bericht über Heinz Stahlschmidts Heldentat


Freitag, 13. Mai 2011

Das Philips Bluetooth Stereo-Headset SHB6110

Haben Kopfhörer die gleiche Klangqualität wenn sie kabellos sind?

Bevor diese Frage beantwortet werden kann, sollte der Verwendungszwecks genau überlegt werden. Höre ich nur mp3's? Dann limitiert das Musikformat. Höre ich Hörbücher? Wozu dann hohe Qualität? Will ich den vollen Hifi-Genuss und habe noch gute Ohren, die alle Feinheiten unterscheiden können? Befinde ich mich beim Hören in ruhiger Atmosphäre? Wieviel Geld will ich ausgeben? Welchen Komfort erwarte ich?

Das Philips Bluetooth Stereo-Headset SHB6110

Technische Daten, Preise, Bedienungsanleitungen etc. für den Bluetooth Kopfhörer findet man unter folgendem Link: http://www.philips.ch/c/kopfhoerer/shb6110_00/prd/de/
Man sollte beachten, dass der Mensch Musik maximal im Frequenzband von 50 Hz bis 10 kHz wahrnimmt (Wikipedia).

Die meisten Menschen verwenden Kopfhörer in unruhigem Umfeld (z.B. Bahn, Bus, beim Joggen oder im Fitness-Center). Oft um sich abzuschirmen und die Gedanken nach innen zu konzentrieren oder um andere nicht zu stören, wenn das laute Abspielen nicht angemessen ist. Viele Menschen verwenden die praktischen Audioformate mp3, aac oder ähnliche, die von tragbaren Kleinstgeräten, sogenannten mp3-Playern abgespielt werden können. Klangfarbe und Dynamik lässt sich bei modernen Playern über sogenannte Equalizer einstellen.

Manche Stilrichtungen müssen im vollen Frequenzspektrum gehört werden (z.B. Klassik), andere Stile, z.B. Lo-Fi, sind genügsamer. Beachten sollte man bei der Wahl eines Kopfhörers auch die eigene Hörfähigkeit. Es ist eine bedauerliche Entwicklung beim Altern, dass das hörbare Spektrum schrumpft.

Die im Folgenden aufgeführten Vor- und Nachteile beziehen sich auf das Philips BT Stereo Headset SHB6110, ein kabelloses Headset, im Vergleich zu verkabelten Kopfhöreren, wie sie z.B. von Apple iPod touch 4G oder dem iPhone 4 mitgeliefert werden.

Vorteile

  • kein Auf- und Abwickeln oder Verknoten von Kabeln
  • einfache Handhabung z.B. zum Ein-/Ausschalten den Hauptknopf drücken, bis ein Piepton kommt; Start/Pause durch einmaliges Drücken desselben Knopfes
  • dadurch schnelle Handhabung, ohne den Player aus der Tasche holen zu müssen
  • Telefonieren ist möglich, dabei wird die Audiowiedergabe automatisch pausiert und wieder gestartet
  • bequemer und fester Sitz am Kopf
  • Lautstärkeregelung am Headset, vorheriger/nächster Titel am Headset
  • lange Batterielaufzeit (>10 Stunden)

Nachteile

  • man hat neben dem mp3-Player ein zweites Gerät zum Aufladen; da muss man halt dran denken; ist bei einem von beiden Geräten die Batterie leer, gibt's keinen Ton...
  • der Player muss natürlich bluetoothfähig sein und um alle Möglichkeiten des Philips BT Headsets zu nutzen sollte der Player das A2DP/AVRCP-Format unterstützen und Bluetooth 2.0 mit EDR haben
  • höhere Anschaffungskosten, jedoch auch längere Lebensdauer (durch das viele Rausziehen und Aufwickeln des Kabels leiden die verkabelten Kopfhörern, es gibt Kabelbrüche, die sich durch Ausbleiben des Tons oder Störgeräusche bemerkbar machen)
  • Liegt der Player tief in der Winterjacke und ist die Batterie des Headsets schon etwas schwach, dann kann es zu Signalunterbrüchen kommen.


Der Maikäfer - Teil 1

In Graubünden haben wir schon seit mehreren Wochen eine Maikäferplage. Nunja, so richtig plagen mich die lebendigen Käfer nicht - die sterbenden Käfer hingegen schon sehr.

Die Natur ist grausam! Denn ist der Maikäfer einmal auf dem Rücken gelandet, so hat er scheinbar kaum noch Chancen wieder aufzustehen. Er strampelt mit den Beinen; erst schnell, dann langsam, bis er dann nur noch manchmal zuckt, wenn ihm ein Lufthauch Hoffnung gibt. Langsam trocknet er aus oder verhungert oder was weiss ich denn. Die Evolution hat die Maikäfer bis dato überleben lassen. Das heisst, bevor sie einen dieser üblen, gnadenlosen Todeskämpfe durchführen, haben sich noch genügend von ihnen fortgepflanzt.

In einem meiner folgenden Posts werde ich euch aufzeigen, dass Rechtspopulisten Käfer sind und somit bedauernswerte Kreaturen, die jedoch auch zur Plage werden können - eben, wie die Bündner Maikäfer.