Freitag, 18. Februar 2011

Konzepte – ein Essay

Das Wissen der Menschheit besteht aus Konzepten, die man verstehen lernen und anschliessend mit Details füllen kann. Wir kennen Konzepte in der Mathematik (z.B. die differentielle kleine Länge), in der Biologie (z.B. die Vererbungsgesetze), umallesinderweltaus der Geschichte (z.B. die Zivilisation alter Kulturen gründete auf geographischem oder klimatischem Vorteil, neuere Zivilisationen gründen auf Ausbeutung). Das Konzept der Fremdsprachen ist die Kommunikation. Die örtliche Bezirksschule bewertet jedoch mündliche Teilnahme am Unterricht nicht und fordert lediglich den schriftlichen Nachweis. In anderen Fächern werden Konzepte nicht sauber herausgearbeitet und nur Detailwissen gebüffelt. Das passiert bevorzugt in Geschichte, oder? Wo aber kein heiles Gefäss ist, tröpfelt alles schnell wieder davon. Durchblick, Überblick und Kreativität benötigen das Grundverständnis von Konzepten. lochimeimerEs darf nicht Ziel der Gesellschaft sein, lecke Gefässe zu produzieren, die nur durch Anstrengung den Tropfen behalten. Wir wollen doch weiter voran!

Motivation entsteht durch Erfolg. Motiviert zu lernen ist viel effizienter. Ein Konzept verstanden zu haben, ist ein Erfolg für jeden Schüler, ja jeden Menschen überhaupt. Zu erkennen, dass Wissen verloren gegangen ist, kann nur demotivieren. Verstandene Konzepte gehen nicht mehr verloren. Was bedeutet Evolution? Dass der Mensch vom Affen abstammt? NeandertalerSolche Antworten zeigen deutlich, dass die Konzepte nicht vermittelt wurden. Was heisst Expansion des Weltraums? Was ist neu gewesen am Renaissance-Humanismus? Wie funktioniert die Plattentektonik? Konzepte, Konzepte, Konzepte! Nur damit wird Wissen nachhaltig. Bildung entspricht der Summe begriffener Konzepte – was ist dagegen das erlernen einer Sprache? Worte für Konzepte? Ja, aber nicht zwingend erforderlich. Ein Konzept i-watch-apllekann auch durch ein Bild oder eine Darstellung verständlich weitergegeben werden.

Natürlich ist es schön, wenn Kinder alles mitnehmen und als aufgefüllte Gefässe der Gesellschaft übergeben werden. Aber kann ein solches Gefäss noch kreativ sein? Konzepte hingegen, auch in grossen Mengen behindern nicht die Kreativität. Hinterfragen von Fakten ist ebenso ein Konzept in der Naturwissenschaft, wie das Hinterfragen von Konzepten. Ein konzeptorientierter Mensch lernt sein Leben lang, weil er immer wieder neue Gefässe findet. Fanatismus bietet nur eine sehr begrenzte Zahl von Konzepten und streitet viele neue ab bzw. bekämpft sie sogar.

Die Gesellschaft sollte sich also bemühen Potenziale bei Kindern früh zu erkennen und dann vornehmlich Konzepte zu lehren. Oft wird jedoch in Gesellschaften die Menge der Konzepte bewusst begrenzt. Diese sind dann gekapselte, isolierte, faschistische, fanatische oder ähnliche Gesellschaften, die nur noch durch einige wenige Verästelungen mit der Aussenwelt verbunden bleiben. Beispiele? Nazideutschland, das heutige China, das talibanische Afghanistan, das kommunistische Russland oder die Schweiz ausserhalb der Europäischen Union. In der Regel sind es Menschen mit vielen verschiedenen Konzepten im Kopf, die noch Verbindungen halten.

Wem Konzepte fehlen, der orientiert sich an dem Wenigen, das er konzeptionell verstanden hat. Leider oft an den schlechten Beispielen. Z.B. “Kirchen in Saudi Arabien sind nicht erlaubt, wir bauen also keine Minarette” oder “Die Kriminellen lagern ihre Waffen zu Hause, wir behalten unsere also auch im Haus”. Deshalb sollte es auch nicht verwundern, sarrazindass konzeptärmere Regionen (z.B. sehr traditionelle oder streng religiöse) fremdenfeindlicher eingestellt sind als konzeptreiche Regionen. Nein, schlimmer noch, es gibt eine negative Rückkopplung zwischen Konzeptverarmung und Engstirnigkeit. So lässt sich derzeit europaweit bei populistischen Parteien der Trend der Reduzierung und Vereinfachung der Konzepte erkennen, wodurch die Rückkopplung in Bewegung gerät.

Rückkopplung ist übrigens auch ein Konzept, das man verstehen und dann auf viele Lebensbereiche anwenden kann (Technik, Gesellschaft, Biologie, Politik, Medizin etc.).

Ich rufe auf: mehr Konzepte braucht das Land! Das muss im Schulunterricht schon zur Prämisse werden. Fakten hinzulernen kann man später und nach der Schule ohne Ende. Denken lernt man in der Regel später nicht mehr?

Sonntag, 6. Februar 2011

Schwarze Löcher – Cornelia Faustmann

Pasteurisiert mit 4.5 von 5 Sternen. Sterngeburt, Sternentwicklung und Tod als Schwarzes Loch – ein Rundumschlag.

SchwarzeLoecher

Cornelia Faustmann hat mit diesem Buch eine faszinierende Zusammenfassung des derzeitigen Stands der Forschungen und Theorien zu Schwarzen Löchern vorgelegt; gut illustriert und lebendig geschrieben. Für mich als Ingenieur hat das Einfügen einzelner Formeln, die in den üblichen populärwissenschaftlichen Büchern sonst fehlen, zum Verständnis beigetragen. Hier fand ich besonders interessant die Fusionsreaktionen in Sternen und die Thermodynamik Schwarzer Löcher. Die Mischung aus Text, Formeln, Diagrammen und Fotos hat keine Langeweile aufkommen lassen. Nur zum Ende des Buches musste ich hier und da kapitulieren, weil mir doch Grundlagen fehlen. Das Penrose-Diagramm, von dem ich schon vorher gelesen hatte, hat schlichtweg meinen Horizont überstiegen.

CorneliaFaustmann

Es gab einige Aspekte, die mich besonders gefesselt und beeindruckt haben. Dazu gehören insbesondere die Abschnitte zum Materiekreislauf (Wolke, Hauptreihenstern, Roter Riese, Supernova… und damit wieder die Wolke) und zum Schalenbrennen massereicher Sterne, womit sich mir endlich die Bildung schwerer Stoffe (C, O2, Si, Fe, Ni) erklärt hat.

Ich wünsche Cornelia Faustmann alles Gute in Ihrem weiteren beruflichen Werdegang an der Universität Wien (Astronomie und Latein) und darüber hinaus.

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Berlin Alexanderplatz – Alfred Döblin

Gekürzte Hörbuchfassung, in der Teile ausgelassen wurden, die unter Umständen für das Verständnis der Botschaften dieser Geschichte wichtig gewesen wären.

Pasteurisiert mit 2 von 5 Sternen. Aus dem Berliner Arbeitermilieu der 1920er Jahre.

BerlinAlexSprachlich habe ich das gekürzter Hörbuch als schrecklich empfunden. Die inhaltsleeren, jedoch bedeutungsschwanger vorgebrachten Sätze von Proleten, die versuchen etwas anzudeuten ohne es auszusprechen. Die Gesprächspartner, die entsprechende Schwierigkeiten mit der Deutung des Gesagten haben. Mit Gefühlen von der nicht nachvollziehbaren Art überschwemmt und das alles in einem Milieu von Gewaltkriminellen, Prostituierten, Alkoholikern und schlicht gesagt Dummköpfen. Nein, dieses Hörbuch war nicht wirklich mein Fall.

Die Idee dahinter? Der Protagonist Franz Biberkopf wird aus dem Knast entlassen, in dem er wegen Totschlag an seiner ehemaligen Geliebten vier Jahre eingesessen hatte. Franz versucht ein anständiges Leben zu führen, wird vom Milieu aber immer wieder auf die schiefe Bahn gedrängt. Das ist die Aussage des gekürzten Hörbuchs? Gibt das Original vielleicht mehr her? Bestimmt! Ich probiere es aber nicht; rate jedoch dringend von der Kurzversion ab.

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