Dienstag, 14. Juni 2011

Ethik an Schweizer Schulen?

In der 4. Bezirksschulklasse (entspricht in etwa der gymnasialen Mittelstufe bzw. der 8. Klasse in Deutschland) müssen die fünfzehnjährigen Schüler im Fach Deutsch Fragen zu einem Text mit ja oder nein beantworten.
Im Text wird eine Frau beschrieben, die billiges Gemüse einkauft und dies anschliessend als Bio-Gemüse teuer weiterverkauft.
Punkte gibt es, wenn man die Feststellung "Die Frau ist ein Verkaufsgenie" mit "ja" beantwortet.

Diesen Vorfall finde ich zweierlei erschreckend!

1. Wieso schreiben die Jugendlichen keine Aufsätze? Soll hier Schwarzweisssehen ausgebildet werden? Wäre die Frage "wie ist das Verhalten der Frau zu charakterisieren" o.ä. nicht eher angebracht gewesen? Zumal die Antworten ein ganzes Spektrum von Ideen hervorgebracht hätten.

2. Versucht die Schule die Kinder durch Manipulation zu unanständigen Geschäftsgebaren zu ermuntern? Seit wann werden Schweizer Schüler schon so unterrichtet? Der Rechtsdrall in der Gesellschaft deutet auf einen schon etwas längeren Zeitraum hin.

Erst nachdem einer der Schüler dem Lehrer erklärte, dass diese Frau offensichtlich eine Betrügerin wäre, erhielten die Schüler mit der ungeplanten Antwort, also "nein", nachträglich einen halben Punkt.
Wenigstens war der Lehrer einsichtig, nachdem er unreflektiert die Aufgabe verteilt hatte.

Erleben nur meine Kinder solche Geschichten? Gibt es ähnliche Erfahrungen bei dem einen oder anderen Leser? Wie reagieren andere Eltern auf solche Vorkommnisse? Was würdet Ihr als nächstes machen?

Erklärung zu den von mir ausgewählten Fotos: Die dort dargestellten Personen/Figuren entsprechen meiner Vorstellung von Verkaufsgenies. Die Bilder sollen positive Beispiele zeigen. Ich glaube nicht, dass auch nur einer der Abgebildeten betrügerische Absichten hat.

Links
Bild mit Steve Jobs
Bild von Spongebob
Bild der Hamburger Verkaufsgenies


Montag, 6. Juni 2011

Im Schaufenster im Frühling - Melinda Nadj Abonji

Pasteurisiert mit 5 von 5 Sternen. Emotionen pur, mit dem Intellekt nicht zu erfassen.

Nach dem Buch zur Völkerverständigung "Tauben fliegen auf" bin ich neugierig geworden auf Melindas zweites Buch... aber halt, es ist eigentlich ihr erstes Buch, das nach dem vorher genannten lediglich neu aufgelegt wurde. Egal, wie 'rum.

Im "Tauben fliegen auf" ist mir der bandwurmmässige "atemlos" Schreibstil aufgefallen. Wie zur Rache, beginnt Melindas "Im Schaufenster im Frühling" eher im Staccato-Stil. Damit meine ich kurze Sätze (Subjekt, Prädikat, Objekt). Puh, die ersten paar Seiten sind extrem... extrem!... schwer zu lesen. Ich fühlte mich echt zum Narren gehalten. Nun gut, langsam wurde es immer flüssiger und letztendlich war der Lesefluss wieder hergestellt.

Die Geschichte springt hin und her; heute, gestern, vorgestern, heute, vorgestern, vorvorgestern, gestern, heute... hä? Nun versteh' ich bald nichts mehr. Zudem wiederholen sich Szenen, sind jedoch bei der Wiederholung im leicht veränderten Blickwinkel geschrieben und erhalten Zusatzinformationen. Stück für Stück beginne ich zu begreifen... oder ach, doch nicht. Interpretationsversuche schlagen fehl, Frust! Aber weiter geht's mit dem Lesen. Nach etwa der Hälfte des Buches gibt es dann eine erste Altersindikation der Protagonistin... schnell zurückgerechnet... und oops, na deshalb der Staccato-Anfang.

Was sagt die Amazon Kurzbeschreibung zur Geschichte? "Es ist eine Geschichte der Überraschungen, Verletzungen und einer Ahnung vom Glück.". Ja, so oder so ähnlich ist das Buch. Die konfuse, emotionale Luisa lässt mich nicht los. Es ist wie Schachspielen gegen eine regellose Spielerin, die ihre Züge nicht überlegt sondern einfach zieht und mit Glück sogar noch gewinnt. Der verbleibende Seitenrest wird immer dünner und dünner, bald ist die Geschichte durch. Ich bin gefesselt, verstehe aber immer noch nicht - nein, es ist kein Krimi - und dann ganz am Ende ein Lichtblick.

Werde ich über dieses Buch weiter nachdenken? Nein, dieses Buch kann ich nur erfühlen. Ich werde meinen Verstand daran nicht verschleissen!

Frau Abonji, vielen Dank für dieses aussergewöhnliche Experiment und die für mich völlig neue Erfahrung.

Unbedingt lesen! Speziell die LeserInnen, die sonst nur Vampirbücher oder Thriller lesen!

Links:
Das Buch bei Amazon
Link zum obigen Autorinnenfoto
Wikipedia Eintrag zu Melinda Nadj Abonji